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Sportförderung : Seehofer verspricht mehr Geld

Placet der Sportpolitik: Horst Seehofer verspricht einen Paradigmenwechsel. Bild: EPA

Hoffnung für die deutsche Sportförderung. Es gibt mehr Geld. Minister Horst Seehofer verspricht spricht von einem Paradigmenwechsel.

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          Dies muss ein schwieriger Verwaltungsakt gewesen sein. Horst Seehofer lobte während der Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages am Mittwoch in Berlin die Unterstützung von Top-Athleten, die nicht mit einer Förderstelle der Bundeswehr alimentiert werden, als Paradigmenwechsel, und die SPD-Abgeordnete Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Ausschusses, stimmte dem Innen- und Heimatminister von der CSU vorbehaltlos zu. Um sieben Millionen Euro geht es – im vergangenen Jahr beschlossen, doch von Finanzexperten in den Ministerien und vom Bundesrechnungshof blockiert. Die erste Rate, 3,5 Millionen Euro, die in der Jahresmitte 2018 ausgezahlt werden sollten, machte der Haushaltsausschuss erst auf seiner Bereinigungssitzung locker. Die erste vollständige Zahlung von sieben Millionen scheint nun das Placet der Verwaltung zu haben.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wenn Sport- und Haushaltsausschuss parteiübergreifend mit der Sportszene zusammenwirkten ohne jede Eitelkeit und außerhalb der Öffentlichkeit, erklärte Seehofer auf Nachfrage, und das Gesamtbudget für die Spitzensportförderung so im Jahr 2020 auf 245 Millionen Euro steige (2019: 235 Millionen), dann sei das Wort vom Paradigmenwechsel angebracht.

          „Epochaler Schritt“

          Auch der Vorstandsvorsitzende der Sporthilfe, Michael Ilgner, war um große Worte nicht verlegen. Einen epochalen Schritt nannte er die staatliche Förderung. Seine Einrichtung habe stets eine Gerechtigkeitslücke zwischen den (mit gut tausend) Stellen bei Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll geförderten Athleten und denen ohne Förderstellen gesehen. Ende vergangenen Jahres konnten deshalb 959 Athleten, die keine Uniform des Bundes tragen, eine Einmal-Zahlung von 3650 Euro erhalten. In diesem Jahr soll die Förderung von rund 850 Medaillenkandidaten der nächsten acht Jahre von 300 auf 700 Euro monatlich steigen, rückwirkend von Januar an. Olympia-Kader sollen mit 800 Euro gefördert werden.

          Dazu kommen Fördermittel aus der Wirtschaft. Bedingung ist, dass sie nicht mehr als 45.000 Euro im Jahr verdienen. Der Etat der Sporthilfe steigt durch den staatlichen Zuschuss auf 21 bis 22 Millionen Euro.

          Die Sporthilfe war vor den Olympischen Spielen von München 1972 in der damaligen Bundesrepublik gegründet worden mit dem Anspruch, durch breite Unterstützung aus Wirtschaft und Gesellschaft ein Gegenmodell zur Förderung von Staatsathleten wie in der DDR zu schaffen.

          Der Abgeordnete der Linken, André Hahn, kritisierte die direkte Zuwendung an die Sporthilfe; diese sei eine privatrechtliche Institution, die sich weitgehend parlamentarischer Kontrolle entziehe. Die Kriterien, nach denen das Geld verteilt werde, seien undurchsichtig. Hahn regte an, statt direkter Zahlungen einen Stellenpool für 300 bis 400 Top-Athleten beim Innenministerium zu schaffen oder Förderstellen bei Städten und Gemeinden zu finanzieren. Er prognostizierte, dass es in absehbarer Zeit gerichtliche Auseinandersetzungen über Förderung oder Nicht-Förderung geben werde.

          Die Bundeswehr stellt 744 Stellen für Spitzensportlerinnen und -sportler in 15 Sportfördergruppen zur Verfügung. Die Kosten dafür gibt sie mit 35 Millionen Euro an. Auch bei der Bundespolizei, beim Zoll und bei der Polizei einer Vielzahl von Ländern werden Sportfördergruppen unterhalten.

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