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Forderungen an das IOC : Athleten greifen die Granden an

  • -Aktualisiert am

Athletensprecher Max Hartung (links) in einer Verteidigungshaltung. Gegen das IOC kämpft er aber offensiv mit anderen Athleten um mehr Geld. Bild: AP

Nie zuvor hat es in der Geschichte des organisierten deutschen Sports so eine intensive Konfrontation mit der Sportführung gegeben. Die Athleten fordern Geld und mehr Transparenz. Darin steckt ein großes Risiko. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Die Athleten meinen es ernst, bitter ernst. Nie zuvor hat es in der Geschichte des organisierten deutschen Sports so eine intensive Konfrontation mit der Sportführung gegeben. Dann und wann wurde aufgemuckt, geklagt und Mitsprache eingefordert. Aber die meisten Aktionen liefen ins Leere, wurden ausgesessen. Die Machtpolitiker in den Verbänden setzten mit Erfolg auf den kurzen Atem von Spitzensportlern, die um ihrer Karriere in der Arena willen kaum Zeit hatten, sich mit komplexen Rechtsfragen und gewieften Funktionären länger auseinanderzusetzen. Diesmal ist es anders. Und diesmal greift der Verein Athleten Deutschland nicht nur Details an, sondern das Allerheiligste: Die Geldverteilung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC).

          Das ist ein heikles Feld, weil über die Ausschüttung der Milliarden-Gewinne nicht nur die Sportentwicklung gefördert wird. Die teils intransparente Verteilung an die Internationalen Fachverbände dient gleichzeitig als machtpolitisches Instrument. Je mehr das IOC verteilt, desto gefügiger werden seine schwachbrüstigen Empfänger. In der Summe können sie, am Tropf des IOC hängend, wertvolles Stimmvieh oder Wahlhelfer sein. Wer also, wie der Athleten Deutschland e.V., einen Gewinnanteil für die jungen, häufig mittellosen Sportler weltweit fordert, eine direkte Auszahlung zur Sicherung und Förderung, gefährdet dieses Machtspiel.

          Die Granden in den Verbänden werden deshalb nicht stolz auf die Entwicklung ihrer Sportler verweisen, auf den Beweis für die Thesen der Sonntagsreden, der Spitzensport kreiere mündige, selbstbewusste und selbstverantwortlich handelnde Athleten. Sie werden die rebellierende Gruppe innerhalb „ihrer“ Athleten als Feinde wahrnehmen, sie zu isolieren versuchen und den Offenen Brief als Angriff auf die Balance der Olympischen Bewegung werten wie darstellen. Es sind schon Größere zermalmt worden vom gewaltigen Räderwerk des Spitzensportbetriebs.

          Das Risiko für die deutschen Athletenvertreter, in diesem Kampf unterzugehen, ist groß. Nicht mal im eigenen Land ist ihnen im Moment eine akzeptable, unabhängige, wirtschaftliche Unterstützung sicher. Deshalb wirkt der Angriff auf wackeligen Beinen auf den ersten Blick unklug. Beim zweiten aber lässt sich die Not erkennen. Nachdem die Unabhängigkeitsbemühungen aus naheliegenden Gründen beim Deutschen Olympischen Sportbund im Kern auf Ablehnung stoßen, erweckt auch die neue Regierung den Anschein, eine Förderzusage der alten in Höhe von 255.000 Euro für eine professionelle, unabhängige Organisation der Athletenvertretung nicht ernst nehmen zu wollen.

          Nach den ersten Erfolgen in der vergangenen Legislaturperiode steht das gesamte Projekt wieder auf der Kippe. Athleten Deutschland e.V. hat also keine Wahl. Er muss das ganz große Bild zeichnen, um wenigstens der Regierung die Notwendigkeit einer substantiellen Unterstützung für eine unabhängige Existenz vor Augen führen zu können. Es geht nicht um einen Machtwechsel, sondern um eine angemessene Beteiligung von Athleten, die sich nicht länger vorführen lassen wollen. Auch darin steckt ein Risiko. Für den Sport – falls er nicht versteht, welche Kraft die Athleten haben, wenn sie zusammenstehen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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