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Kommentar : Eine bittere Erkenntnis für den Sport

  • -Aktualisiert am

Mehr Medaillen? Mehr Geld jedenfalls gibt es für den Sport nur in Maßen. Bild: Picture-Alliance

Der DOSB verzockt sich beim Poker um mehr Geld durch den Bund. Das liegt auch am Kleinkrieg, auf den sich der Verband einließ. Die fehlenden Mittel werden die Athleten kleinerer Disziplinen und ihre unterfinanzierten Trainer treffen.

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          Der Spitzensport ist in Berlin nicht so viel wert, wie die Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) glaubt. Sie hat sich offenbar um satte 66 Prozent verzockt bei ihrem Poker um eine Mittelaufstockung. Statt der geforderten 100 Millionen will die Regierung dem DOSB nur 30 pro Jahr auf den Etat in Höhe von rund 165 zuschlagen. Das ist eine bittere Erkenntnis. Glaubt man den Mahnungen von DOSB-Chef Hörmann, dann wird die zusammen mit dem Innenministerium entwickelte Spitzensportreform scheitern.

          Hörmann hatte noch am Mittwoch laut Darstellung der Deutschen Presse-Agentur erklärt, dass „für die verbleibenden Monate sicher zwanzig bis vierzig Millionen Euro notwendig und im Sinne einer verantwortungsbewussten Umsetzung der ersten Schritte sinnvoll sind“. 2018 gibt es aber nach Darstellung aus dem Ministerium keinen Cent zusätzlich. Die neue Regierung hat offenbar eine andere Auffassung von der Bedeutung des Spitzensports.

          Und niemand aus der Koalition ist offenbar willens, den Widerspruch zwischen Forderung und Förderung anzuerkennen: Weil der Bund, wie es der ausgeschiedene Innenminister Thomas de Maizière in Vertretung aussprach, ein Drittel mehr Medaillen verlangt, eine breite Spitzensportkultur und eine Top-Plazierung des deutschen Sports bei Olympischen Spielen, müsste er auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Aber zu einem Verhandlungsergebnis gehören zwei.

          Der DOSB verstand es nicht, die Geldgeber in Berlin zu überzeugen. Vielmehr hat er sich auf einen Kleinkrieg mit der Abteilung Sport des Innenministeriums eingelassen. Beide Parteien beschimpften sich halbwegs öffentlich als inkompetent wie anmaßend. Welcher Steuergeldverteiler würde da nicht hellhörig? Vor diesem Hintergrund ist das an den Wünschen des Sports gemessene schlechte Ergebnis nicht überraschend. Es wird die treffen, denen eine angemessene Anerkennung in Aussicht gestellt worden war: die Athleten kleinerer Disziplinen und ihre unterfinanzierten Trainer; das Herz des Spitzensports.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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