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Sportbund in der Kritik : Brief-Affäre des DOSB schockierend

Scheidender Präsident des DOSB: Alfons Hörmann Bild: dpa

Alfons Hörmann hat versucht, Karin Fehres zu einem Eingeständnis zu zwingen. Die Deutsche Sportjugend schockiert der Umgang mit einer ehemaligen Mitarbeiterin.

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          Die Deutsche Sportjugend distanziert sich von dem am Mittwoch bekannt gewordenen Versuch des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, sowie von Mitgliedern des Vorstandes, das frühere Vorstandsmitglied Karin Fehres zu dem Eingeständnis zu zwingen, sie habe den anonymen Brief verfasst, der – Stichwort: Kultur der Angst – dazu führte, dass Hörmann seinen Rücktritt ankündigte.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Umgang mit Karin Fehres schockiere sie zutiefst und widerspreche in eklatantem Maße den Werten des Sports und eines selbstverständlichen respektvollen Umgangs miteinander, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstandes vom Donnerstag. Der Vorsitzende Stefan Raid, Gast im Präsidium des DOSB, und Geschäftsführerin Christina Gassner, Mitglied des Vorstandes des DOSB, hätten von den Vorgängen keine Kenntnis gehabt und diese niemals mitgetragen. Sie hätten Karin Fehres als integre Mitstreiterin und Kollegin erlebt.

          Freitag fordert Veränderungen

          Die SPD-Politikerin Dagmar Freitag, zwölf Jahre lang Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, forderte indirekt die Ablösung der Vorstandsvorsitzenden Veronika Rücker. „Für mich ist klar, dass es nicht bei einer Neubesetzung allein des Präsidiums bleiben darf“, sagte sie dem Sportinformationsdienst mit Blick auf die Mitgliederversammlung am 4. Dezember: „Auch die Rolle der Vorstandsvorsitzenden gehört jetzt hinterfragt.“

          Der als Favorit für die Wahl des Präsidenten geltende Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, kündigte an, dass im Falle seiner Wahl die Positionen von Vorstand und Vorstandsvorsitzender zur Disposition stünden. Hörmann, Rücker und Vorstand Thomas Arnold drohen Fehres mit straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen, sollte sie nicht die Urheberschaft des Briefes zugeben; ein Gutachten beweise diese. Fehres weist den Vorwurf als absurd und haltlos zurück.

          Vizepräsident Andreas Silbersack zieht sich aus der DOSB-Spitze zurück.
          Vizepräsident Andreas Silbersack zieht sich aus der DOSB-Spitze zurück. : Bild: dpa

          Im Umbruch an der Spitze des DOSB räumte derweil nun der für den Breitensport zuständige Vizepräsident Andreas Silbersack seinen Posten. Der 53-Jährige begründete seinen Rückzug aus der Führung des DOSB am Donnerstag mit seiner Doppelbelastung. Seit September ist Silbersack auch Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt. „Beide Tätigkeiten sind hochpolitisch und erfordern ein Höchstmaß an Engagement. Neben meinen weiteren ehrenamtlichen Funktionen im Sport kann ich beide Aufgaben zurzeit nicht im gebotenen Maße ausfüllen“, erklärte Silbersack.

          Er werde daher nicht zur Neuwahl des DOSB-Präsidiums am 4. Dezember in Weimar antreten. Silbersack ist derzeit im Dachverband neben dem Breitensport auch für die Sportentwicklung zuständig. Zuvor hatten bereits DOSB-Chef Hörmann und der für die Finanzen zuständige Vizepräsident Kaweh Niroomand angekündigt, nicht zur Neuwahl anzutreten.

          Silbersack will nach seinem Rückzug weiter erster Vizepräsident von Special Olympics Deutschland bleiben. Zudem ist er Ehrenpräsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, den er von 2008 bis 2019 anführte.

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