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Strukturdebatte : Kürzen, rationalisieren, verschlanken

  • -Aktualisiert am

Verhandslungsführer: Klaus Steinbach (l.) und Manfred von Richthofen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Strukturreformkommission von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischem Komitee, die eine Fusion beider Organisationen vorbereiten soll, nimmt sich für ihren Auftrag viel Zeit.

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          Die Strukturreformkommission von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischem Komitee (NOK) hat den Begriff Klausurtagung sehr ernst genommen. Nach dem ganztägigen Treffen am Montag in Frankfurt gab es noch spärlichere Informationen als nach den vorangegangenen beiden Sitzungen.

          Die Schlagworte lauteten wie gewohnt „konstruktive Atmosphäre“ und „zügige Fortsetzung der Arbeit“. In Wirklichkeit dürfte es nur zäh vorangehen. Das macht schon die Tatsache deutlich, daß man sich erst nach 24 Stunden auf den Text einer gemeinsamen Pressemitteilung einigen konnte.

          Zum Sparen gezwungen

          Das paritätisch besetzte Zwölfergremium, das eine Fusion beider Organisationen vorbereiten soll, wird erst am 10. Mai wieder zusammenkommen. Nach dem ursprünglichen Plan soll nach einem letzten Treffen am 20. Juni ein Abschlußbericht vorgelegt werden. Thema am Montag waren unter anderem Finanzfragen. Vor allem der DSB ist zu Sparmaßnahmen gezwungen, aber auch das NOK gilt nicht als sorgenfrei.

          Von Sommer an soll eine Satzungskommission die weiteren Voraussetzungen für den Zusammenschluß schaffen. DSB und NOK müssen in außerordentlichen Hauptversammlungen ihre Auflösung und die Verschmelzung unter einem neuen Dach beschließen. Dies kann frühestens im Herbst 2005 geschehen, als spätester Termin wird das Frühjahr 2006 genannt.

          Keine sichtbaren Fortschritte

          Der Standpunkt von NOK-Präsident Klaus Steinbach lautet unverändert, man dürfe sich nicht zur Eile drängen lassen. Andere Länder hätten zwei bis vier Jahre für ähnliche Vorhaben gebraucht. „Wir sind keine Full-time-Bosse im Sport, das ist nicht so wie in der Wirtschaft. Wir haben alle noch andere Aufgaben“, so erklärt der Mediziner den monatelangen Prozeß ohne schnelle sichtbare Fortschritte. „Wir müssen einen hochakzeptablen Vorschlag erarbeiten, ein durchschlagendes, starkes Konzept, das den Vereinigungsprozeß und eine tragfähige Gemeinschaftsorganisation möglich macht.“

          DSB-Chef Manfred von Richthofen nannte zuletzt den „Kampf gegen die Gremienseuche“ eine der wichtigsten Aufgaben: „Wir müssen uns verschlanken.“ Zu massiven Kürzungen auch im Hochleistungssport gebe es keine Alternative, das müsse man gegenüber Bund und Ländern deutlich machen. Nach wie vor gibt es selbst in einzelnen Gruppierungen des Sports Widerstände gegen den Zusammenschluß und seine Folgen.

          „Im Idealfall wird der Sport stärker“

          Unterdessen hat Tischtennis-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb, der im vergangenen Herbst die Rolle eines Moderators der Fusionsgespräche abgelehnt hatte, weil er nicht zum Prellbock werden wollte, sich erstmals zu dem Verfahren geäußert.

          Gegenüber der „Welt“ sagte er: „Wichtig ist erst einmal, daß sich die Präsidenten Richthofen und Steinbach die volle Rückendeckung ihrer Organisationen verschaffen. Die Fusion bedeutet eine ganze Reihe von personellen Verschiebungen. Sportfunktionäre müssen auf ihr Amt verzichten. Es muß ja rationalisiert werden, damit ein wirtschaftlicher und sportpolitischer Straffungseffekt entsteht. Bei der Erarbeitung der Struktur werden sich naturgemäß viele Beteiligte die Frage nach der eigenen Zukunft stellen.“

          Die Fusion mache nur Sinn, wenn sie ohne nachhaltige persönliche Konflikte zustande komme. „Im Idealfall wird der Sport stärker im Lobbying, erfolgreicher in der Durchsetzungsfähigkeit gegenüber der Politik.“ Über den Erfolg einer Fusion entscheide auch die Antwort auf die Frage, „ob es einen Anführer mit den Fähigkeiten gibt, einen so großen Verband zu steuern, und kommunikativ effektiv zu vertreten“.

          Namen möglicher Kandidaten nannte Gäb nicht. Bei allen Autonomiebestrebungen müsse sich der Sport bewußt machen, daß große internationale Vorhaben, wie eine Bewerbung um eine WM oder gar Olympia, nur gemeinsam mit Bundeskanzler, Bundespräsident, Politikern und Diplomaten zu realisieren seien. „Deutschland als eines der großen Sportländer ist in den internationalen Gremien und Fachverbänden absolut unterrepräsentiert - weil wir zu wenig Lobbying betreiben und weil Politik, Staat und Sport da nicht schlagkräftig zusammenarbeiten.“

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