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Sportförderung in der Bundeswehr : Der Armee-Klub

„Heimat der Sieger“

Thomas Kossendey, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, wird deutlicher. Spitzensportförderung sei auch eine Frage der Attraktivität, sagt er. So sind die Fußball-Nationalspielerinnen Simone Laudehr und Fatmire Bajramaj, sowie die ehemaligen Auswahlspielerinnen Silke Rottenberg und Kerstin Stegemann in einem Hochglanzprospekt der Bundeswehr im Kampfanzug mit Pistolen und Gewehren in der Hand abgebildet. „Konstant in der Erfolgsspur“ heißt die Broschüre, „Heimat der Sieger“ lautet ein Kapitel: Das sollen nicht nur die Sportkompanien, das soll die gesamte Bundeswehr sein.

Längst erscheinen Sportsoldaten in manchen Sportarten als Staatsamateure alter Prägung. Im Ostblock waren Spitzensportler vorgeblich bei staatlichen Organen oder in Volkseigenen Betrieben angestellt, trieben in Wirklichkeit aber nur Sport zum Ruhme des Staates. Die Sportförderkompanien im Westen sollten ursprünglich keine Kopien werden und auch nicht für die materielle Absicherung der Athleten sorgen.

Dafür schuf der Sport 1967 die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Sie versteht sich bis heute als Instrument der Zivilgesellschaft, als Sozialwerk des deutschen Sports. Ihr Etat von rund elf Millionen Euro reicht für die bescheidene Unterstützung von knapp viertausend Athleten. Selbst die Elite-Förderung-Plus von Reif entspricht weniger als der Hälfte dessen, was sich die Bundeswehr einen Förderplatz kosten lässt - bei Personalkosten von 33 Millionen für 744 Stellen rechnerisch gut 44.000 Euro. Die Eliteförderung kostet die Sporthilfe pro Kopf 18.000 Euro im Jahr.

Keine Absicherung nach Karriereende

Als der Bundesrechnungshof kritisierte, die Spitzensportförderung führe in der Bundeswehr ein Eigenleben und sei intransparent, bügelte die große Koalition des Sports den Vorwurf ab. Auch mit ihrer Anregung zu überprüfen, ob nicht ein Stipendiatsmodell - man denkt sofort an die Sporthilfe - effektiver sei, drangen die Kontrolleure nicht durch. Innen- und Verteidigungsministerium bestätigten sich selbst, dass die Bundeswehr Wettbewerbsfähigkeit garantiere und, was die berufliche und soziale Absicherung der Athleten angehe, alle anderen Modelle in Europa und Übersee übertreffe.

Das ist eine gewagte These. Zwar müssen die weiblichen wie die männlichen Spitzensportler in Grundausbildung und Lehrgängen militärische Kenntnisse erwerben. Doch die sind nach ihrem Ausscheiden weitgehend wertlos. Offizierskarriere und Studium an einer Bundeswehrhochschule sind nicht vorgesehen. Und selbst die Berufsförderung der Bundeswehr, die Finanzierung einer zivilen Ausbildung, nehmen nicht wenige Athleten als Sponsoring zur Verlängerung ihrer Karriere.

71 Olympiasiege für die Bundeswehr

71 Olympiasiege, die deutsche Olympiamannschaften seit der Einheit und den Winterspielen von Albertville und den Sommerspielen von Barcelona 1992 den Sportsoldaten der Bundeswehr zu verdanken haben, sind ein mächtiges Pfund in der Diskussion um die Effektivität. „Nicht die Armee würde zugrunde gehen, wenn wir keine Sportförderung der Bundeswehr mehr hätten“, warnt Vesper. „Der Sport, wie wir ihn jetzt kennen, würde zugrunde gehen.“

Er kämpft in Berlin um Stellen; die Kosten interessieren ihn nicht. Und damit auch nicht die Frage, ob die Bundeswehr originärer Förderer des Sports ist, oder ob sie, im Auftrag des Parlaments, Fördergelder aushändigt. Wo kommen also die 33 Millionen Euro in jedem Jahr her?

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