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Sportpolitik : Freies Spiel für die Zentralgestalt

Die bayrische Justizministerin Beate Merk fordert fordert ein Sportgesetz Bild: REUTERS

Die Verschiebung von Begegnungen steht in Deutschland genauso wenig unter Strafe wie Doping. Die bayrische Justizministerin fordert ein Sportgesetz. Die Sportfunktionäre wie DOSB-Generaldirektor Vesper sind dagegen.

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          Ist der Sport wirklich schwerkrank? So muss man Michael Vesper verstehen. Er ist Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ein Mann aus dem Innenleben. Seine Diagnose der Lage angesichts des jüngsten Wettskandals: „Korruption ist ein Krebsleiden der Gesellschaft, das auch vor dem Sport nicht haltmacht.“ Umfragen zufolge sinkt die Glaubwürdigkeit des schönen Sports in Deutschland im freien Fall. Zur täglichen Doping-Dosis kommen nun Spielabsprachen aus allen Regionen der Republik. Das schmerzt den Sportsfreund und kostet wohl Zuneigung, Aufmerksamkeit, Interesse etwa von Sponsoren, also Geld. Die Täter, fordert Vesper, sollen nun mit „aller Härte bestraft“ werden. Aber die Manipulateure, ob nun Wettbetrüger von der zweiten bis zur sechsten Liga oder Doper olympischen Formats, können in Deutschland kaum vom Staat bestraft werden.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Das ist vielleicht noch nicht so klargeworden“, sagt der Kriminologe Matthias Braasch von der Universität Gießen, „aber im Zuge des Wettskandals wird allenfalls der Wettbetrug staatlich verfolgt.“ Spieler und Schiedsrichter könne man höchstens wegen Beihilfe zum Betrug bestrafen. „Im Fall Robert Hoyzer (als Schiedsrichter im Mittelpunkt des Wettskandals 2005 verurteilt) hat ja selbst die Bundesanwaltschaft die Aufhebung des Urteils in erster Instanz gefordert. Die Verschiebung eines Fußballspiels ist straffrei.“ Dopen auch.

          So viel staatlicher Eingriff soll nicht sein

          Auf die Wehklagen hat eine kleine Bastion schneller reagiert, als es den Sportverbänden lieb scheint. „Stand 30. 11. 2009“ steht über dem Referentenentwurf der bayerischen Justizministerin Beate Merk. In einem Aufwasch möchte die Juristin aufräumen mit Doping und Korruption; am liebsten mit einem „Sportschutzgesetz“. So formuliert, weil Frau Merk um die Werte des Sports fürchtet, die Funktionären heilig sind: die Vorbildfunktion, der herausragende Stellenwert in der Gesellschaft, die staatliche wie private Förderung, die Gesundheit von Körper und Seele. „Manipulation“, da ist man sich wohl einig, „rüttelt an den Grundfesten des sportlichen Wettkampfes.“ Nur der Heilungsplan für Vespers Krebspatienten ist umstritten. Die Justizministerin aus der CSU will, wie der Sport, die Hintermänner dingfest machen. Aber darüber hinaus auch die „Zentralgestalt“ des Übels mit staatlicher Gewalt packen: den Sportler.

          Bezweifelt den Sinn eines Sportgesetzes: DOSB-Generaldirektor Michael Vesper
          Bezweifelt den Sinn eines Sportgesetzes: DOSB-Generaldirektor Michael Vesper : Bild: dpa

          „Es wird viel zu sehr auf die Wetten geschaut“, sagt Kriminologe Braasch. „Ohne die Sportler, die Schiedsrichter, die sich auf das unmoralische Angebot einlassen, mehr ist es nicht, würde es doch gar nicht zur Manipulation kommen.“ Doch so viel staatlicher Eingriff soll nicht sein. Bevor Merks neuer Entwurf mit harten Strafen auch für „Bestechung und Bestechlichkeit“ im Sport auftauchte, hatten Vesper und Kollegen schon abgewinkt: „In der aktuellen Diskussion wird versucht, den Eindruck zu vermitteln, als sei das Problem nur mit einem Gesetz gegen Sportbetrug zu regeln“, gab der frühere Grünen-Politiker zu Protokoll: „Dem ist nicht so. (...) An diesem Beispiel (Wettskandal) zeigt sich, dass die allgemein gültigen Gesetze auch im Sport wirken.“ Braasch hält die Behauptung für ziemlich gewagt. „Bei den strafrechtlichen Ermittlungen etwa im Wettskandal geht es doch nicht um den sportlichen Wettbewerb als Rechtsgut. Das kann es auch nicht, weil es den Straftatbestand Sportbetrug gar nicht gibt.“ Die Lauterkeit des sportlichen Wettbewerbs, darauf zielt die Initiative Merk ab, muss geschützt werden. „Und das geht nur, wenn man die zentralen Personen einbezieht“, sagt Braasch.

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