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Kommentar : Der Rubel rollt aus

Nicht nur Capello ist zum Lamentieren zumute: Der russische Sport kriselt vor der WM 2018 Bild: dpa

Das Formel-1-Rennen in Sotschi ist gefährdet, die Fußball-WM macht den Russen Angst: Das Land scheint finanziell überfordert von seinen sportlichen Ambitionen.

          Als die russische Wirtschaft vor einigen Jahren dank hoher Öl- und Gaspreise kräftig wuchs, da war für den russischen Sport nichts zu teuer. Sowohl der Staat als auch die aus dem Kreml nachdrücklich dazu ermunterten großen staatlichen wie privaten Konzerne gaben das Geld mit vollen Händen aus. Reihenweise wurden finanzielle Rekorde gebrochen - bei den Kosten für die Olympischen Spiele in Sotschi ebenso wie bei den Gehältern für Trainer und Sportler. Das alles diente einem von Wladimir Putin ausgegebenen politischen Ziel: Mit dem Sport sollten Russlands neue Stärke demonstriert und sein Prestige vergrößert werden. Wie nachhaltig der Einsatz der Mittel war, spielte dabei kaum eine Rolle.

          Schon in der letzten Phase der Vorbereitung auf Olympia war das Bild nicht mehr so rosig, so dass die russische Führung mit allerlei Tricks versuchte, die fast ins Unermessliche gestiegenen Kosten in Sotschi klein zu rechnen. Durch die westlichen Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine und den Verfall der Rohstoffpreise hat sich die wirtschaftliche Lage Russlands seither dramatisch verschlechtert. Vielen der privaten Investoren, die zum Ruhme des Vaterlandes in den Sport investieren sollten, geht langsam das Geld aus - und die Kosten bleiben am russischen Staat hängen. Das ist so beim Formel-1-Rennen in Sotschi und das ist so bei der Fußball-WM 2018, bei der die im Frühjahr von Sportminister Witalij Mutko verkündete Kürzung des Gesamtbudgets um zehn Prozent den staatlichen Anteil daran kaum berührt.

          Leerstand der teuren Stadien droht

          Leonid Sluzkij, bisher Trainer des Fußballklubs von ZSKA Moskau und ernsthafter Kandidat für die Nachfolge des am Dienstag entlassenen Fabio Capello (bis dahin der mit großem Abstand bestbezahlte Nationaltrainer der Welt), hat vor kurzem die Befürchtung geäußert, nach der WM würden all die teuren neuen Stadien leer stehen. Angesichts eines Zuschauerschnitts in der obersten russischen Fußballliga von knapp mehr als 10.000 ist das nicht unwahrscheinlich. Dann erst würde der ganze Preis für die sportlichen Prestigeobjekte sichtbar werden. Damit freilich wäre Russland nicht alleine: Südafrika und Brasilien nach den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 sowie Polen und die Ukraine nach der EM 2012 können ein Lied davon singen.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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