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Studie im Spitzensport : Es fehlt am Wichtigsten

Die Athleten haben in der Umfrage die Missstände deutlich benannt. Bild: obs

Eine Studie unter Olympia-Athleten wirkt wie eine Erwiderung auf das Gemaule über die schwache Medaillenbilanz bei den Olympischen Spielen in Tokio. Irgendetwas läuft falsch im deutschen Spitzensport.

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          Leute, wenn euch die Medaillen so wichtig sind, dann fördert uns bitte besser. So großzügig, dass wir den Kopf frei haben, wenn es drauf ankommt. Wenn ihr professionelle Leistung verlangt, ermöglicht uns bitte professionelle Vorbereitung.

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          Es scheint, als wären die Angaben der mehr als tausend Sportlerinnen und Sportler zu den Rahmenbedingungen ihres Tuns und Treibens die Erwiderung auf Unzufriedenheit und Gemaule über das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen von Tokio 2021. Weniger als halb so viele Medaillen wie in Barcelona 1992, weniger als ein Drittel der 33 Olympiasiege beim Höhenflug der ersten Spiele nach der deutschen Einheit – klar, dass es dafür Gründe gibt.

          Die Athleten, von der Deutschen Sporthochschule im Auftrag der Stiftung Deutsche Sporthilfe befragt, nutzten die Chance, ihre Sicht der Dinge deutlich zu machen. Mit dem Geld geht’s los: Ein Drittel sagt, es sei nicht genug, dass sie sich auf den Sport konzentrieren könnten. Selbst von denjenigen, die bei Olympischen und Paralympischen Spielen die Finals erreichten, macht sich mehr als ein Fünftel diesen Befund zu eigen.

          Zu den Trainern: Rund ein Drittel der Befragten ist nicht zufrieden mit Expertise (28 Prozent) und Führungsstil (33 Prozent) der Coaches. Die Tendenz, zwar Angebote für die berufliche Zukunft zu erhalten, diese aber nicht im ausreichenden Maße zu nutzen, mag zusätzlich dazu beitragen, dass selbst die Besten der Besten in Tokio nicht bei der Sache waren.

          Jeder vierte deutsche Athlet, der in Tokio das Finale der Olympischen oder Paralympischen Spiele erreichte, gab an, er sei in diesem mental nicht voll präsent gewesen. In der Breite der deutschen Topathleten gilt dies gar für jede Dritte oder jeden Dritten zum Höhepunkt der Saison. Irgendetwas läuft falsch im olympischen und paralympischen Spitzensport. Schließlich hat man ihn in den vergangenen Jahren mit einiger Strenge zu reformieren versucht und die staatliche Förderung allein durch das Bundesinnenministerium auf knapp 300 Millionen Euro gesteigert.

          Wer daraus Forderungen ableitet, bekommt nun schwarz auf weiß, dass es den Sportlerinnen und Sportlern am Wichtigsten fehlt. Fast der Hälfte von ihnen (44 Prozent) fehlt die Wertschätzung der Gesellschaft, fast zwei Drittel (63 Prozent) fühlen sich von den Medien, gar mehr als zwei Drittel (69 Prozent) von der Politik nicht wertgeschätzt. Viel wäre ge­won­­nen, würde die Bedeutung von Goldmedaillen sich im Ansehen derjenigen ausdrücken, die sie gewinnen wollen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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