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Doping-Skandal : Russische Manöver

Nicht nur gegen Russlands Leichtathleten sollten sich sich die Doping-Ermittlungen richten Bild: AP

Die Aussichten, dass russische Leichtathleten bei Olympia starten dürfen, sind schlecht. Dass die Doping-Ermittlungen nicht auf andere Länder und Sportarten ausgeweitet werden ist trotzdem ein Fehler.

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          Die Russen haben Zeit gekauft – aber wohl nicht genug. Im Mai, auf einer Council-Sitzung, will der Weltverband der Leichtathleten (IAAF) endlich entscheiden, ob er den ausgestoßenen russischen Verband wiederaufnehmen und damit dessen Athleten die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro im August erlauben kann.

          Die Aussichten sind schlecht für die Russen. Zwar haben sie Personal ausgetauscht und Besserung gelobt. Doch Rune Andersen, der im Auftrag der IAAF mit seiner Task Force viermal in Moskau war, berichtet, dass die Russen immer noch nicht bereit seien, überhaupt anzuerkennen, dass sie im Mittelpunkt eines riesigen Betrugsmanövers stehen – nicht als Opfer, sondern als Urheber. Wie soll man Fehler korrigieren, die man nicht einmal eingesteht?

          Was seit November auf der Hand liegt

          Noch immer geht es allein um Leichtathleten. Dabei haben die Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), als sie vor vier Monaten ihren ersten Bericht vorlegten, deutlich gemacht, dass sie die Spitze des Eisberges beschreiben. Nichts spreche dafür, sagte ihr Vorsitzender Richard Pound, dass das systematische Doping auf eine einzige Sportart und auf ein einziges Land beschränkt sei. Daran erinnern nun die Sportler im Beirat der Wada. Sie fordern, was seit November auf der Hand liegt: das Mandat der Ermittler auf andere Sportarten in Russland auszuweiten und auf andere Länder noch dazu.

          Sie seien enttäuscht von der Untätigkeit, klagen die Athleten – von einer Passivität übrigens, die Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, und Craig Reedie, der Präsident der Wada, aktiv und wortreich vertreten. Diese Kultur des Gewährenlassens stört die IAAF mit ihrer Forderung, Marokko und Äthiopien, Kenia, die Ukraine und Weißrussland sollten dringend wirkungsvolle Doping-Kontrollen einführen, nur ein wenig. Ausdrücklich verzichten die Leichtathleten zwar darauf, mit einem Startverbot für Olympia zu drohen. Doch auch ihre zahnlose Warnung erhöht den Druck auf die Wada, aus der Non-Compliance, der fehlenden Regeltreue, dieser und anderer Länder in Sachen Doping-Bekämpfung endlich Konsequenzen zu ziehen.

          Ein Lichtblick ist der Plan der Leichtathleten, Julia Stepanowa an der Europameisterschaft in Amsterdam und den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen zu lassen. Hätte sie nicht Beweise für das verbreitete Doping in der russischen Nationalmannschaft geliefert, wäre das Lügengebäude aus Betrug und Korruption nicht eingestürzt. Als Verräterin beschimpft und bedroht, hat sie mit Mann und Kind ihre Heimat Russland verlassen müssen, weil sie den Traum von fairem, sauberem Sport nicht aufgeben will. Ihre Olympia-Teilnahme wäre eine Belohnung, ein Triumph – und ein Beispiel dafür, dass die Organisationen des Weltsports doch nicht all die Zeit verschwenden, die für Athleten so knapp und wertvoll ist.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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