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Hans-Peter Friedrich im Gespräch : „Den Straftatbestand Sportbetrug halte ich für sinnvoll“

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Die Nationale Anti-Doping-Agentur hat bei achttausend Trainingskontrollen im Jahr 2011 0,05 Prozent positive Fälle herausgefiltert. Man kann das als Ausweis von Sauberkeit nehmen oder aber als Beweis für die Cleverness von Dopern. Wir glauben, dass Tests nicht das einzige Mittel in der Bekämpfung von Doping bleiben können.

Natürlich ist es wichtig, dass wir bei der Doping-Bekämpfung auch medizinisch mithalten können. Wo wir das nicht können, helfen uns auch strafrechtliche Sanktionen nicht weiter.

Das eine hat aus unserer Sicht mit dem anderen nichts zu tun. Wir stellen fest, dass die Staatsanwaltschaften vermehrt Dealer überführen. Aber an Spitzensportler kommen sie nicht heran und damit auch nicht an die Hintermänner.

Die sportrechtlichen Sperren haben bei Berufssportlern eine erhebliche Strafwirkung. Außerdem: Die meisten Athleten haben einen Sponsorenvertrag. Das ist schon jetzt ein Ansatz, um dopende Spitzensportler wegen Betruges zu belangen.

Bislang hat das noch nicht funktioniert.

Schauen wir mal, wie der Prozess gegen Radprofi Stefan Schumacher in Stuttgart ausgeht. Wenn es nicht funktioniert, müssen wir uns in der Tat Gedanken machen.

Spitzensportförderer: Friedrich bei den Olympischen Spielen in London mit den Ruderinnen Britta Oppelt (Mitte) und Annekatrin Thiele

Wie stehen Sie zur Forderung des Doping-Opfer-Hilfevereins nach einer Rente über die einmalige Entschädigung hinaus für Geschädigte des DDR-Sports?

Das Problem ist immer die Kausalität: Kann man beweisen, dass die Schäden durch Doping verursacht wurden? Wegen dieser Schwierigkeiten hat die Bundesregierung schon vor über zehn Jahren ein Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz in Kraft gesetzt und zwei Millionen Euro als Entschädigung zur Verfügung gestellt. Was Rentenansprüche angeht, prüfen wir gemeinsam mit dem Arbeits- und dem Justizministerium, ob es für die Geschädigten Anspruchsgrundlagen gibt. Wir sind guten Willens, wir möchten den Betroffenen helfen. Es ist wichtig aufzuarbeiten, was damals passiert ist.

Würden Sie es begrüßen, wenn das Internationale Olympische Komitee Thomas Bach zu seinem Präsidenten wählte?

Absolut. Als Sportminister der Bundesregierung finde ich es immer gut, wenn jemand aus dem deutschen Sport eine internationale Funktion einnimmt.

Können Sie ihm helfen, und tun Sie’s?

Ich versuche mein Bestes.

Und die Bundesregierung? Bei der Bewerbung um Fußball-WM und Olympia waren die Botschaften involviert.

Ich bin sicher, dass viele in der Regierung die Kandidatur von Thomas Bach unterstützen und helfen werden, wenn sie einen Weg sehen.

Soll sich Deutschland mit München nach der Niederlage im Kampf um die Ausrichtung der Winterspiele 2018 um die Winterspiele 2022 bewerben?

Das Konzept für 2018 war super. Mit einigen wenigen Änderungen könnten wir damit sofort wieder antreten. Aber wir müssen die Bürger einbeziehen; wenn sie einverstanden sind, entscheidet der Sport über eine erneute Bewerbung.

Und was wünschen Sie sich?

Je früher wir den Zuschlag für Olympische Spiele bekommen, umso besser für den Spitzensport in Deutschland, umso besser für den Breitensport. Und umso besser für Deutschland überhaupt. Wir sind seit jeher eine Wintersport-Nation, eine von wenigen auf der Welt. Die letzten Winterspiele in Deutschland hatten wir im Jahr 1936. Wenn wir den Zuschlag für 2022 nicht bekommen, hätte die Wintersportnation Deutschland 90 Jahre lang keine Winterspiele im eigenen Land, 90 Jahre! Es wird also höchste Zeit.

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