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Sportförderung-Kommentar : Folgenschwere Niederlage

  • -Aktualisiert am

Die Trauer des Moments: Deutschlands Damen unterliegen Spanien Bild: dpa

Wenn aus einer einzigen Niederlage im WM-Viertelfinale die Zukunft einer ganzen Sportart und die Lebensplanung ihrer Spitzenkräfte abhängt, kann mit der Sportförderung im Land etwas nicht stimmen.

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          Wann immer Sportler überraschend scheitern, fehlt bei der Ursachenforschung nie die Frage, wie sehr sie der Druck belastet habe, gewinnen zu müssen. Die Last der Erwartungen mag auch wirklich eine Rolle gespielt haben für die deutschen Fußballspieler bei ihrer Weltmeisterschaft in Russland. Wie viel mehr Druck aber auf anderen Sportlern bei Großereignissen lastet, war am Mittwoch bei den deutschen Hockeydamen zu erleben. Spanien, in den Gruppenspielen 3:1 besiegt, schien ein schlagbarer Gegner im WM-Viertelfinale in London, dazu hätte danach mit Irland im Halbfinale ebenfalls ein Außenseiter gewartet.

          Der Sprung gar ins WM-Endspiel, zuletzt 1986 erreicht, war keine reine Utopie, aber die schönen Träume zerplatzten. Die 0:1-Niederlage war bitter genug, doch das ganze Ausmaß wurde erst danach deutlich. Platz vier wäre nötig gewesen, um weiter verlässlich die Eliteförderung zu erhalten. Ohne diese finanzielle Unterstützung bliebe für manche deutsche Spielerin nur die Hoffnung auf Hilfe aus dem Elternhaus, um etwa die eigene Wohnung zu finanzieren. Solche Sorgen kennen Fußballprofis nicht einmal vom Hörensagen.

          Im deutschen Hockey wird nun ein altbekanntes Thema neu aufgelegt werden. Die Nationalmannschaft hat aufgrund des Terminplans der Vereine immer weniger Zeit, sich auf Großereignisse vorzubereiten. Das liegt zum einen daran, dass auch im Hockey der Trend zu immer mehr Spielen und immer mehr Wettbewerben verbreitet ist: Hallen-Europameisterschaft, Hallen-Weltmeisterschaft, Hallen-Europapokal, Hallen-Bundesliga-Saison, dazu das gleiche Programm noch einmal auf dem Feld, allerdings durch mehrere Europapokal-Turniere noch breiter angelegt. Mittendrin die Nationalspieler, die Studium und Leistungssport unter einen Hut bringen müssen und vor allem bei den Damen mehr oder weniger als reine Amateure gelten können.

          Hockey aber ist auf dem Weg zu mehr Professionalisierung – das macht nicht nur der Blick auf andere Nationen deutlich, sondern vor allem die vom Hockey-Weltverband neugeschaffene Pro League, die 2019 startet. Dann werden die Nationalmannschaften in mehreren Blöcken drei Wochen am Stück unterwegs sein und teils auf verschiedenen Kontinenten Länderspiele absolvieren.

          Mit dem deutschen System scheint dies kaum kompatibel zu sein. Die Bundesligaklubs werden vor dem Problem stehen, dass sie Nationalspieler ausbilden, dann aber auf sie verzichten müssen. Und die Athleten müssen entscheiden, ob dies überhaupt alles vereinbar ist mit einer vernünftigen Lebensplanung. Auch dies sind Fragen, die die Spitzensportreform eigentlich beantworten müsste.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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