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Studie : Deutschland im Schulsport Mittelmaß

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Gegolft wird natürlich eher selten Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Einen neuen Pisa-Schock hat die wissenschaftliche Untersuchung des Sportunterrichts an den deutschen Schulen nicht ausgelöst. „Weder besonders gut noch besonders schlecht“ sei der Unterricht, sagte Professor Brettschneider.

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          Ist der Schulsport in Deutschland schlecht, oder wird er schlechtgeredet? Professor Wolf-Dietrich Brettschneider von der Universität Paderborn ist dieser Frage im Auftrag des Deutschen Sportbundes (DSB) seit Januar 2003 mit empirischen Methoden auf den Grund gegangen. Am Dienstag legte er in Berlin die Endergebnisse seiner Sprint-Studie vor (Sprint steht für Sportunterricht in Deutschland).

          In seinem offiziellen Fazit hielt er sich jedoch mit einer eindeutigen Antwort zurück: "Der Sportunterricht in Deutschland ist weder besonders gut noch besonders schlecht. Er liegt irgendwo im Mittelfeld." Schon bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse im Dezember vergangenen Jahres hatte sich angedeutet, daß mit einem Pisa-Schock im Sportunterricht nicht zu rechnen sein würde. Beim Schulsport, das wurde bei der finalen Präsentation der Studie deutlich, sind einfache und absolute Urteile verfehlt.

          Von Richthofen fordert Ruck

          Ist es alarmierend, wenn die Schüler ihrem Sportunterricht im Schnitt die Note 2,3 verleihen? Muß man sich Sorgen machen, wenn 20 Prozent der deutschen Schulen zu wenige geeignete Sportstätten stellen können? Ist es ein Skandal, wenn an Grundschulen die Hälfte des Sportunterrichts von fachfremdem Personal erteilt wird? Sportfunktionäre und Politiker übten sich nach der Präsentation in unterschiedlichen Lesarten der Ergebnisse.

          Nach Meinung des DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen sind durch die Sprint-Studie hinlänglich bekannte Problemfelder wissenschaftlich belegt worden. Als Konsequenz daraus forderte er von der Politik den notwendigen Ruck im Schulsport ein. "Vor allem dem Schwimmunterricht in Deutschland kann man kaum noch die Note ausreichend erteilen", sagte er. Das sei besonders besorgniserregend, weil im vergangenen Jahr so viele Kinder und Jugendliche ertrunken seien wie noch nie seit 1945.

          Situation an den Hauptschulen alarmierend

          Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Johanna Wartam, zeigte sich dagegen erleichtert über die aus ihrer Sicht positiven Befunde der Untersuchung. "Es freut mich, wenn die Leistungsfähigkeit unseres Schulsystems auch in diesem Bereich belegt wird", sagte sie. Mit Blick auf den DSB-Präsidenten merkte sie an: "Ich habe zu manchem, was Sie hier gesagt haben, heftigen Widerspruch." Aus ihrer Sicht gibt es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von Badeunfällen und dem Ausfall von Schwimmstunden. Nur am Rande räumte Johanna Warta ein, daß von seiten der Kultusministerien Handlungsbedarf bestehe. So soll bei der zunehmenden Ganztagsbetreuung an Schulen dem Sport zukünftig eine exponierte Stellung zukommen.

          Brettschneider verließ im Anschluß an die Präsentation die Ebene des objektiven Wissenschaftlers und forderte von seiten der Bildungspolitiker konkrete Zusagen statt vager Versprechungen. Er war daher sichtlich darum bemüht, provokante Details aus seiner Untersuchung herauszulesen. "Leider sind die Endergebnisse nicht so spektakulär, wie ich mir das vorgestellt habe", gab er zu. Brettschneider wies allerdings darauf hin, daß seine Daten im Bundesdurchschnitt beruhigender aussähen, als sie im Einzelfall seien. "Es bleibt dabei: Jede vierte Sportstunde findet nicht statt. Es ist wenig konstruktiv, wenn die KMK dieses Problem zu verschleiern versucht", sagte er. Besonders an Hauptschulen sei die Situation alarmierend. Damit ist genau die Gruppe von Jugendlichen betroffen, die sich auch außerhalb der Schule am wenigsten körperlich anstrengt. Das Problem des Schulsportes könnte daher künftig sein, daß er zu voreilig zu gut geredet wurde.

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