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Sportförderung : Kasernen machen dicht, der Sport bleibt gelassen

Nach der Entscheidung des Verteidigungsministeriums über die Schließung von Bundeswehrstandorten soll auch die Zahl der Sportfördergruppen und unterstützten Athleten sinken.

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          Als Mensch sei er von der Schließung der Bundeswehrkaserne Tauberbischofsheim betroffen, sagt der Fechter Daniel Strigel. Als Sportler treffe ihn die Entscheidung nicht direkt. Obwohl der bei den Spielen von Athen mit einer Bronzemedaille ausgezeichnete Sportsoldat und Degenfechter einem anderen Standort zugeordnet werden wird (voraussichtlich Mainz), bleibt es für ihn doch, wie für seine 13 Sportkameraden in Tauberbischofsheim, beim täglichen Training mit ihren vertrauten Trainern am Olympiastützpunkt TBB. Verwaltungstechnische Maßnahmen nennt man das beim Deutschen Sportbund in Frankfurt und bei betroffenen Landessportbünden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Anders als Kommunal- und Landespolitik reagiert der Spitzensport gelassen auf die Schließung von 105 Standorten der Bundeswehr. Bis zu den Olympischen Sommerspielen von Peking 2008 soll die Zahl der Sportfördergruppen der Bundeswehr - darunter so obskure wie der für Maritimen Fünfkampf in Eckernförde - zwar von 25 auf 15 sinken. Um die einzelnen Stellen für Leistungssportler - 704 sind es derzeit - wollen der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, und sein für Spitzensport zuständiger Vize, Ulrich Feldhoff, am Montag in einer Woche bei Verteidigungsminister Peter Struck und dem für Sportförderung zuständigen General Hans-Heinrich Dieter in Berlin streiten. Dem Sport sollen, wie der Armee insgesamt, zwölf Prozent seiner Förderung gestrichen werden, heißt es im Verteidigungsministerium. Derzeit läßt es sich nach eigener Hochrechnung die staatliche Professionalisierung von Spitzensportlern rund 27 Millionen Euro pro Jahr kosten.

          Olympia ordentlich planen

          Womöglich werden die Spitzenverbände in Zukunft nur noch die Alimentierung für rund 620 Plätze unter sich aufteilen dürfen. Der Sport hält dagegen, daß durch Konzentration auf große Standorte Verwaltungs- und andere Kosten eingespart werden könnten, ohne daß die Zahl der geförderten Athleten reduziert werden müßte. Die Unterstützung durch die Bundeswehr sei unverzichtbar für den Spitzensport, betont von Richthofen immer wieder. Fast noch wichtiger ist allerdings Planungssicherheit. Wenn die Bundeswehr streichen wolle, dann bitte sehr jetzt. Der Olympiazyklus soll ordentlich geplant werden.

          Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, von den Plänen der Bundeswehr am stärksten betroffen, haben in Sachen Spitzensport keine Befürchtungen. Die Standorte im Westen, etwa die Sportschule der Bundeswehr in Warendorf und die Sportförderkompanie in Köln-Longerich, seien so groß, daß keine Gefahr für sie bestünde, sagt der zuständige Mann in Düsseldorf. Und aus Malente kommt die Nachricht: "Wir haben gar keine Sportfördergruppen in Schleswig-Holstein." Ebenso steht es um Mecklenburg-Vorpommern, das die meisten Spitzensportler zugunsten zentraler Einrichtungen verlassen haben.

          Thomas Behr vom Landessportbund Schleswig-Holstein denkt an den Breitensport. Viele Vereine benutzten Hallen und Sportanlagen der Bundeswehr. Wenn diese nicht mehr bewirtschaftet würden, sagt er, könnte es zu einem Mangel an Sportstätten kommen.

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