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Sporthilfe : Linsenhoff legt Vorsitz mit sofortiger Wirkung nieder

  • Aktualisiert am

Ann Kathrin Linsenhoff tritt zurück Bild: AP

Ann Kathrin Linsenhoff hat ihr Amt als Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Michael Ilgner ist bis zu einer Klärung der Linsenhoff-Nachfolge mit der operativen Führung der Stiftung beauftragt.

          Für Ann Kathrin Linsenhoff gibt es bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) kein Zurück mehr - Geschäftsführer Michael Ilgner leitet vorläufig das Sozialwerk bei der schwierigen Suche nach einem Nachfolger. Die Vorstandsvorsitzende warf am Freitag endgültig das Handtuch und erklärte ihren sofortigen Rücktritt, „um weiteren Schaden abzuwenden“.

          Diese Entscheidung sei in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat getroffen worden, teilte die DSH mit. Derweil haben die deutschen Spitzenfunktionäre in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa entsetzt und auch ratlos auf die Personalkrise bei der Sporthilfe reagiert. „Es geht um die Zukunft des deutschen Sports, und jeder muss für Kompromisse bereit sein“, sagte Jens Kahl, Sportdirektor des Deutschen Kanuverbandes (DKV). Leichtathletik-Verbandschef Clemens Prokop forderte ebenso wie Schwimm-Präsidentin Christa Thiel „eine rasche Lösung“.

          Nachfolge-Suche ist Sache des Aufsichtsrats

          Die Nachfolge-Suche, stellte der frühere Wasserball-Nationalspieler Ilgner klar, „ist Sache des Aufsichtsrats“. „Ann Kathrin Linsenhoff wollte dem Spitzensport, dem sie persönlich viel verdankt, durch ihr Engagement etwas zurückgeben. Umso tragischer sind für alle Beteiligten die zuletzt entstandenen Irritationen, die nun keine andere Lösung möglich erscheinen lassen“, hieß es in der Erklärung der Sporthilfe über den sofortigen Rückzug der Dressur-Olympiasiegerin von 1988.

          Bis zur Klärung der Nachfolge springt der 37 Jahre alte Wirtschaftsingenieur Ilgner aus Frankfurt am Main ein, der bereits vorher Mitglied des Vorstands war. Ziel sei „eine schnelle Entscheidung herbeizuführen und die für den deutschen Sport essenzielle, in den letzten Jahren außerordentlich erfolgreiche Arbeit der Stiftung fortzusetzen“, teilte die DSH mit. Die 48 Jahre alte Tiermedizinerin Linsenhoff aus Kronberg im Taunus hatte am Montag nach wochenlangen Querelen und Streitigkeiten mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und früheren Sporthilfe-Chef Hans Wilhelm Gäb ihren Rücktritt zum Jahresende erklärt.

          Krise spitzte sich am vergangenen Donnerstag zu

          Die Krise hatte sich am Donnerstag weiter zugespitzt, als auch die Aufsichtsratsmitglieder Peter Zühlsdorff und Bernd Rauch ihre Ämter zur Verfügung stellten. (siehe auch: Deutsche Sporthilfe: Ann Kathrin Linsenhoff gibt auf und Sporthilfe: Weitere Rücktritte) Nach Ansicht von Rauch muss der neue Sporthilfe-Chef wirtschaftlich und zeitlich unabhängig sein und sehr gute Kontakte zur Wirtschaft haben: „Im Grunde ist das ein harter Fulltimejob.“ Die Messlatte liege hoch, meinte Leichtathletik-Chef Prokop, „wenn man eine Persönlichkeit wie Gäb oder Linsenhoff finden will“.

          Die Fachverbände befürchten nicht nur einen erheblichen Imageverlust für die Sporthilfe. „Wenn diese Situation so weiter geht, dann wäre das von großem Schaden für den gesamten deutschen Sport. Das ist eine verhängnisvolle Entwicklung“, sagte Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), zu den Vorgängen in den vergangenen Tagen. „Man muss aufpassen, dass diese überragend bedeutsame Organisation für den Sport keinen Schaden nimmt“, warnte Prokop.

          Die Sporthilfe hat nach eigenen Angaben seit 1967 rund 40.000 Sportler mit insgesamt 350 Millionen Euro unterstützt. „Die Sponsoren werden das nicht gerne sehen“, befürchtet Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), auch finanzielle Folgen für die Organisation. Linsenhoff hat bei ihrem endgültigen Abgang die Förderer noch „um eine Fortsetzung der Unterstützung“ gebeten. „Wir freuen uns sehr darüber“, sagte Ilgner und betonte, dass das operative Geschäft ganz normal weiterläuft. „Unsere Athleten trainieren zweimal am Tag.“ (siehe auch: Kommentar zum Linsenhoff-Rücktritt: Scheidungskind Sporthilfe)

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