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Testosteronregel : Semenya klagt für ihr Menschenrecht

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Caster Semenya klagt in der Hoffnung, dass World Athletics den Fehler einsieht und die „untragbare Regel“ zurücknimmt. Bild: AP

Läuferinnen mit „Differences of Sex Development“ dürfen auf Mittelstrecken nur bei den Frauen starten, wenn sie ihren Testosteronspiegel durch Medikamente senken. Dagegen geht 800-Meter-Olympiasiegerin Semenya an.

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          Die zweimalige 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya (Südafrika) zieht gegen die sogenannte Testosteronregel des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics (WA) vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Das teilte ihr Anwalt Gregory Nott am Dienstag mit, ohne einen genauen Zeitrahmen zu geben.

          „Wir bleiben hoffnungsvoll, dass World Athletics den Fehler einsieht und die untragbare Regel, die Frau Semenya von Wettbewerben ausschließt, zurücknimmt“, hieß es in einem Statement. Läuferinnen mit sogenannten „Differences of Sex Development“ (DSD) dürfen nach der Regel des Weltverbandes nur dann international auf den Strecken zwischen 400 Meter und der Meile bei den Frauen starten, wenn sie ihren erhöhten Testosteronspiegel durch die Einnahme von Medikamenten unter einen Grenzwert drücken.

          Die 29-Jährige Semenya, die unter die Regel fällt, hatte die Einnahme von Medikamenten vehement abgelehnt und war gegen die 2019 eingeführte Vorschrift juristisch vorgegangen. Allerdings hatte sie sowohl vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS als auch der Nachfolgeinstanz, dem Schweizer Bundesgericht, Niederlagen einstecken müssen. Daher ist Semenya derzeit über ihre Paradestrecke international nicht startberechtigt.

          Im März hatte die dreimalige Weltmeisterin angekündigt, bei den Olympischen Spielen in Tokio auf die 200-Meter-Distanz zu wechseln. Zu diesem Zeitpunkt waren die Sommerspiele wegen der Corona-Pandemie allerdings noch nicht auf 2021 verschoben worden.

          Der Fall Semenyas sorgt seit Jahren international und weit über den Sport hinaus für Aufmerksamkeit. Auch der UN-Menschenrechtsrat hatte sich im vergangenen Jahr in einer Resolution zu der Thematik geäußert. Die kontroverse und teilweise geschmacklose Debatte hatte Semenyas Karriere seit ihrem WM-Sieg 2009 in Berlin begleitet. Damals war bekannt geworden, dass sie sich sogar einem Geschlechtstest unterziehen musste.

          Eine erste Version der Testosteronregel hatte 2015 vor dem CAS nicht Bestand gehabt, damals war der Weltverband zu einer Neuregelung aufgefordert worden. Ab diesem Zeitpunkt hatte Semenya alle ihre 800-Meter-Rennen gewonnen.

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