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Sportförderung in der Bundeswehr : Der Armee-Klub

Ein ehemaliger Verteidigungsminister bei der Medaillenübergabe: Franz-Josef Jung (l.) ehrt 2006 die Rodlerinnen Silke Kraushaar (r.) und Sylke Otto

Bei den Sommerspielen von Peking 2008 waren 127 Bundeswehrsoldaten im Einsatz, etwa ein Drittel des Teams. Die Bundeswehr sei „unverzichtbarer Bestandteil aller Planungen im Leistungssport“, konstatiert Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ohne die Förderung durch das Militär wären Platz zwei in der Medaillenwertung von Vancouver und Platz fünf in Peking mit 16 Goldmedaillen unerreichbar gewesen.

Polizei arbeitet mit Perspektive

In Sportarten, die ihre Athleten nicht ernähren, sind Förderer aus der Wirtschaft dünn gesät. Vor der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin etwa unterstützten einige Großunternehmen diskret zwei Handvoll aussichtsreicher Leichtathleten, indem sie ihnen Anstellungen gaben. Nach der WM stellten sie ihr Engagement ein. Für die olympische Perspektive bleibt den meisten Athleten nur der öffentliche Dienst.

Die Polizeien von Bund und Ländern machen Spitzensportlern immer mehr Angebote. Wer sie annimmt, tut das unbedingt mit der Perspektive, nach der sportlichen Laufbahn im Polizeidienst zu bleiben. Die Auswahl ist streng, das Lern- und Lehrprogramm fordernd. Ohne Abitur braucht sich niemand zu bewerben.

Im Gegensatz dazu haben Athleten, die zur Bundeswehr gehen, in den seltensten Fällen das Berufsziel Soldat. Es sind auch nicht Armee, Kreiswehrersatzämter und Zentren für Nachwuchsgewinnung, welche die Stellen in den Sportkompanien vergeben. Das machen Bundestrainer und Sportdirektoren unter sich aus, manche von ihnen im Range eines Feldwebels.

Sie entscheiden auch, wessen Zeit als Sportler bei der Bundeswehr abgelaufen ist. So übernimmt der Spitzensport hier und da ein Prinzip der Bundeswehr: Befehl und Gehorsam.

Bundeswehr statt Zivildienst

Trotzdem ist der Diskuswerfer Markus Münch nach der Weltmeisterschaft von Daegu zur Grundausbildung eingerückt. Sein Sportstudium hat er abgeschlossen, seine Leistung gibt ihm das Recht auf optimale Förderung im Hinblick auf London 2012 und Rio 2016. Doch sollten sich nicht Gesellschaft und Sport fragen, was sie einem jungen Athleten abverlangen? Vor sechs Jahren noch verweigerte Münch den Wehrdienst und leistete Zivildienst in der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Einen geradezu sprunghaften Wechsel demonstrierte vor zwei Jahren ein Stabhochspringer. Bei einer Preisverleihung in Frankfurt erzählte der Abiturient, dass er eigentlich den Wehrdienst verweigern wollte; dann aber habe ihm sein Trainer beschrieben, was die Bundeswehr Spitzensportlern alles biete. Da habe er sich verpflichtet. Das nationale Interesse an Vorbildern scheint den Opportunismus zu befördern.

Idee von 1972

Die Sportförderung der Bundeswehr entstand in den sechziger Jahren als Verabredung, dass Spitzensportler, die ihrer staatsbürgerlichen Pflicht zum Wehrdienst nachkamen, nicht zusätzlich benachteiligt werden sollten. Kommandeure wurden angewiesen, sie nachmittags trainieren zu lassen. Als die Olympischen Spiele 1972 in München absehbar waren, beschloss der Bundestag, wehrpflichtige Spitzensportler an Standorte einzuberufen, die in der Nähe von Olympiastützpunkten lagen.

Zivile Option: „Wehrdienst“-VErweigerer Reif baut auf die Sporthilfe

Daraus wurden Sportfördergruppen, auch für Frauen, und schließlich das Werbeinstrument einer Armee, die dringend Freiwillige braucht. „Ich glaube, dass die Bundeswehr durch die Sportförderung einen deutlichen Pluspunkt erhält“, sagt Vesper vom DOSB. „Die Athleten, die Deutschland vertreten, sorgen für ein positives Bild der Bundeswehr.“

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