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Streit im Präsidium : Showdown im gespaltenen DOSB nach Olympia

Alfons Hörmann hört zu bei der offiziellen Präsentation der Outfits für die deutsche Olympia- und Paralympia-Mannschaft in Düsseldorf. Bild: dpa

Im Machtkampf im deutschen Sport kommt eine weitere Untersuchung auf die Ethikkommission zu. Dazu sind Fachverbände für die Vertrauensfrage im Spätsommer, Landesverbände fordern Neuwahlen im Winter.

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          Im Machtkampf des deutschen Sports und im Streit um Neuwahl oder Vertrauensfrage kommt auf Alfons Hörmann und sein Präsidium eine weitere Untersuchung der Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu. Das kündigte Jonathan Koch, Athletenvertreter im Präsidium, am Samstag in der Konferenz der Spitzenverbände an, als ihm Hörmann vorwarf, seine Position zur Ehrenerklärung für Hörmann unter Einfluss von außen und auch auf Druck von Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Sportausschusses verändert zu haben.

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          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Am Sonntag bestätigte Koch gegenüber der F.A.Z., dass er einen Bericht an die von dem ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière geleitete Kommission abgeben werde: „Dabei geht es um den Vorgang der falschen namentlichen Zeichnung des Statements vom 7. Mai 2021.“ Gemeint ist die Ehrenerklärung, in der die Mitglieder des Präsidiums, am Tag nachdem anonyme Vorwürfe aus der Mitarbeiterschaft des DOSB über Führungsstil und Umgangsformen von Hörmann bekannt geworden waren („Kultur der Angst“), diesem „uneingeschränktes Vertrauen und vollumfängliche Unterstützung“ aussprachen. Erst auf anhaltenden Protest von Koch entfernte der DOSB dessen Namen unter der Erklärung.

          Vertrauen zurückgewinnen

          Die in der Versammlung am Samstag als Zeugin genannte Vizepräsidentin Leistungssport Uschi Schmitz antwortet auf Frage der F.A.Z., ob Koch ihr im Zusammenhang mit der Erklärung gesagt habe, er sei unter Druck gesetzt worden, mit Ja. Er habe nicht gesagt, von wem. Frau Schmitz überraschte mit der Mitteilung, dass de Maizière längst eine Darstellung des Vorgangs vom Präsidium angefordert und erhalten habe. Offenbar untersucht er den Vorgang bereits und wird nun noch eine Darstellung von Koch erhalten.

          Aus der ersten Untersuchung, in der es um Führungsstil und Umgangsformen von Hörmann und um deren Folgen ging, hat de Maizière die Empfehlung abgeleitet, die Mitgliederversammlung im Dezember für die Neuwahl von Präsident und Präsidium zu nutzen; nur so lasse sich Vertrauen schaffen.

          Fällt die Entscheidung im Spätsommer?

          Hörmann und das Präsidium entscheiden als Gegenstand der Untersuchung und als satzungsgemäße Empfänger der Empfehlung der Ethikkommission selbst, welche Konsequenzen der Bericht für sie hat. Sie werden voraussichtlich in der kommenden Woche zu einer außerordentlichen Hauptversammlung bereits im September einladen, nach Olympischen und Paralympischen Spielen. Dem stimmten – nicht mit einem Beschluss, wohl aber mit einem nahezu einstimmigen Votum – die Vertreter der 66 Spitzenverbände zu.

          Sollte eine Mehrheit im September für Neuwahlen drei Monate später votieren, so erklärt es Ingo Weiss, Basketball-Präsident und Sprecher der Konferenz, sei dies ein Signal für Misstrauen; Hörmann müsste in diesem Fall zurücktreten. Es gehe darum zu vermeiden, dass im Dezember schmutzige Wäsche gewaschen werde. Deshalb solle die Diskussion kanalisiert und der Verband in ruhiges Fahrwasser gebracht werden.

          Für den Fall des Rücktritts von Hörmann brachte Weiss den Vizepräsidenten Finanzen, Kaweh Niroomand, ins Gespräch, um einen Notvorstand zu vermeiden. In vielen Verbänden herrscht die Überzeugung vor, die derzeitige Krise dürfe sich nicht bis Ende des Jahres ziehen. Hörmann interpretiert den am 7. Juni von de Maizière veröffentlichten Bericht als weitgehend entlastend.

          Landesverbände wollen Neuwahlen

          Demgegenüber fordern die sechzehn Landessportbünde Neuwahlen im Dezember, ein Jahr vor dem turnusgemäßen Ende der zweiten Amtszeit von Hörmann. Den Vorschlag, lediglich eine „Vertrauensabstimmung“ im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abzuhalten, lehnten sie ab, heißt es in einer Erklärung, die sie am Samstag auf ihrer Konferenz in Kassel verabschiedeten. Die LSB fordern das DOSB-Präsidium einstimmig auf, die Empfehlung der Ethikkommission vollständig umzusetzen. Die LSB vertreten die Auffassung, dass der Zeitraum bis zum Dezember 2021 erforderlich ist, um die inhaltlichen Erwartungen der LSB und strukturelle Fragen mit dem DOSB-Präsidium sachgerecht erörtern zu können.

          Die Landessportbünde liegen damit auf einer Linie mit den Athletenvertretern. Deren Organisation „Athleten Deutschland“ verlangte, die Empfehlungen der Ethikkommission umzusetzen, „um die Glaubwürdigkeit der Ethikkommission nicht zu gefährden und keinen Vertrauensverlust in diese lediglich empfehlende Institution zu riskieren“.

          De Maizière forderte im Deutschlandfunk Veränderung im DOSB: „Es geht um einen Prozess, dass man aufhört, schlecht über andere zu reden – wer und worüber auch immer, und da müssen sich ganz viele an die eigene Nase fassen“, sagte er und warnte vor dem Eindruck, die Ablösung Hörmanns allein werde für Entspannung sorgen: „Zu glauben, dass rund um eine Person das Thema dann gelöst wäre, der verkennt die Tiefe des Problems.“

          Dagmar Freitag warf Hörmann und seinem Präsidium die „demonstrative Missachtung des Votums der Ethikkommission“ vor. Die Vorsitzende des Sportausschusses sagte gegenüber dem Sportinformationsdienst, der DOSB-Präsident denke gar nicht daran, „das eigene Verhalten ernsthaft zu hinterfragen“. Hinter der Absicht einer Vertrauensabstimmung im September stecke „eiskaltes Kalkül“.

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