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Förderung durch Bundeswehr : Sportsoldaten sind Athleten in der Zwangsjacke

  • -Aktualisiert am

Mit dem Bundeswehr-Adler auf der Brust: Angehörige der Sportkompanie in Bruchsal Bild: Helmut Fricke

Der neue Athletensprecher Max Hartung tritt mit einer bemerkenswerten Forderung an: Er rüttelt an einer der Grundfesten der Sportförderung. Die Sportführung hat kein Interesse, das Modell in Frage zu stellen.

          Max Hartung, der Fechter, wird sich auf eine Parade und eine heftige Riposte einstellen müssen. Der neue Vorsitzende der Athletenkommission im Deutschen Olympischen Sportbund hat mit seiner Forderung, die Sportförderung durch die Bundeswehr in Frage zu stellen, an einem Tabu gerüttelt. Seit Jahrzehnten schwören Funktionäre auf das Sportsoldaten-Modell. Die Bundeswehr stellt Kasernen zur Verfügung, finanziert mitunter spezielle Trainingsstätten, schafft Sport-Förderkompanien mit 700 festen Stellen, ohne die Wehrbereitschaft der Truppe auch nur für einen Moment steigern zu können - sieht man von Spezialisten für Schießen und Laufen ab.

          Bobfahrer, Rodler, Dreispringer, selbst Bogenschützen mögen zwar im Range eines Feldwebels mit reichlich Gold am Revers zum Ansehen der Armee beitragen, wenn sie gelegentlich schmuck und kerzengerade in Uniform auftreten. Das Handwerk des Soldaten aber lernen sie in der Bundeswehr nicht. Eine Berufsausbildung ist bis zum Dienstschluss nicht vorgesehen. Die Sportsoldaten dienen als Verzierung der Armee, wenn sie ihren Kampfauftrag erfüllen: Medaillen gewinnen.

          Sportführung hat kein Interesse an Debatte

          Die Bundeswehr hat das Geld dafür. Angeblich fließen zusammengerechnet 50 Millionen Euro pro Jahr in eine Militär-Leistungssportförderung. Aber darf es sich eine selbsterklärte Sportnation leisten, Athleten in eine Art Zwangsjacke mit militärischen Rangabzeichen zu stecken, damit sie ihr Talent entfalten können? Der Hinweis, jeder in diesem Land habe die Wahl, trifft zwar zu. In der Leistungssportrealität aber sind schon klassische Wehrdienstverweigerer vom symbolischen Dienst an der Waffe überzeugt worden. Und zwar von Sportverbänden, die ihre Unterstützung für Athleten vom Eintritt in die Bundeswehr abhängig machen.

          Deshalb sind Verbandspräsidenten noch lange keine Kommissköpfe. Aber der Verdacht, die Befehlskette in einer Armee erleichtere die Kontrolle von Sportsoldaten, liegt nahe. Wenn Trainer gleichzeitig Vorgesetzte in einem streng hierarchischen System sind, also nicht nur über Nominierungen, sondern auch über den Verbleib in der Bundeswehr entscheiden, dann bleibt der Missbrauch von Abhängigkeitsverhältnissen nicht aus. Es hat schon Strafverfahren gegeben.

          Dass die Sportführung in Deutschland kein Interesse hat, das Sportsoldaten-System in Frage zu stellen, obwohl auch über seine Effektivität gestritten wird, ist verständlich. Die Bundesregierung stellt der Bundeswehr keinen Sonderetat für die Medaillenproduktion zur Verfügung, der sich ohne weiteres umlenken ließe. Die Millionen kommen aus den Tiefen der Verteidigungskasse. Und doch sind es Steuergelder. Es gibt keinen Grund, sie nicht direkt in den Sport fließen zu lassen. Am besten - gut kontrolliert - etwa über die Stiftung Deutsche Sporthilfe an die Adresse hoffnungsvoller wie erfolgreicher Athleten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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