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Kanzlerin würdigt Sportvereine : Licht für die Sport-Sterne

Sport verbindet: Kanzlerin Merkel bei der Verleihung der „Sterne des Sports“ Bild: dpa

In Zeiten heftiger Debatten um die Flüchtlingspolitik komme den Sportvereinen eine besondere Bedeutung bei der Integration zu, betont die Bundeskanzlerin bei der Auszeichnung eines Projektes aus Hessen.

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          Wie im Sportverein Gemeinnutz Form annehme, lobte die Kanzlerin, das müsse einfach ans Tageslicht. Deshalb kam Angela Merkel am Dienstag zur Vergabe der Goldenen Sterne des Sports in die DZ-Bank am Brandenburger Tor in Berlin. Wer heute von Gemeinnutz spricht, ist sofort beim Zustrom von Flüchtlingen. Sie habe die Sorge, sagte die CDU-Politikerin, dass die große Begeisterung vom Sommer 2015 durch die Ereignisse aus der Silvesternacht von Köln ins Gegenteil umschlagen könne, nicht nur durch die Übergriffe, sondern auch durch den Eindruck, da habe etwas verschwiegen werden sollen. Aber: „Das stellt doch das Engagement nicht in Frage.“

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der VfL Bad Wildungen bekam den ersten Preis dafür, dass er Flüchtlinge zu Sport und Spiel und damit auf einen Weg in die Gesellschaft bringt, auf dem auch fehlende Sprachkenntnisse nicht zu Sprachlosigkeit führen. „Lassen Sie sich nicht beirren bei Ihrer Linie“, rief dessen Vorsitzender Wolfgang Ochs der Kanzlerin zu. Auch er und seine Mitstreiter in Wildungen seien keine naiven Gutmenschen, und manchmal zweifelten sie, ob alles so weitergehen könne. Dann gab er der Kanzlerin überzeugt ihr Wort zurück: „Wir schaffen das.“

          Bundeskanzlerin Merkel und DOSB-Präsident Hörmann auf dem Weg zur Preisverleihung

          Angela Merkel widersprach dem Eindruck, das breite gesellschaftliche Engagement bei Empfang und Versorgung der Flüchtlinge illustriere ein Versagen des Staates. Was ehrenamtlich geleistet werde, sagte sie, könne der Staat nicht erzwingen und wolle das auch nicht: „Wir werden uns als Staat nicht aus der Verantwortung stehlen.“

          Minuten später erzählte der Vorsitzende des FC Süderelbe, wie er genau dies als Konsequenz des Engagements seines Vereines erlebe. Seit Jahren schon knüpft der Klub über die Fußballbegeisterung junger Männer Kontakt zu deren Familien. Geschwister, Väter und Mütter, von denen nicht wenige seit Jahrzehnten in Deutschland leben und doch kein Wort Deutsch sprechen, holen Joachim Stoltzenberg und seine Mitstreiter in die Vereinsräume, und sei es nur, damit sie dort gemeinsam Tee trinken. Vor drei Jahren begann der Klub, Mädchen und Jungen aus den Problemvierteln des Hamburger Südens bei der Suche nach Ausbildungsstellen zu unterstützen. „Mit sechzehn baust du noch Scheiße. Mit zwanzig schon Hochsee-Yachten“, überschrieb der Verein die Einladung zu seiner zweitägigen Veranstaltung im vergangenen Jahr. Da war eine veritable Ausbildungsmesse auf dem Vereinsgelände in Fischbek aus der Idee entstanden; 41 Unternehmen und Organisationen informierten und umwarben mehr als 2500 Jugendliche. Das Angebot des Fußballklubs wird weiter wachsen müssen. Denn der zuständige Bezirk Harburg hat die Messe, auf welcher er Ausbildungsplätze vermittelte, sofort eingestellt, als der Verein sein Zusatzangebot machte. Und die Handwerkskammer hat sich mit ihrer Veranstaltung zur Werbung um Nachwuchs, wie Stoltzenberg erzählte, von der zentralen Erstaufnahmestelle für Asylbewerber ins Nirgendwo vertreiben lassen. Was Gemeinnutz so alles ans Tageslicht bringt.

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