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Förderung von Sportstätten : „Wünsch dir was“ im Sportausschuss

Sanierungsbedarf: Hallenbad in Lampertheim (Foto vom März 2020) Bild: Imago

Im Sportausschuss des Deutschen Bundestages gibt es eine Anhörung zur Förderung kommunaler Sportstätten: Wer macht die Infrastruktur zukunftsfähig? Der Sanierungsbedarf ist groß.

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          „Immer nur her damit!“, rief Andrea Milz: „So viel Sie erübrigen können – wir nehmen alles.“ Die CDU-Politikerin und Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt des Landes Nordrhein-Westfalen genoss die Stimmung von „Wünsch dir was“, die sich im Sportausschuss des Deutschen Bundestages ausbreitete, als dieser sich am Mittwoch in öffentlicher Anhörung mit der Förderung von Sportstätten in den Kommunen befasste.

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          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auf 31 Milliarden Euro schätzen Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Deutscher Städtetag sowie Deutscher Städte- und Gemeindebund seit Jahren den Sanierungsbedarf – übrigens auch für vereinseigene Anlagen, die inzwischen rund ein Viertel des Bestandes von 231.000 Sportstätten ausmachen.

          „Wir brauchen eine Investitionsoffensive im Sport, damit die Sportstätten auf Vordermann gebracht werden“, forderte auch der Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, Helmut Holter. „Die Länder werden es allein nicht schaffen. Der Bund muss hier richtig in die Vorhand kommen.“ Holters Partei, die Linke, hatte in ihrer Rolle als Opposition im Bundestag nicht nur diese Anhörung durchgesetzt, sondern noch dazu die Vorstellung in die Welt gesetzt, dass der Bund zehn Jahre lang je eine Milliarde Euro jährlich in Modernisierung und Neubau von Schulsporthallen, Sportplätzen und Schwimmbädern an der Basis steckt.

          Alarmierende Folgen des Lockdowns

          Der für Sport und Bau zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte im Dezember 2019 einen Goldenen Plan 3.0 in Aussicht gestellt. „Nur mit erstklassigen Sportstätten können wir Sport als tragendes Element der Gesellschaft erhalten“, sagte er auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Frankfurt. Sport leiste einen riesigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die Gemeinwohlverantwortung und für die Integration.

          Damit schloss Seehofer – vorerst nur gedanklich – an die Goldenen Pläne der alten Bundesrepublik an, die von 1960 bis 1992 37,4 Milliarden DM mobilisierten; ein Drittel davon brachte der Bund auf. Nach der deutschen Einheit machte dieser von 1998 an über sieben Jahre für einen Goldenen Plan Ost 60 Millionen Euro locker.

          Die Pandemie und die Milliardenschulden des Staates scheinen die Aussicht auf ein angemessenes Investitionsprogramm für Sportstätten utopisch zu machen. Andererseits deuten sich derart alarmierende Folgen des Lockdowns mit weitgehendem Spiel- und Sportverbot an, dass der Sport-Referent des Deutschen Städtetages, Alex Mommert, den Notfall auszurufen schien: „Die Feuerwehr wird gebraucht, wenn es brennt.“ Sporttreiben zu ermöglichen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

          Übergewicht, Diabetes, Rückenbeschwerden und nicht zuletzt Depression dürften den Trend zu Reha- und Gesundheitssport in den rund 90.000 Vereinen verstärken, zumal dieser, von Krankenkassen unterstützt, nicht nur den Vereinsmitgliedern, sondern auch den Vereinen selbst dabei helfen könnte, nach Stillstand und Mitgliederverlust wieder auf die Beine zu kommen.

          „Nehmen Sie uns in die Pflicht“

          Über die Notwendigkeit von Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Umweltverträglichkeit hinaus dürfte dies dafür sorgen, dass marode Anlagen nicht lediglich in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. „Wir müssen die Sportstätten zukunftsfähig machen“, forderte DOSB-Vizepräsident Andreas Silbersack. Der Präsident des Landessportbundes Berlin, Thomas Härtel, wies darauf hin, dass die Gemeinden, anders als in der Vergangenheit, auch auf den baulichen Unterhalt und damit auf den Werterhalt der Anlage verpflichtet werden müssten.

          Dem phantastischen Goldrausch – „Würden Sie dem Sport die Milliarden geben?“, fragte der Linken-Abgeordnete André Hahn jeden einzelnen Experten – stellte Silbersack eine Selbstverpflichtung des Sports als Medizin entgegen. „Nehmen Sie uns in die Pflicht“, rief er der Politik zu. „Der Sport steht bereit.“

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