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Kommentar : Der Sport muss sich helfen lassen

  • -Aktualisiert am

Nicht nur der Fußball-Weltverband Fifa sorgte 2015 für einige Skandale. Bild: AP

Da weitere Enthüllungen drohen, ist trotz all der guten Vorsätze 2016 kein Neuanfang in Sicht. Und doch gibt es Hoffnung – wenn sich der Sport helfen lässt. Es geht um alles.

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          Niederlagen tun weh. Sie können niederschmetternd und der Anlass sein, nach all der Mühe aufzugeben. Aber sie gelten auch als Motivation, einen neuen Weg zu wagen, als Quelle für eine bessere Zukunft. Just vor dieser Frage steht der olympische Spitzensport, auch in Deutschland.

          Die überwiegend von skrupellosen Funktionären verschuldete Glaubwürdigkeitskrise kann er kaum abschütteln. Und weil längst nicht alle Machenschaften ans Tageslicht gekommen sind, weitere Enthüllungen drohen, ist mit dem Jahreswechsel trotz all der guten Vorsätze kein Neuanfang in Sicht. Es geht um alles.

          Und doch gibt es Hoffnung. Gerade weil der Schleier über den Abgründen wie von einem Sturm weggeblasen wird. Nun schauen auch bislang weniger interessierte Menschen hinein, erschrecken über das Ausmaß und wohl auch darüber, dass sie die geschlossene Gesellschaft des Spitzensports machen ließen, solange die nur Medaillen wie am Fließband produzierte.

          Die zuletzt so aktive Beteiligung etwa von Sportpolitikern und Ministern aus der Regierungskoalition, ob nun der Weisheit letzter Schluss oder nicht, ist doch ein gutes Zeichen: Endlich interessiert sich jemand dafür, wie gespielt wird, und nicht nur dafür, was dabei herauskommt. Endlich macht sich jemand außerhalb der Sportfamilie ernsthaft Sorgen um den greifbaren Wertverlust.

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          Das ist ein Hinweis für die Bedeutung. Anstatt das (seit zwei Wochen geltende) Anti-Doping-Gesetz der Politik im Kern zu bekämpfen, anstatt die Forderung des Innenministers, Doping-Opfern würdig und angemessen zu helfen, erbärmlich ungerührt zur Kenntnis zu nehmen, sollte der organisierte Sport den Eingriff des Staates in seine Welt als Hilfe zur Selbsthilfe verstehen und entsprechend nutzen.

          Dass es dazu keine Alternative gibt, haben die vergeblichen Versuche honoriger Funktionäre oder Trainer bewiesen, Fehlentwicklungen zu stoppen. In der Regel sind sie ausgespuckt, mitunter unehrenhaft entlassen worden vom System - als unverbesserliche Idealisten. Längst ist deutlich geworden, dass die Autonomie des Sports als Schutz vor Vereinnahmung in grotesker Umkehrung des guten Zwecks zu oft als Schutzmantel für Manipulationen im großen Stil missbraucht wurde.

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          Das Interesse von Funktionären an einer öffentlichen Debatte über die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Spitzensports ist gering. Aber wenn sie die zunehmende Abwendung weiter hinnehmen, vergeben sie die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, gestützt von Politik und Gesellschaft. Das setzt eine Kampfbereitschaft voraus nach den selbstverschuldeten Niederlagen. Und die Fähigkeit, den Bürgern eine Bedeutung des Leistungssports glaubwürdig zu vermitteln, die über das Medaillensammeln hinausgeht.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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