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Strategiewechsel des IOC : Partner gesucht

Politik und Geschäft: Thomas Bach sucht Partner Bild: Reuters

Präsident Bach sucht „Partner“ in der Politik, das IOC hebt das Diskriminierungsverbot in seinen Verträgen mit den Gastgeberstädten hervor: Olympia versucht den Imagewechsel. Aber hören die IOC-Mitglieder auf ihren Präsidenten?

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          Die Norweger in Oslo, die Chinesen in Peking und Zhangjiakou und die Kasachen in Almaty: Alle Bewerber um die Winterspiele 2022 bekamen vergangene Woche Post aus Lausanne. Elf Punkte umfasst der Brief vom Sportdirektor des Internationalen Olympischen Komitees, Christophe Dubi, der vor allem für den Bewerber relevant wird, der am 31. Juli kommenden Jahres den Zuschlag als Gastgeber für 2022 erhält. Der Host City Contract, der Vertrag mit der Gastgeberstadt, soll sich ändern.

          Unter anderem soll sich der Gastgeber in der Vertragspräambel auf das sechste grundlegende Prinzip des Olympismus verpflichten: Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar.

          Nun sollte man annehmen dürfen, dass sich der Ausrichter der Spiele ohnehin mit den Grundprinzipien der Veranstaltung identifiziert, aber die Praxis in Sotschi vergangenen Winter sah ja so aus: Homosexuellendiskriminierung. Kritische Umweltschützer, die während der Spiele zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt wurden. Kosakische Hilfspolizisten, die pferdepeitscheschwingend für ihre Vorstellung von Recht und Ordnung sorgen. . .

          Kein Wunder, dass Dubi schreibt, die Anpassung sei auch als Ergebnis ihrer Erfahrungen mit den vergangenen Spielen zu verstehen. Eine zusätzliche Verpflichtung auf Werte der Olympischen Charta kann nicht schaden. Tatsächlich aber hatte ja der Protest der Umweltschützer in Sotschi nach Auskunft des IOC nichts mit Olympia zu tun. Und wer für Homosexuelle oder andere Unterdrückte unter Putins Regime hätte demonstrieren wollen, durfte, Antrag und Genehmigung vorausgesetzt, in einer Protestzone ein Plätzchen finden. So ähnlich war es 2008 in Peking schon.

          Kaum anzunehmen also, dass die Machthaber vom Tiananmen von ihrer Bewerbung für 2022 absehen, weil ihnen nun bewusst wird, dass sie Uiguren, Tibeter und politische Abweichler kujonieren. Zumal sich die Geltung der Charta ohnehin auf die Olympiastätten beschränkt.

          Wieviel Imagewandel wollen die IOC-Mitglieder?

          Aber der Brief aus Lausanne fällt zusammen mit der Aussage von IOC-Präsident Thomas Bach zur Eröffnung der Asien-Spiele. Bach sagte, der Sport stehe unter dem Einfluss politischer und wirtschaftlicher Interessen, es sei an der Zeit, sich bei aller Neutralität Partner in der Politik zu suchen. Bach macht, anders als seine Vorgänger, den gesellschaftlichen Anspruch des IOC, den dessen Charta festhält, zum Thema seiner Präsidentschaft.

          Das ist überfällig und kann für Bewegung sorgen. Das Image der Olympischen Spiele verändern aber können nur die IOC-Mitglieder selbst: indem sie für 2022, zum Beispiel, weder die KP-Führung in Peking noch den kasachischen Präsidenten Nasarbajew belohnen, dem, seit sowjetischen Zeiten an der Macht und zuletzt mit 95,55 Prozent wiedergewählt, auch im 25. Jahr seiner Amtszeit diverse Menschenrechtsverletzungen vorgehalten werden.

          Allein: Sicher ist nicht, dass Oslo überhaupt noch Lust auf Olympia hat. In den kommenden Woche fällt die Entscheidung, ob die Regierung die Bewerbung unterstützt.

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