https://www.faz.net/-gtl-79q85

Hans-Peter Friedrich im Gespräch : „Den Straftatbestand Sportbetrug halte ich für sinnvoll“

  • Aktualisiert am

Im Kampf gegen Wettmanipulation scheinen sich alle einig: Politik, Verbände, Sponsoren, Vereine und Athleten. Bei der Doping-Bekämpfung dagegen halten sich fast alle zurück. Warum?

Doping und Wettmanipulationen sind Gefahren für den Sport, beide müssen bekämpft werden. Beim Thema Doping ist die Grenze zum Unerlaubten jedoch viel schwieriger zu bestimmen als beim Wettbetrug. Wenn Sie dem Fußballspieler sagen, „Schieß vorbei!“, ist das ein klarer Verstoß gegen den Geist des Sports. Wenn Sie aber leistungssteigernde Mittel nehmen, um endlich beim Halbmarathon unter zwei Stunden zu laufen, betrügen Sie allenfalls sich selbst.

Wir sprechen aber von Todesfällen in Deutschland, nicht von Placebo-Mitteln.

Solch extreme Fälle in der Vergangenheit gibt es, und sie dürfen weder beschönigt noch relativiert werden.

Die Wahrheit ist: Auch heute wird noch massiv gedopt mit teils gefährlichen Mitteln und Methoden.

Um das zu bekämpfen, haben wir mittlerweile den Welt-Anti-Doping-Code, der in Deutschland von der Nationalen Anti-Doping-Agentur durchgesetzt wird. Seit zehn Jahren führt die Nada umfangreiche Kontrollen durch.

Nur reicht die Gesetzeslage mit dem nur leicht veränderten Arzneimittelgesetz nicht aus. Das sagen zumindest Staatsanwälte, die an vorderster Front Doping bekämpfen sollen, aber nur Dealer fangen, die mit dem Spitzensport in der Regel nichts zu tun haben. Was sagen Sie?

Wir müssen das Handwerkszeug der Staatsanwälte verbessern, aber in der Systematik unseres Rechts bleiben. Der saubere sportliche Wettbewerb muss in erster Linie sportrechtlich gesichert werden. In gravierenden Fällen reicht aber das Sportrecht offensichtlich nicht aus.

Deutscher Fanklub: Hans-Peter Friedrich (rechts) mit Kanzlerin Angela Merkel und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der Fußball-EM 2012

Ihre Parteifreundin Beate Merk, die Justizministerin von Bayern, ist für ein AntiDoping-Gesetz, Baden-Württemberg will den Sportbetrug als Straftat einführen, Niedersachsen ist auch dafür. So etwas fordern ja nicht nur Ahnungslose.

Solche Forderungen beziehen sich auf den Hochleistungs- und Spitzensport. Wir erleben aber Doping auch schon im Freizeitbereich, wo es nicht ums Gewinnen von Goldmedaillen und Siegprämien geht. Hier geht es nur noch um die Frage, ob sich jemand straflos selbst schädigen darf oder nicht. Ich halte nichts davon, den Freizeitsport strafrechtlichen Kategorien zu unterwerfen.

Baden-Württemberg konzentriert sich auf den Berufssport.

Diesen Weg halte ich für durchaus sinnvoll, wenn die Abgrenzungsprobleme zu lösen sind. Es muss sich aber um gravierende Verstöße handeln.

Aber wenn jemand das Blutdoping-Mittel Epo nimmt oder Wachstumshormon?

Dafür gibt es ganz klare sportrechtliche Sanktionen. In den Fällen, in denen es nicht nur um Selbstschädigung, sondern um eine Gefährdung der Sauberkeit des Sports geht, müssen wir auch Strafrecht in Betracht ziehen.

Sind wir nicht so weit? Sie haben davor gewarnt, dass Doping und Wettbetrug die Fundamente des Sports angreifen.

In einigen Bereichen sind wir sicher soweit. Nehmen Sie nur den Radsport: Da haben einige eine ganze Sportart diskreditiert.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.