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Sportausschuss : Spiel mit verdeckten Karten

Hand drauf: Der Sportausschuss tagt öfter hinter verschlossenen Türen Bild: dapd

Der Sportausschuss des Bundestags hat seine Türen wieder geschlossen. Er geht damit den Weg zurück in den Dunstkreis, in dem Funktionäre und Politiker in Hinterzimmern mauscheln.

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          Der Sport findet im Bundestag seit Mittwoch wieder hinter verschlossenen Türen statt. Denn der Sportausschuss hat, nachdem das Hohe Haus für den Hebel des Euro-Rettungsfonds votiert hatte, beschlossen, die Öffentlichkeit künftig von seinen Sitzungen auszuschließen. Die zehn Mitglieder der Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP beendeten mit ihrem Abstimmungssieg über die acht Oppositionsabgeordneten auch formal eine Ära, in der dieser Ausschuss ein politisches Forum des deutschen Sports war, ein Gremium, das den Anspruch erhob, dem Sport und seiner Gestaltung gesellschaftliche Relevanz zu geben.

          Der SPD-Abgeordnete Peter Danckert hatte, als er vor sechs Jahren für eine Legislaturperiode den Vorsitz des Ausschusses übernommen hatte, mit einer öffentlichen Anhörung zur Sicherheit in den Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft den Ton gesetzt für heftige Diskussionen, kritische Fragen und nicht zuletzt eitle Auftritte der parlamentarischen Sportpolitik - und ein Gegengewicht geschaffen zur Politik der Sportverbände, die manchmal sehr diskret ist. Dass die Sportpolitiker von Union und Freien Demokraten der Öffentlichkeit die Tür ins Gesicht schlagen, ist nur deshalb kein Skandal, weil sie die Bedeutung des Ausschusses, der vor zehn Jahren noch die Entschädigung für Opfer des Dopings in der DDR initiierte, ohnehin längst unterminiert haben.

          Zurück in die Hinterzimmer

          So beklagte sich Klaus Riegert (CDU) am Mittwoch - hinter verschlossenen Türen - darüber, dass der Deutschlandfunk berichtet hatte, dass zur ersten Beratung der mehr als hundert Millionen Euro umfassenden Spitzensportförderung des Bundes 2012 in der vergangenen Woche nur zwei Abgeordnete der Regierungsparteien im Ausschuss geblieben waren; einer von ihnen, das muss man ihm zugutehalten, war Riegert. Er nannte den Beitrag nun unfair und begründete damit den Rauswurf der Journalisten. Damit setzt er sich dem Vorwurf aus, den Ausschuss zurück in den Dunstkreis zu führen, in dem Funktionäre und Politiker in Hinterzimmern mauscheln.

          Das Unterhaltungsprogramm auf Phones und Pads, dem sich mancher der Abgeordneten während der Ausschusssitzungen wohl auch weiterhin hingeben wird, war nicht nur Gastrednern unangenehm aufgefallen, die feststellen mussten, dass sie ins Leere sprachen. Es sprang auch Besuchern ins Auge, die auf der Galerie über den Parlamentariern saßen - und nicht selten sehr erstaunt waren von den Gegenständen parlamentarischer Konzentration. Nun standen die Abgeordneten vor der Frage, ob sie verbieten wollten, dass ihnen Gäste weiter über die Schulter auf die Patiencen gucken oder ob sie sich so gut vorbereiten und konzentrieren wollen, dass sie eine sportpolitische Debatte mit offenen Karten bestehen können. Ihre Antwort sagt alles.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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