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Wada-Entscheidung zur Rusada : „Verrat an sauberen Athleten“

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Jim Walden: „Die Entscheidung der Wada stellt den größten Verrat an sauberen Athleten in der olympischen Geschichte dar.“ Bild: AP

Der Beschluss der Wada, die Suspendierung der russischen Agentur Rusada aufzuheben, ruft weltweite Kritik der Anti-Doping-Kämpfer hervor. Doch es gibt auch Zustimmung – aus Russland.

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          Die Wiederzulassung der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada) ruft Kritik hervor. Doch es gibt auch Zustimmung – aus Russland.

          Jim Walden (Anwalt von Whistleblower Grigorij Rodtschenkow): „Die Entscheidung der Wada, die Rusada wieder aufzunehmen, stellt den größten Verrat an sauberen Athleten in der olympischen Geschichte dar. Die USA verschwenden ihr Geld mit der Finanzierung der Wada, die ganz offenbar unfähig ist, das russische Staatsdoping zu benennen. Der einzige Weg, die Dopingflut einzudämmen, ist eine Anti-Doping-Handlung des US-Kongresses, die dem Justizministerium das Werkzeug gibt, um alle Beteiligten hinter Gitter zu bringen.“

          Linda Helleland (Wada-Vizepräsidentin): „Die Entscheidung wirft einen Schatten auf die Glaubwürdigkeit der Anti-Doping-Bewegung. Heute haben wir für die ehrlichen Sportler auf der ganzen Welt versagt.“

          Travis Tygart (Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur): „Heute haben wir die wichtigste Entscheidung in der Geschichte der Wada erlebt, und sie endete mit einem verheerenden Ergebnis für die sauberen Athleten in aller Welt. Die Wada hat eine klare Botschaft an die Welt gesendet: Wir setzen die Wünsche einer Handvoll Sportfunktionäre über die Rechte von Millionen sauberer Athleten und die Träume von Milliarden Sportfans auf der ganzen Welt."

          Andrea Gotzmann (Nada-Vorstandsvorsitzende): „Die Entscheidung der Wada, die Rusada zum jetzigen Zeitpunkt als compliant, also regelkonform arbeitend, einzustufen, ist ein herber Rückschlag für uns. Die Entscheidung setzt ein falsches Signal. Das Vertrauen in die Wada ist massiv erschüttert. Die Vision von einem unabhängigen Regelungsgeber ist mit der heutigen Entscheidung des Wada-Exekutiv-Komitees zerstört worden.“

          DLV-Präsident Kessing: „Schlag ins Gesicht“
          DLV-Präsident Kessing: „Schlag ins Gesicht“ : Bild: dpa

          Jürgen Kessing (Präsident Deutscher Leichtathletik-Verband): „Die Wada hat nicht nur ein immenses Glaubwürdigkeitsproblem, sondern sie hat mit ihrem Beschluss dem Anti-Doping-Kampf weltweit einen schweren Schaden zugefügt. Nicht zuletzt für die Athleten und Athletinnen, die für einen sauberen Sport kämpfen, ist diese Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Daran ändern auch die neuen Auflagen, die mit der Begnadigung verbunden sind, nichts.“

          Dagmar Freitag (Sportausschussvorsitzende des Bundestages): „Das ist der Worst Case.“

          Andrew Parsons (Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, IPC): „Nach langem Stillstand zwischen den russischen Behörden und der Wada bin ich froh, dass Bewegung in die Sache gekommen ist. Nach wie vor ist eine Menge Arbeit zu tun, die Rusada darf sich keinen falschen Illusionen hingeben. Eine Missachtung der von der Wada gestellten Bedingungen hätte sofort wieder einen Ausschluss zur Folge. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das aktuelle Anti-Doping-System in Russland sich deutlich von dem korrupten System von damals unterscheidet."

          Internationales Olympisches Komitee (IOC): „Wir nehmen das Votum der Wada-Exekutive, das gleichermaßen von Regierungsmitgliedern und Sportfunktionären getroffen wurde, zur Kenntnis. Es folgt der Empfehlung des unabhängigen Compliance-Prüfungsausschusses."

          Rusada-Chef Ganus: „Die Sportler müssen sich anstrengen und ehrlich siegen.“
          Rusada-Chef Ganus: „Die Sportler müssen sich anstrengen und ehrlich siegen.“ : Bild: AP

          Jurij Ganus (Rusada-Vorsitzender): „Die Wiederaufnahme ebnet den russischen Athleten den Weg, an Wettkämpfen teilzunehmen. Sie schafft auch die Gelegenheit, Sportveranstaltungen in Russland auszurichten. Allerdings bedeutet die Wiederaufnahme nur einen ersten Schritt, das Vertrauen in das russische Sportsystem wiederherzustellen. Die Sportler müssen sich anstrengen und ehrlich siegen.“

          Olga Golodez (russische Vizepremierministerin): „Wir begrüßen die Entscheidung der Wada. Russland hat in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um transparente und verständliche Maßnahmen zur Verhinderung von Doping zu schaffen:“

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