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Kommentar : Herz und Seele an Qatar verkauft

  • -Aktualisiert am

Der Sport rückt in den Hintergrund: vorne der Scheich von Qatar und der IHF-Präsident. erst dahinter die Handball-Weltmeister aus Frankreich Bild: AFP

Erst der Handball, bald der Fußball, irgendwann gar Olympia? Qatar ist bereit und selbstsicher genug, die Sportwelt zu dominieren. Dessen Funktionäre wissen genau, welchen Pakt sie mit diesem Förderer geschlossen haben.

          Ach, Lusail, du Schöne, du Perle in der Wüste. Noch ziemlich einsam gelegen zwar, ringsum nur Sand und Geröll, aber das wird sich schon noch ändern, ganz bestimmt. Weil Qatar sich ständig bewegt, immerzu wächst, Tag und Nacht, auch rund um die prächtige Halle in Lusail. Was aussieht wie Niemandsland, ist Zukunft, eine Stadt von morgen, für die gerade das Fundament gelegt wird. Der Sport darf sich von dieser Gegend schon mal ein Bild machen – der Handball zum Beispiel, der soeben seine 24. Weltmeisterschaft in Qatar ausgetragen hat. Unter anderem in Lusail.

          Der Sport ist ja wichtig für das neue Profil Qatars, ihm wird sogar eine immense Bedeutung für die Entwicklung des Landes zugeschrieben, er ist einer ihrer Motoren. Und dieses Antriebsaggregat läuft wie geschmiert. Das Tempo ist so hoch, dass einem fast schwindlig werden könnte als neutralem Beobachter. Heute Handball, morgen Boxen, danach die Radrennfahrer, die Turner und die Leichtathleten und die Fußballprofis: Weltmessen des Sports in Serie, Qatar lädt herzlich dazu ein, und es kann eigentlich gar nicht genug bekommen von solchen Events.

          Menschenrechtsverletzungen? Korruption? Wo?

          Warum nicht auch noch Olympia? Überhaupt kein Problem! Qatar ist bereit dafür. Das hat dieser Tage Scheich Joaan Bin Hamad Al Thani – er war Chef des Organisationskomitees der Handball-WM – in einem Ton erklärt, als ginge es nur um Alltägliches wie Falkenjagd oder Kamelreiten. Ein sehr selbstsicherer Mann, obwohl Qatar mit einer Olympia-Bewerbung schon mal gescheitert war.

          Macht aber nichts, so gut wie vergessen. Die (Sport-)Welt hofiert doch inzwischen das aufstrebende und reiche Land am Persischen Golf wie nie zuvor. Menschenrechtsverletzungen? Kein Grund, sich zu brüsk abzuwenden. Mögliche Korruption? Ebenfalls nicht geeignet, um Qatar die kalte Schulter zu zeigen oder die Dinge einer wirklich kritischen Prüfung zu unterziehen. Der Staat hat willfährige Partner gefunden in führenden Sportfunktionären wie Hassan Moustafa oder Joseph Blatter, für die es um nichts anderes zu gehen scheint als um das Geschäft mit dem Sport, um die Erschließung neuer Märkte, ohne Skrupel.

          Der Ägypter Moustafa, der den Internationalen Handballverband leitet, hat das in Doha klar ausgedrückt – keine Spur von Zurückhaltung. Und er akzeptierte sogar klaglos, dass Qatar nun eine Handball-Nationalmannschaft auf die Beine stellte, in der nicht allzu viel Qatar steckte. Das war zwar regelkonform, Moustafa aber hätte diese zumindest fragwürdige Personalpolitik – die Qatar immerhin WM-Silber hinter Frankreich einbrachte – dennoch thematisieren können. Er unterließ es. Das wollen nun anstelle des nichts sagenden IHF-Chefs europäische Handballverbände übernehmen, ohne große Hoffnung allerdings, das große Wechseln der Nationalitäten auf qatarische Art eindämmen zu können. Sie monierten in Doha, dass Handballspieler in Doha schlichtweg ihr Herz und ihre Seele verkauft hätten. Und dass Nationalteams doch eine andere Identität brauchten als Vereine.

          Qatar aber marschiert, mit seiner ganz eigenen Vorstellung von einer Sportkultur. Es reißt nieder und baut neu auf, in Lusail und anderswo, unbeirrt, unkonventionell – und aggressiv. Aber der Sport weiß ja genau, welchen Pakt er mit diesem Förderer geschlossen hat.

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