https://www.faz.net/-gtl-9d6zy

Sportler begehren auf : Fragwürdiges Werbeverbot

Maskottchen ja, Werbung nein: Robert Harting (rechts) ist Teil der Protestbewegung Bild: EPA

Sportler drängen auf mehr Vermarktungsrechte gegenüber den mächtigen Verbänden. Das Bundeskartellamt hakt nun bei den Verbänden nach und positioniert sich gegen DOSB und IOC. Sogar Schadensersatzansprüche sind denkbar.

          Das Verfahren des Bundeskartellamtes gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) wegen des Verdachts missbräuchlicher Werbebeschränkungen zum Nachteil von Athleten zieht sich hin. Grund ist offenbar die mangelnde Bereitschaft der Monopol-Verbände, kompromissfähige Zugeständnisse zu machen. So hat die Behörde in Bonn der F.A.Z. bestätigt, dass sie Ende Juli an alle olympischen Spitzensportverbände einen „Auskunftsbeschluss“ versandt hat.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die offizielle Aufforderung des Kartellamtes ist auf den 25. Juli datiert und stellt Fragen zu den Bildrechten der Sportler und der Möglichkeit einer Nutzung für individuelle Werbezwecke. Wie der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, der F.A.Z. auf Anfrage mitteilte, seien nach den Vorschlägen von DOSB sowie IOC, einem Markttest und Gesprächen „weitere Änderungen und Klarstellungen“ erforderlich. „Die Verhandlungen darüber dauern an. Der Zeitpunkt für den Abschluss des Verfahrens ist noch offen“, hieß es von Mundt.

          Die Sportler drängen auf mehr Vermarktungsrechte gegenüber den mächtigen Verbänden. So haben sich einige in dem Kartellverfahren beiladen lassen – Diskus-Star Robert Harting, der seine Karriere demnächst beenden wird, die Beachvolleyballspielerin Karla Borger und die Interessenvereinigung Athleten Deutschland. Eingeleitet wurde die Untersuchung der Behörde Anfang vergangenen Jahres nach einer Beschwerde des Bundesverbandes der deutschen Sportartikel-Industrie. Vor allem geht es um das fragwürdige Werbeverbot für die Athleten rund um und während der Olympischen Spiele, welches in der Regel 40 der Olympischen Charta festgeschrieben ist. Fachleute sehen dies als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung.

          Keiner der Sportler erhält für die Teilnahme an Olympischen Spielen Geld, während das IOC Milliardeneinnahmen aus der Veranstaltung zieht. Der DOSB hatte für die Winterspiele im Februar in Pyeongchang unter dem Druck des laufenden Verfahrens die Anweisungen ein wenig gelockert – aus Sicht der Sportler aber ungenügend. Inzwischen forderte die Organisation Athleten Deutschland das IOC auf, ein Viertel seiner Erlöse in Milliardenhöhe an die Aktiven auszuschütten. „Nur so kann die Nutzung der Bild- und Persönlichkeitsrechte unter dem Olympischen Siegel als ,fair‘ bewertet werden.“

          Der F.A.Z. liegen Passagen aus Aktenvermerken der Bonner Behörde im Kartellverfahren vor, die zeigen, wie wenig kompromissbereit, aber ebenso abwehrend und taktierend die Verbände offenbar vorgehen. Einmal schreibt eine Mitarbeiterin der Beschlussabteilung in einer internen Mail, dass die Sorge bestehe, gegenüber dem DOSB die Deutungshoheit zu verlieren. Dann wird die Anwältin des IOC zitiert, welche in einem Gespräch die Frage gestellt habe, was überhaupt der Mehrwert einer einvernehmlichen Lösung sei. Das Amt könnte am Ende eine Untersagungsentscheidung gegen DOSB und IOC treffen, worauf auch Schadenersatzforderungen zu beziehen wären.

          Weitere Themen

          Achtelfinal-Pleite für Angelique Kerber

          Australian Open : Achtelfinal-Pleite für Angelique Kerber

          Das ging schnell: Nach weniger als einer Stunde muss Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber den Platz in Melbourne als Verliererin verlassen. Ihre Kontrahentin steht auf der Weltrangliste nicht besonders weit vorne.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.