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Sportförderung in der Bundeswehr : Der Armee-Klub

Im Dienste der Olympiamannschaft: Die Soldatinnen Sylke Otto, Kati Wilhelm und Silke Kraushaar (v.l.) Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Bundeswehr zählt zu den wichtigsten Sponsoren des Spitzensports. Sogar Wehrdienstverweigerer greifen für einen Olympiasieg zur Waffe. Ist die Abhängigkeit vom Steuergeld des Militärs sinnvoll?

          8 Min.

          Der Sport ist dankbar. Für die üppige Förderung danken Athleten und Verbandspräsidenten bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen stets auch dem Verteidigungsminister. Die Bundeswehr stellt Spitzensportlern und ihren Trainern 744 Planstellen zur Verfügung und kann sich deshalb als größter Sponsor des Sports in Deutschland feiern lassen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Doch der organisierte Sport scheint den Preisanstieg für diese Hilfestellung zu ignorieren: Seit der Aussetzung der Wehrpflicht ist die Bundeswehr eine Freiwilligenarmee. Diskus-Weltmeister Robert Harting demonstrierte bei der Weltmeisterschaft in Daegu, wie nah der Alltag einer Armee im Einsatz einem Spitzenathleten gehen kann. Der Riese, Stabsunteroffizier des Heeres, widmete seine Goldmedaille bei einem Fernsehinterview noch im Stadion einem Kameraden, der in Afghanistan gefallen ist.

          Harting illustrierte, was de Maizière den ersten Rekruten des freiwilligen Wehrdienstes bei deren Vereidigung in Berlin vor Augen gehalten hatte: „Die Welt ist ein gefährlicher Ort. Soldat sein heißt, sich Gefährdungen auszusetzen. Nicht jederzeit. Nicht alle. Nicht überall. Aber doch prinzipiell.“

          Medaille einem gewidmet: Robert Harting

          Kein Sportsoldat wird wohl nach Afghanistan, kein Athlet in Uniform vors Horn von Afrika oder nach Sudan kommandiert werden. Doch allein die prinzipielle Verpflichtung, dafür einzustehen, lehnt Christian Reif, Europameister im Weitsprung, ab.

          „Ich weiß nicht, ob ich mich Pazifist nennen könnte. Ich fühle mich aber nicht ausreichend informiert, um mich tatsächlich für Waffengewalt gegenüber Menschen in Afghanistan oder im Kosovo entscheiden zu können“, sagt er. „Die Wehrpflicht war eine Verpflichtung, der man sich mehr oder weniger gut entziehen konnte. Freiwillig zur Bundeswehr zu gehen, aus freien Stücken zu sagen: Ich will zur Bundeswehr, das ist auch ein Statement. Man bekennt sich zum Militär.“

          Sporthilfe als schwacher Ersatz

          Reif verzichtet im Vergleich zu den gut besoldeten und versicherten Sportsoldaten auf viel Geld und Unterstützung. Er wurde von der Stiftung Deutsche Sporthilfe für die Eliteförderung ausgewählt. Sie zahlt ihm und lediglich 36 weiteren Athleten - ein Zwanzigstel der Sportsoldaten - monatlich 1500 Euro. Bis maximal zum nächsten Sommer, dann ist vorerst Schluss. „Ob das fair ist, sollen andere beurteilen“, sagt Reif. „Ich hätte ja hingehen können. Bloß für mich stellte sich diese Frage nicht.“

          Chef de Mission: Verteidigungsminister  de Maiziére

          Michael Vesper durchkämpfte in den siebziger Jahren drei Instanzen, um als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden. Heute, da aus dem Grünen-Politiker der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) geworden ist, sagt er: „Es gibt ein nationales Interesse daran, dass wir Vorbilder erzeugen, und dass wir international präsent sind. Dazu trägt die Bundeswehr und dazu tragen erfreulicherweise auch die Bundespolizei, Länderpolizeien und der Zoll bei.“

          Vesper bestreitet, dass sich die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen für die Sportförderung beim Bund geändert haben. „Die Aussetzung der Wehrpflicht ist eine Entscheidung des Parlaments, die wir selbstverständlich respektieren“, sagt er. „Aber sie ändert doch nichts an der Einrichtung der Sportförderstellen.“

          Hälfte im Winter, ein Drittel im Sommer

          Nach wie vor stehen viele Sportlerinnen und Sportler vor der Wahl, entweder zur Bundeswehr zu gehen, um professionell Sport zu treiben, oder ehrgeizige Ziele aufzugeben. Fast die Hälfte der 153 Wintersportlerinnen und -sportler im deutschen Team für Vancouver 2010 waren Soldaten. Oberfeldwebel Evi Sachenbacher-Stehle und Hauptfeldwebel Kati Wilhelm, Oberfeldwebel Tatjana Hüfner und Hauptfeldwebel André Lange holten gemeinsam mit ihren Kameraden 17 von 30 Medaillen.

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