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Planungen des Sportausschusses : Geheimsache Spitzensport

Speerwerferin Molitor gewinnt im vergangenen Jahr WM-Gold. Doch stehen die Medaillen tatsächlich über allem? Bild: dpa

Seit der Einheit sinkt die Effektivität des Spitzensports in Deutschland. Doch sind olympische Medaillen wirklich das einzige gültige Ziel? Das käme einer Konzentration wie einst im DDR-Sport nahe.

          Zwar tagt der Sportausschuss des Deutschen Bundestages stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch selbst seinen Mitgliedern wird es zu viel mit der Sportpolitik hinter verschlossenen Türen. Die Reform der Spitzensportförderung in Deutschland soll, obwohl oder vielleicht gerade weil Innenminister de Maizière sie zur Geheimsache erklärt hat, Gegenstand einer öffentlichen Anhörung werden. Dies wollen die Abgeordneten an diesem Mittwoch beschließen.

          Es ist höchste Zeit, dass die Volksvertreter sich mit dem Thema beschäftigen, über das Staat und Sport, besser: Innenministerium und Deutscher Olympischer Sportbund seit Monaten streiten. Und dass sie die Öffentlichkeit daran teilhaben lassen. Denn einerseits sind sich beide Parteien, der DOSB als Empfänger der Spitzensportförderung auf der einen und die Verwaltung auf der anderen Seite, über das vermeintliche Problem einig: Das System, in das Steuergroschen im Gegenwert von reichlich 170 Millionen Euro hineingegeben werden, spuckt zu wenig Goldmedaillen aus.

          So viele Medaillen wie möglich?

          Seit der deutschen Einheit sinkt die Effektivität des Spitzensports. Welche Stellschrauben anzuziehen sind, ist heftig umstritten. Ministeriale und Sportfunktionäre halten sich gegenseitig für inkompetent. Doch als Moderatoren allein dürfen sich die Parlamentarier nicht verstehen. Wichtiger als Beschwichtigung ist die Diskussion über die Grundlagen der Förderung. Sind so viele Medaillen wie möglich das Ziel?

          Diese Sicht würde eine quasi betriebswirtschaftliche Betrachtung und in letzter Konsequenz eine Konzentration wie einst im DDR-Sport nach sich ziehen: nämlich die Förderung von Kanu und Schwimmen forcieren, von Rodeln und Eisschnelllauf, aber Mannschaftssportarten sowie Disziplinen mit großem Materialaufwand zu vernachlässigen. Aber gerade die unwahrscheinlichen Erfolge – im Springreiten, im Abfahrtsrennen – und die Turniere der Mannschaftssportarten haben eine besondere Faszination. Zudem steht die Frage im Raum: Wie umgehen mit Doping-verseuchten Sportarten? Was tun mit Athleten, die sich redlich mühen, aber nie auch nur entfernt an die Stärksten ihres Genres heranreichen werden – etwa Sprinter, Gewichtheber? Und vertreten nicht Marathonläufer, Tischtennisspieler, Radrennfahrer und Schwimmer Massenbewegungen? Müssen sie nicht allein deshalb in einer deutschen Olympiamannschaft vertreten sein?

          Und, wenn wir schon dabei sind: Ist Olympia wirklich das einzige gültige Ziel, der einzige Maßstab – eine Veranstaltung, die für größtmöglichen Profit den öffentlich-rechtlichen Sendern die Übertragungsrechte entzogen und dem privaten Discovery Chanel übertragen hat? Vielleicht sollte der Sportausschuss nicht eine, sondern mehrere öffentliche Anhörungen anberaumen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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