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Geldwäsche im Sport : Es werde Licht!

Randy Lanier finanzierte seine Motorsportkarriere durch Drogenhandel (Archivbild von 1986) Bild: Picture-Alliance

Es gibt dieser Tage viel zu lesen zum Thema Geldwäsche. Dabei kommt die weite Welt des Sports selten zur Sprache. Das ist erstaunlich.

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          Ist ja viel zu lesen zum Thema Geldwäsche dieser Tage, warum nicht einen alten Witz unter Motorsportfreunden rauskramen: Wofür steht das Kürzel IMSA? International Motor Sports Association? Bobby Rahal, einer, der heute in der amerikanischen Rennserie fahren lässt, als Teamchef, hatte in den wilden Achtzigern eine andere Antwort: „International Marijuana Smugglers’ Association“. Lustig? Vielleicht. Vor allem treffend. 1986 war Randy Lanier aufgestiegen, wurde bei den 500 Meilen von Indianapolis zum Neuling des Jahres gewählt.

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          Es war sein erster und letzter Auftritt beim berühmtesten Rennen in Nordamerika. 1987 wurde Lanier verurteilt, wegen Schmuggels und Handels von mehr als 300 Tonnen kolumbianischen Marihuanas. Das FBI schätzte Laniers Einnahmen auf 68 Millionen Dollar. Ihm gelang die Flucht über Monaco nach Antigua. Wo er nicht in einem Auto, sondern auf einem Fischerboot verhaftet wurde. Die nächsten 27 Jahre verbrachte Lanier hinter Gittern. Seine Motorsportkarriere hatte der Drogenhandel finanziert – nicht nur seine.

          Zurück in die Gegenwart, in der so viel vom ins Willfährige tendierenden Laissez-faire diverser Banken die Rede ist, von den Möglichkeiten, die ein, zwei oder mehr Investments im Yachtbau bieten oder auch die traditionell gern gewählte Route der Ersteigerung ausgewählter Werke aus den Katalogen der Auktionshäuser. Was erstaunlich selten dabei zur Sprache kommt, ist die weite Welt des Sports.

          Dabei zeigen etwa die Ermittlungen der Jahre 2017 bis 2019 im belgischen Fußball, welches Dunkelfeld kaum ausgeleuchtet ist. Aussagen des Spielervermittlers und Kronzeugen Dejan Veljkovic, dem die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Bestechung vorgeworfen werden, bringen knapp zwei Dutzend Personen in Bedrängnis. Der Prozess steht noch aus. Patrick De Koster, über Jahre Berater von Kevin De Bruyne, hat die vergangenen drei Wochen in Untersuchungshaft verbracht, auch ihm wird Geldwäsche vorgeworfen. Belgische Medien berichten, der Spieler habe ihn angezeigt.

          Ein Bericht der Financial Action Task Force, des internationalen Gremiums zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, zählte schon 2009 Fußball, Kricket, Rugby, Pferde- und Motorsport, Eishockey, Basketball und Volleyball als Geldwäschevehikel aus. Obwohl sich der Bericht mit den „offensichtlichen Möglichkeiten“ für Klubeigentümer im Fußball beschäftigt, bei Transfers und auf den Wettmärkten, bei Werbe- und Sponsordeals, nennt er auch „diverse berühmte Erpressungsfälle russischer Eishockeyprofis in der NHL durch russische Mafiosi und Beispiele der Infiltration von Eishockey-Franchises, nicht nur durch Kriminelle aus Russland“.

          Apropos Russland: Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte in dieser Woche aus dem Bericht des amerikanischen Senats, der „Fallstudie Rotenberg“ zu den Kunstgeschäften der Brüder Arkadij und Boris Rotenberg, Jugendfreunden des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Für die Rotenbergs ist der Bericht der amerikanischen Parlamentarier „fehlerhaft und verleumderisch“. Was das mit Sport zu tun hat? Nichts. In Sotschi startet am Wochenende neben der Formel 1 auch die Formel 2. Die russischen Hoffnungen liegen bei Robert Shwartzman, dem Teamkollegen von Mick Schumacher. Shwartzmans Hauptsponsor ist SMP Racing von Eigentümer Boris Rotenberg.

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