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Sport und das Coronavirus : Absagen in Italien – Fans in Japan dürfen nicht singen

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Das Giuseppe-Meazza-Stadion bleibt beim Spiel von Inter Mailand in der Europa League leer. Bild: Picture-Alliance

Das Coronavirus hat auch immer größere Auswirkungen auf den Sport. In Italien werden viele Veranstaltungen abgesagt. Der finanzielle Schaden ist auch groß. Und es stellt sich die Frage, ob Olympia stattfinden kann.

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          Die italienische Regierung hat wegen des Coronavirus die komplette Aussetzung von Sportveranstaltungen in fünf norditalienischen Regionen beschlossen. Die zunächst bis zum 1. März gültige Verordnung betrifft die Lombardei, Venetien, Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien und das Piemont. Die Verordnung bezieht sich nicht auf das norditalienische Aostatal. Dort stehen am Wochenende in La Thuile zwei Ski-Weltcuprennen der Damen im Super-G und in der Kombination auf dem Programm, die plangemäß erfolgen sollen.

          Eine Ausnahmeregelung gibt es für einige Fußball-Begegnungen, die als „Geisterspiele“ ausgetragen werden. Sportminister Vincenzo Spadafora erklärte, dass es „für einige Events die Möglichkeit geben wird, sie hinter verschlossenen Türen“ auszutragen. Das betrifft Spiele der Serie A sowie das Europa-League-Spiel Inter Mailand gegen Ludogorez Rasgrad am Donnerstag, das im leeren San-Siro-Stadion stattfinden wird.

          Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus drohen dem italienischen Fußball beträchtliche finanzielle Verluste. Die Krise sorgte bei den Aktien der drei an der Mailänder Börse notierten Fußballklubs für einen Absturz. So meldeten die Wertpapiere von Juventus Turin, Lazio Rom und AS Rom seit Montag schwere Kursverluste. Auch der Motorsport ist betroffen. Das Ferrari-Museum in Maranello ist geschlossen, während die Ferrari-Aktie an der Mailänder Börse schwere Kursverluste hinnehmen musste.

          Der AC Mailand hat bereits mit der Rückerstattung der Eintrittskartenkosten für das Spiel gegen Genua begonnen, das am kommenden Sonntag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt wird. Das Milan-Museum ist außerdem seit Sonntag geschlossen. Auch Parma Calcio will den Zuschauern die Kosten für die ausfallende Begegnung gegen SPAL Ferrara zurückerstatten.  Die circa 30.000 Zuschauer, darunter 300 bulgarische Fans, die bereits ein Ticket für das Europa-League-Spiel Inter Mailand gegen Ludogorez Rasgrad am Donnerstag im Giuseppe-Meazza-Stadion in der Tasche haben, sollen ihr Geld zurückerstattet bekommen.

          Die italienische Regierung hatte per Dekret die Austragung von Geisterspielen gebilligt. Die Regierung kam damit einer Forderung des Präsidenten der Serie A, Paolo Dal Pino, nach. Er hatte am Montag in einem Brief an die Regierung gefordert, die Liga-Partien in den vom Coronavirus betroffenen Gebieten nicht zu verlegen. Dies sei nötig, um den Liga-Spielplan bis zum Beginn der Europameisterschaft im Juni einzuhalten, hieß es.

          Die japanische Fußball-Liga entschied aus Sorge vor dem Coronavirus, alle bis Mitte März geplanten Spiele zu verschieben. Davon sind insgesamt 94 Begegnungen betroffen, wie die J-League am Dienstag (Ortszeit) in einem Statement bekannt gab. Zuvor hatte der Verband mitgeteilt, auch sieben an diesem Mittwoch geplante Spiele beim YBC Levain Cup, dem japanischem Ligapokal, zu verschieben. Da das Gesundheitsministerium trotz der Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 bislang Veranstaltungen im Freien erlaubt, hatten die erste und zweite Liga die neue Saison wie geplant am vergangenen Wochenende eröffnet.

          Einzelne Klubs haben jedoch unabhängig vom Kurs der Regierung ihre eigenen Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. So werden Zuschauer gebeten, Masken zu tragen. Zudem werden Desinfektionsmittel in den Stadien bereitgestellt. Der frühere Klub von Lukas Podolski, Vissel Kobe, ging laut Kyodo sogar soweit, dass Zuschauer angehalten sind, im Stadium nicht zu singen. Unterdessen meldet Japan, das in 150 Tagen die Olympischen Spiele in Tokio ausrichten will, einen weiteren Anstieg der Infektionen mit dem neuen Coronavirus im Land auf 851. Davon entfallen allerdings 691 Fälle allein auf Passagiere und Crewmitglieder eines Kreuzfahrtschiffes.

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