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Sport : Zwei nicht ganz spannungsfreie Urlaubswochen

Die Spitzensportler beim Mannschaftsfoto Bild: dpa/dpaweb

Der „Club der Besten“, eine gesponserte Reise für ausgewählte Sportler, bekommt Konkurrenz vom „Club der Champions“. Die Idee eines Erholungsurlaubs für die Ausgepowerten weicht der des umkämpften Sport-Marketings.

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          Der kroatische Spätsommer meint es gut mit der Reisegruppe aus dem mitunter schon frühherbstlich kühlen Deutschland. Kaum ist der erste Kaffee gebrüht, steigt die Sonne über den dalmatinischen Hügeln empor und taucht den Hafen von Dubrovnik in goldenes Licht.

          An Bord des vollbelegten Clubschiffs „Aida Aura“ sind zur besten Frühstückszeit erste Liegen am Swimmingpool mit Handtüchern reserviert. Ab und an huscht auf der 200 Meter langen Kunststoffbahn eine Joggerin vorbei, und im Restaurant beginnt eine Gruppe Senioren zu tuscheln: „War das wieder einer von denen? Das Gesicht bekommt mir so bekannt vor ...“

          Einer von denen - damit sind etwa achtzig deutsche Spitzenathleten aus zwei Dutzend Sommer- und Wintersportarten gemeint, die sich wie die fleißig laufende Schwimmerin Antje Buschschulte mit einer Mischung aus Müßiggang und Trimmtrab von den Strapazen in Training und Wettkampf erholen. Eingeladen zu der Tour durchs Mittelmeer wurden sie von Werner von Moltke.

          Antje Buschulte fotografiert die Häuser von Venedig
          Antje Buschulte fotografiert die Häuser von Venedig : Bild: dpa/dpaweb

          Idee vom „Club der Besten“ ist kaputt

          Ausgerechnet der ehemalige Zehnkämpfer und heutige Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, der den unkonventionellen „Club der Besten“ 1984 aus der Taufe hob, schreitet bisweilen mit verkniffenem Gesicht über die Gänge. Gerade so, als habe der Bordfunk soeben bis zur Ankunft in Heraklion ununterbrochen Regen vorhergesagt. Das Gegenteil ist der Fall, aber von Moltke ist „stinksauer“, wie er unumwunden zugibt.

          Muße zum Ausspannen findet er trotz der angenehmen Rahmenbedingungen nur schwer. „Die großartige Idee vom ,Club der Besten' ist kaputt“, erregt er sich, und obwohl in der „Nightfly-Bar“ die Klimaanlage läuft, treten dem silberhaarigen Mann während des Gesprächs, das ihn emotional offenbar berührt, Schweißperlen auf die Stirn. Um die traditionelle Urlaubswoche deutscher Vorzeigesportler ist heftiger Streit zwischen von Moltke auf der einen und der Stiftung Deutsche Sporthilfe auf der anderen Seite entbrannt.

          Mit Hilfe des Robinson Clubs (der zum Reisekonzern TUI gehört) war das Herbsttreffen der Medaillengewinner in den vergangenen zwei Jahrzehnten stets ein begehrter Lohn für entbehrungsreiche Monate. Doch im vergangenen Winter taten sich „Abnutzungserscheinungen“ auf, wie von Moltke behauptet. Die TUI, so sei ihm mitgeteilt worden, wollte den Kreis der Gratisurlauber reduzieren oder ihn nur alle zwei Jahre aufnehmen. Daß es in der Folge zu zwei konkurrierenden attraktiven Sportler-Reisen gekommen ist, nennt Unternehmer von Moltke „grotesk“.

          Kommerzielle Interessen schaden dem Konzept

          Während er mit Hilfe der Sponsoren Aida Cruises und Air Berlin den „Club der Besten“ nun als Kreuzfahrt organisiert und dazu neben Antje Buschschulte auch Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch oder Weltklasse-Kombinierer Björn Kircheisen begrüßte, treffen sich etwa vierzig Kollegen auf Einladung der Sporthilfe in Süditalien. Und das, wie von Moltke zürnt, „ausgerechnet im Robinson Club Apulia“.

          Hier spannen im „Club der Champions“ unter anderem Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke, Rodler Georg Hackl und Eisschnelläuferin Claudia Pechstein aus; in ihrem Kreis wurde diesmal auch der „Champion des Jahres“ gekürt (es traf nicht unerwartet Warnecke) - eine Sportlerwahl, die seit fünf Jahren im „Club der Besten“ ihren Platz hatte.

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