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Olympia 2024 in Hamburg : Und wer soll das bezahlen?

So sollen die Olympischen Spiele 2024 in Hamburg aussehen – aber kommt es auch soweit? Bild: dpa

An diesem Sonntag entscheiden die Hamburger über die Olympia-Bewerbung. Stadt, Sport und Staat sind sich einig – so die offizielle Version. Doch hinter den Kulissen tobt ein heftiger Streit.

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          Sie sind nervös. Der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, und die wohlwollenden Politiker in Berlin. Wenn das Referendum zu der Frage, ob sich die Hansestadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben soll, mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses an diesem Sonntagabend scheitert, dann geht vieles in die Brüche.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vielleicht die politische Karriere von Scholz, sicher der große Plan des DOSB, dem Spitzensport eine Zukunft zu geben, und schließlich löste sich die Vision der Strategen in Berlin in Luft auf: Nämlich mit fröhlichen, sauberen Sommerspielen 52 Jahre nach München 1972, zu beweisen, dass die Deutschen nicht mit Gewalt das Machtzentrum in Europa sein wollen, sondern eine liebenswerte, leistungsstarke, vorbildlich-demokratische Gesellschaft bilden. Das hat seinen Preis. Einen hohen. Wähler haben danach gefragt in den vielen Hamburger Diskussionsabenden und -foren während der vergangenen Wochen: Was kostet das alles? Und – vor allem: Wer bezahlt?

          Lächeln für Olympia: Scholz, Hörmann und De Maiziere (von links)

          Die Olympia-Protagonisten reden öffentlich ungern über Geld. Es gibt ein Bild von ihnen. Scholz, Hörmann und Bundesinnenminister Thomas de Maizière lächeln in die Kamera. Es soll Zuversicht ausstrahlen: Stadt, Sport und Staat scheinen sich einig. Alles wird gut. Olympia ist doch viel mehr als ein Milliardenspiel. Hinter den Kulissen aber tobt ein heftiger Streit zwischen den entscheidenden Figuren, zwischen Stadt und Staat, Scholz und de Maizière um die Finanzierungsbeteiligung.

          Der Innenminister sprach am Donnerstag beruhigend von der Aussicht auf eine Einigung – nach dem Referendum. Und sprach damit aus, was niemand aus dem Olympia-Lager offen sagen will: Die Hamburger haben zwar erfahren, dass die Spiele ihnen eine großartige Stadtentwicklung bescheren sollen. Aber wenn man den Ministerien in Berlin glaubt, dann wissen sie vor ihrer Abstimmung nicht, was sie das Projekt kosten wird.

          Scholz protestiert, wenn er von Olympia-Gegnern darauf angesprochen wird. 1,2 Milliarden Euro, so sein Wahlversprechen, sollen die Hamburger zahlen, keinen Cent mehr. Auf dem Bund kämen dann, so die Kalkulation der Olympia GmbH, etwa sechs Milliarden zu. Der Rest zum Gesamtetat von rund 11 Milliarden Euro soll durch Einnahmen und den Zuschuss des Internationalen Olympischen Komitees refinanziert werden.

          Die Rechnung hat nur einen Haken. Seit Wochen sträubt sich der Bund mit Händen und Füßen, den Löwenanteil zu tragen. „Die Fronten sind verhärtet“, heißt es im Innenministerium. Das Bild der lächelnden Olympiamacher Scholz, Hörmann und de Maizière zeigte also gute Mienen in einem knallharten Spiel. Es ging laut zu und bis an die Grenze: Dann solle die Kanzlerin doch das Olympiaprojekt für beendet erklären, soll Scholz gerufen haben. Angesichts der gegenwärtigen Probleme, hielt das BMI mit einem Hinweis auf die Flüchtlingsproblematik dagegen, sei das der Bevölkerung wohl leicht vermittelbar. Deutschland schafft nicht alles.

          Der Versuch von Scholz, die Minister auszuschalten und gleich mit der Deutschland-Chefin zu verhandeln, misslang angeblich. Jetzt hat er es mit Finanzchef Schäuble zu tun, dem Sportfan – und knallharten Kassenwart. Der Widerstand aber wird kaum geringer. Das BMI unterstellt Scholz indirekt, nicht vorrangig die Freude am Sport habe sein Olympia-Fieber entfacht, sondern das Kalkül, mit Hilfe des größten Sportfestes der Welt in der Stadtentwicklung endlich den Schritt über die Elbe zu tun.

          Der Kleine Grasbrook, die attraktive Insel mitten im Strom, wird seit je von der Hafenwirtschaft beansprucht. Bis zu zwei Milliarden Euro werden in der Olympia-Kalkulation dafür angesetzt, Betriebe von dort zu verlagern; ein Großteil davon sind Entschädigungen. Bekommt Hamburg nicht das Votum seiner Bürger und den Zuschlag vom Internationalen Olympischen Komitee, bleiben die 45 Hektar allerbester Lage reserviert für Lagerung und Umschlag von Containern und Gebrauchtwagen.

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