https://www.faz.net/-gtl-6ui2f

Sportförderung in der Bundeswehr : Der Armee-Klub

Unklare Auskünfte

In einer Stellungnahme für den Bundesrechnungshof spricht das Verteidigungsministerium (BMVg) von Extramitteln. Gegenüber dieser Zeitung aber erklärte das Ministerium, der Verteidigungshaushalt werde zur „Förderung von Spitzensportlern nicht mit zusätzlichen Haushaltsmitteln ausgestattet.“ Gelder für Sportförderung sind im Verteidigungsetat nicht zu finden. „Das ist ein Problem“, sagt Norbert Barthle, der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. „Nirgendwo ist nachzulesen, wie hoch die Mittel eigentlich sind.“

Die unklaren Auskünfte befeuern eine heikle Diskussion. Es sei doch besser, die Bundeswehr fördere den Sport statt mehr Panzer zu kaufen, heißt es im Sport. Barthle widerspricht: „Die Sportförderung geht selbstverständlich nicht zu Lasten des Verteidigungshaushalts.“ Wenn in Afghanistan schusssichere Westen fehlen, liegt das also nicht an der Finanzierung etwa einer Anschubbahn für Bobfahrer in Bischofswiesen. Grundsätzlich aber gewinnt eine Frage vor dem Hintergrund der bevorstehenden Verkleinerung der Bundeswehr an Bedeutung: Ist nicht der Zeitpunkt gekommen, diese 33 Millionen Euro aus der staatlichen Spitzensportförderung von der neu aufgestellten Sporthilfe verteilen zu lassen?

„Langfristig schadet der Sport sich damit selbst“

Als Franz-Josef Jung, ein großer Freund des Sports, Verteidigungsminister war, machte er den Stellenabbau bei den Sportsoldaten rückgängig, den sein Vorgänger Peter Struck verfügt hatte. Das Ende der Sportförderung durch die Bundeswehr, davon ist er überzeugt, „würde für manche Sportart das Aus bedeuten“. Deshalb schlug er im November 2007 auf die 624 Stellen, die übrig geblieben waren, 120 auf und ließ sie sich vom Parlament mit 3,4 Millionen Euro extra bezahlen. Jung bestätigt, dass die Attraktivität der Bundeswehr für den Sport in der Großzügigkeit der Militärs besteht, besser: in der Großzügigkeit ihrer politischen Führung.

Das Maß der Sportförderung ist mit den Stellen im Gegenwert von 33 Millionen Euro nicht erschöpft. „Man darf nicht nur die Personalkosten sehen, sondern auch die Möglichkeiten in den Sportzentren“, sagt Jung. „Das muss man dazurechnen.“ Längst sind die fünfzehn Sportfördergruppen der Bundeswehr nicht mehr Kasernen in der Nähe von Leistungszentren. In Oberhof und Bischofswiesen etwa sind Hochburgen des Sports mit Quartieren, Kantinen und Trainingsanlagen entstanden - gebaut und unterhalten auf Kosten des Militärs.

Auch auf Kosten des Sports gehe die Sportförderung der Bundeswehr, behauptet Wolfgang Maennig, Olympiasieger im Deutschland-Achter und Professor der Volkswirtschaft. Er beobachtet, dass Verbände und Trainer sehr gern Bundeswehrsportler einsetzten. Diese seien verfügbar, nicht selten sogar kommandierbar. Sport habe für sie stets Priorität. Durch ihre Bevorzugung ändere sich in manchen Sportarten die soziologische Struktur der Spitze.

„Langfristig schadet der Sport sich damit selbst“, sagt Maennig. „Leute wie Thomas Bach oder Michael Groß, die neben dem Sport studiert haben, hätten heute in den meisten Sportarten geringere bis gar keine Chancen. Eine wichtige Gruppe von bildungsaffinen Sportlern, welche langfristig für den Sport, sein Ansehen und seine Führung wichtig ist, wird systematisch verdrängt.“

Zivile Option

Weitspringer Reif bestreitet sogar, dass die Bundeswehr Athleten Sicherheit biete. „Es kann Probleme geben, wenn man verletzt ist oder seine Leistungen nicht bringt. Mir ist wichtig, dass ich mit ruhigem Gewissen aufwache und mir sagen kann: Wenn der Wettkampf heute in die Hose geht, ist das kein Beinbruch“, sagt er. „Und selbst wenn die ganze Saison nichts ist, muss ich mir keine Sorgen darüber machen, ob ich in einer Sportfördergruppe bleibe oder nicht.“ Reif steht für die zivile Option, Spitzensport zu treiben.

Weitere Themen

Hemdsärmlig für Trump

Verteidiger des Präsidenten : Hemdsärmlig für Trump

Bei den Anhörungen wegen der Ukraine-Affäre tritt der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Der ehemalige Profi-Ringer soll die Verteidigungsstrategie von Donald Trump transportieren – wohl auch stilistisch.

Schlägerei nach Fußballspiel in Peru Video-Seite öffnen

Fußballfeld oder Schlachtfeld? : Schlägerei nach Fußballspiel in Peru

Im peruanischen Cusco kippte ein Pokalmatch direkt nach dem Abpfiff in eine Schlägerei um. Spieler und Fans des Verliererteams stürmten nach dem letzten Pfiff auf den Platz und griffen die Schiedsrichter sowie das siegreiche Team an.

Topmeldungen

Verteidiger des Präsidenten : Hemdsärmlig für Trump

Bei den Anhörungen wegen der Ukraine-Affäre tritt der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Der ehemalige Profi-Ringer soll die Verteidigungsstrategie von Donald Trump transportieren – wohl auch stilistisch.
Gut verdienen -  das wollen viele; aber wo gibt es die besten Gehälter?

Gehaltsreport für Absolventen : Berufswunsch? Reich!

Ein Studium zahlt sich aus - so viel ist bekannt: Akademiker können sich auf höhere Gehälter freuen als Nicht-Akademiker. Aber das ist natürlich nur ein Durchschnitt, wie diese neuen Gehaltsdaten zeigen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.