https://www.faz.net/-gtl-aipbi

„Ungeschickt und unsensibel“ : Streitfall Mayer im DOSB

Will aus dem Innenministerium in die Sportpolitik: Stephan Mayer Bild: AFP

CSU-Politiker Stephan Mayer wird zum Vizepräsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes gewählt. Doch die neue Bundesregierung muss dem Wechsel erst zustimmen. Aus der SPD kommt Kritik.

          2 Min.

          Der SPD-Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir hat die Kandidatur von Stephan Mayer zum Vizepräsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ohne Klärung der Karenzzeitfrage kritisiert. „Ich halte das für ungeschickt und unsensibel“, sagte Özdemir, unter anderem Mitglied im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, der F.A.Z.: „Es widerspricht dem Sinn und dem Zweck des Ministergesetzes, wenn sich ein geschäftsführender Staatssekretär in ein Amt wählen lässt, bevor überprüft worden ist, ob eine Interessenverquickung vorliegt. Das Ergebnis muss man abwarten. Dann erst sollte man sich zur Wahl stellen.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mayer (CSU) ist bis zum kommenden Mittwoch als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesinnenminister unter anderem für den Spitzensport zuständig. Am Samstag hatten ihn die Delegierten des DOSB auf der Mitgliederversammlung in Weimar zum Vizepräsidenten gewählt. Das Amt darf er erst antreten, wenn die neue Bundesregierung dem Wechsel zustimmt. Mayer rechnet mit einer Zusage im Januar. Er verwies auf die Bedeutung der Karenzzeit für ehemalige Regierungsmitglieder, die in die Wirtschaft wechselten. In seinem Falle gehe es um die Übernahme eines Ehrenamtes, um ein unentgeltliches Engagement.

          Özdemir warnte davor, allein dieses Kriterium zu bemühen: „Es macht keinen Unterschied, ob es um einen Wechsel in eine Aktiengesellschaft oder in einen Verein geht, wenn nicht vorher geklärt ist, ob die Fähigkeiten, die Kenntnisse, der Nimbus der betroffenen Person eine Abkühlphase notwendig erscheinen lassen. Eine Karenzzeit erfüllt das Ministergesetz mit Leben.“

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Vor Özdemir war Kritik aus dem Sport laut geworden. Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes Berlin, ergriff im Sitzungssaal von Weimar das Wort und legte Mayer einen zeitlichen Abstand nahe: „Ich stelle mir die Frage, ob das der richtige Zeitpunkt ist, aus der unmittelbaren Verantwortung aus der Politik für den Sport in den DOSB zu wechseln.“ Er halte Mayer für geeignet, aber er halte auch sehr viel von Compliance-Regeln und deshalb den Zeitpunkt für nicht angemessen.

          Im Wandelgang der Weimarhalle hatte vor der Wahl Mayers der Begriff des Parteienproporz die Runde gemacht. Ohne Mayer wäre das Präsidium SPD-lastig. „Da musste ein Schwarzer rein“, sagte ein Funktionär.

          Während der Tagung der Fachverbände am Freitag hatte sich Rainer Koch, kommissarischer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes und Strippenzieher nicht nur dort, für Mayers Wahl ins Zeug gelegt. Er erhielt 257 Stimmen, rund 100 weniger als Miriam Welte und Verena Bentele.

          Sollte die neue Bundesregierung eine Zustimmung verweigern, bestünde die Möglichkeit, jemanden zu kooptieren, sagte der neue DOSB-Präsident Thomas Weikert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Suiso Frontier bei ihrer Ankunft im Hafen von Hastings, Australien.

          Von Australien nach Japan : Das erste Wasserstoff-Schiff der Welt ist unterwegs

          Wasserstoff ist ein großer Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Der Transport in der „riesigen Thermoskanne“ gilt als „Meisterleistung der Ingenieurskunst“. Allerdings wird er in Australien noch so produziert, wie das nicht alle möchten.
          Österreich müsste 1100 Windkraftanlagen bauen um bis 2030 auf erneuerbare Energien umsteigen zu können.

          Energiewende : Österreich als strompolitischer Trittbrettfahrer

          Österreich macht sich grün mit einer ökosozialen Steuerreform und dem Wunsch nach mehr Ökostrom. Doch das Land bleibt ein strompolitischer Trittbrettfahrer – das erkennen auch die eigenen Bürger.
          Wald tut gut. Aber was ist jetzt gut für den klimagestressten Wald?

          Ökologie : Waldkampf

          Die Debatte darum, wie dem Wald zu helfen ist, wird schärfer. Es wäre schon ein Fortschritt, sich einzugestehen: Gerade weiß das niemand so genau.
           Will Emmanuel Macron beerben: Valérie Pécresse

          Wahl in Frankreich : Madame statt   Macho?

          Frauen haben es in der französischen Politik schwer. Jetzt treten rechts von der Mitte gleich mehrere Kandidatinnen gegen Emmanuel Macron an. Das hat es in der V. Republik noch nicht gegeben.