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Streit um Teamfähigkeit : Bei der Deutschen Sporthilfe hängt der Segen schief

  • -Aktualisiert am

Ann Kathrin Linsenhoff ist seit Jahresanfang Vorsitzende der Sporthilfe und soll nicht teamfähig sein Bild: Wolfgang Eilmes

Hans Wilhelm Gäb hat die Sporthilfe bis Ende 2007 geführt. Seiner Nachfolgerin Ann Kathrin Linsenhoff wirft er fehlende Teamfähigkeit und einen Interessenkonflikt vor, weil sie bei Unicef tätig ist. Einige sprechen schon von Rücktritt, nur Linsenhoff nicht.

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          Den Sonntag genießen, das konnte Ann Kathrin Linsenhoff nicht. Denn die Deutsche Presse-Agentur stellte sie am Mittag in einem Bericht als Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe in Frage. Sie stehe unter Druck, das Verhältnis zum Aufsichtsrat der Stiftung sei so zerrüttet, dass sie sogar zu einem Rücktritt gedrängt werden könne. Nach nur achteinhalb Monaten im Amt scheine die Sporthilfe-Chefin aus Kronberg vor dem Aus zu stehen, fand die Agentur.

          Die 48 Jahre alte ehemalige Dressurreiterin, die ihre erfolgreiche Karriere im Sattel wegen einer Erkrankung beenden musste, dementierte freilich auf Anfrage einen bevorstehenden Rückzug. „Ich möchte diese tolle Aufgabe fortführen. Ich glaube, dass es gut ist, dass eine frühere Sportlerin diese Stiftung führt. Ich kämpfe dafür.“ Tatsache ist, dass sie am Freitag auf ihrem Anwesen im Taunus, dem Schafhof, eine Abordnung des Aufsichtsrats der Sporthilfe zu Gast hatte, um über Probleme in ihrer Amtsführung zu sprechen. Der Frankfurter Industriemanager Peter Zühlsdorff, einer der Teilnehmer, sagte am Sonntag, Linsenhoff sei „bereit gewesen, über die von uns gebauten Brücken zu gehen“. Sie sei eindrucksvoll mit den Vorwürfen umgegangen, meinte Vermittler Zühlsdorff. Für ihn, aber auch für andere im Aufsichtsrat sei eine Ablösung nicht zwingend: „Frau Linsenhoff ist eigentlich eine ideale Besetzung. Ich hoffe, dass wir der Sache noch eine andere Richtung geben können. Die Krise ist keine einseitige Geschichte, die allein Frau Linsenhoff zu verantworten hätte. Zwei angesehene Persönlichkeiten stehen sich gegenüber.“

          Viele wollen mitreden - manchmal auch zu viele

          Den Gegenpart bildet Hans Wilhelm Gäb, der ehemalige General-Motors-Manager, der bis Ende 2007 die Sporthilfe geführt hatte. Gäb, inzwischen 72 Jahre alt, war in der schwierigsten Lage der 1967 gegründeten Sporthilfe eingesprungen. 2005 musste Techem-Manager Hans-Ludwig Grüschow als Sporthilfe-Vorsitzender gehen, nachdem Kontakte zu dem in einen Schmiergeldskandal verwickelten ARD-Journalisten Wilfried Mohren bekanntgeworden waren. Gäb, der im Tischtennis Nationalspieler war und später viele ehrenamtliche Funktionen im Sport ausübte, rettete die Sporthilfe.

          Er schuf aber auch jene Strukturen, die jetzt zum Dissens geführt haben dürften. Neben dem Vorstand und dem in Sachsenhausen arbeitenden hauptamtlichen Mitarbeiterstab existieren nämlich noch der Aufsichtsrat (Vorsitz Gäb) und der Stiftungsrat (Vorsitzender der frühere Daimler-Manager Jürgen Hubbert), dazu ein Präsidialausschuss, ein Gutachterausschuss und ein Kuratorium. Viele Gremien bedeuten mitunter, dass viele mitreden wollen, manchmal auch zu viele. Weil er solch einen Konflikt vorausgesehen hatte, war Schwimm-Olympiasieger Michael Gross einst aus dem Sporthilfe-Vorstand ausgeschieden. Er war mit Gäbs Strukturreformen nicht einverstanden.

          Gäb soll mehr Präsenz zeigen als Linsenhoff

          Gäb, der im Sporthilfe-Haus in Sachsenhausen noch einen Schreibtisch hat und dort angeblich mehr Präsenz zeigt als Frau Linsenhoff, wirft der Vorsitzenden fehlende Teamfähigkeit und einen Interessenkonflikt wegen ihrer erst im April übernommenen Tätigkeit als stellvertretende Vorsitzende des Kinderhilfswerks Unicef vor. „Ich bin mir der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst, aber ich denke absolut nicht an Rücktritt. Ich hatte Gelegenheit, mich zu den Vorwürfen zu äußern, und jetzt muss man weitersehen“, sagte Ann Kathrin Linsenhoff gestern. Für Unicef engagiere sie sich seit 2002, etwa mit dem ertragreichen Schafhof-Festival. Das lasse sie sich nicht nehmen. Sie wehrt sich auch gegen den Eindruck, nur sie habe in der Sporthilfe Fehler gemacht. So habe der Aufsichtsrat versucht, sie vor vollendete Tatsachen zu stellen, etwa in der Frage ihres Stellvertreters. Ohne ihr Wissen sei mit Personen verhandelt worden, etwa mit dem ZDF-Star Johannes Kerner, der jedes Jahr den „Ball des Sports“ in Wiesbaden moderiert. Während also die eine Seite mehr Teamwork einfordert und Kommunikationsdefizite beklagt, fühlt sich die andere in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengt. Es geht ganz offenbar um persönliche Empfindlichkeiten. Eine Eskalation sei zu vermeiden, sagte Zühlsdorff, sie würde der Sache und den Personen nur schaden. Ihn störe, dass die Auseinandersetzung entgegen den Abmachungen in die Medien getragen worden sei.

          Die Sporthilfe fördert Spitzenathleten aus den olympischen Disziplinen mit rund zwölf Millionen Euro im Jahr. Die Akquisition von Mitteln wird immer schwieriger. In diesem Jahr wurde die Einrichtung von der Bundesregierung mit einer Million Euro unterstützt. Linsenhoff ist in der einundvierzigjährigen Geschichte der Sporthilfe die sechste Vorsitzende – nach Gäb, Grüschow, Erich Schumann, Willi Daume und Josef Neckermann –, und sie ist die erste Frau. In der Riege der älteren Herren scheint sie es schwerer zu haben als von vielen gedacht.

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