https://www.faz.net/-gtl-71hqp

Tamás Aján : Pillen-King

Tamás Aján Bild: F.A.Z.

          1 Min.

          Eigentlich müsste ein Blick auf die Superschwergewichtlerinnen in London genügen, um der Welt Tränen in die Augen zu treiben. Eine Freak-Show, in der bedauernswerte Geschöpfe Eisen stemmen. Sie sehen aus wie wahre Anabolika-Gebirge. (Aber klar, das darf man natürlich nicht sagen, solange diese aufgeblasenen Gerade-noch-Mädels nicht im Labor positiv getestet wurden.)

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Doch ganz egal, ob man sie oder ihre vergifteten männlichen Pendants irgendwann einmal erwischt: Wer solche Bilder des Jammers über Jahre hinweg zulässt, kann seiner Verantwortung nicht gerecht geworden sein. Der Chef der Weltvereinigung für Steroidmissbrauch heißt Tamás Aján.

          Der Erhalt der Macht gelingt immer

          Der Ungar ist seit 1975 Schlüsselfigur des Internationalen Gewichtheber-Verbandes IWF, 25 Jahre lang war er Generalsekretär, seit 2000 ist er Präsident und dadurch erst ex officio Mitglied und dann Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Aján ist Träger des olympischen Ordens.

          Den Weltverband lenkt er von Budapest aus, seine Systeme sind undurchsichtig, aber eines ist ihm damit immer wieder gelungen: der Erhalt seiner Macht. Dazu gehört auch die Herrschaft über die Trainingskontrollen, die der Verband bei seinen Athleten in aller Welt vornimmt.

          Nur eine einzige Trainingskontrolle

          Ein effektiveres Instrument kann es in einer Sportart, deren gründlicher Verseuchung die komplette Funktionärsriege zusieht, kaum geben. Welcher der vielen Doping-Sünder hochgeht, kann Aján entscheiden. So konnte es zum Beispiel passieren, dass Russland 2011 Siege in Serie abräumte - bei nur einer einzigen Trainingskontrolle.

          Eine Initiative aus Europa, die ein sinnvolles Anti-Doping-System forderte, ist im vergangenen November gescheitert. Wer sauber heben will, ist falsch bei Aján. Der gibt freiwillig das Trumpf-Ass seiner Regentschaft nicht her.

          Lamine Diack: Vater und Sohn (von Michael Reinsch)
          Tamás Aján: Pillen-King (von Evi Simeoni)
          Hassan Moustafa: Eiserne Hand (von Rainer Seele)
          José Sulaimán: Gott macht Fehler (Hans-Joachim Leyenberg)
          Bernie Ecclestone: Der arme Pate (von Anno Hecker)
          Kirsan Iljumschinow: Böse Züge (von Stefan Löffler)

          Topmeldungen

          Frei, aber nicht begnadigt: Roger Stone.

          Mehrjährige Haftstrafe : Trump bewahrt Ex-Berater vor dem Gefängnis

          Der Ex-Wahlkampfberater Roger Stone wurde im Zuge der Russland-Affäre zu über drei Jahren Haft verurteilt. Nun ist er ein „freier Mann“ - dank seines langjährigen Freundes Donald Trump. vor dem Gefängnis= Washington, 11. Jul (Reuters) - US-Präsident Donald Trump bewahrt seinen zu einer ...

          Hochwasserschutz in Venedig : Mose gegen das Meer

          Sie hat sechs Milliarden Euro verschlungen und war Teil eines monumentalen Korruptionsskandals: Die riesige Anlage mit dem Namen des Propheten soll Venedigs Altstadt vor den Fluten schützen und ist so gut wie fertig. Dass sie auch funktioniert, bezweifeln aber viele.

          Bidens Wirtschaftspolitik : Mit Trump-Rhetorik gegen Trump

          Präsidentschaftskandidat Biden skizziert sein Wirtschaftsprogramm: Wie sein Rivale will er mit Protektionismus begeistern – und er verschärft seinen Anti-Wall-Street-Populismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.