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Sport in Deutschland : Olympia steht nur an zweiter Stelle

Olympiasymbol im Hamburger Stadtpark: Hier sagten die Bürger „No“ zur Bewerbung. Bild: dpa

Was hat Vorrang: All die maroden Sportstätten in Ordnung zu bringen oder lieber auf den Olympia-Zuschlag zu hoffen? Besser ist es, Menschen in Bewegung und damit zusammenzubringen. So könnte eine Basis für die Spiele in der Heimat entstehen.

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          Hamburg will nicht, Berlin sagt: nicht jetzt. Den Stand, besser: den Stillstand einer aktuellen Olympiabewerbung Deutschlands machte Alfons Hörmann deutlich, als er nach der Vollversammlung des deutschen Sports in Frankfurt, auf der Pressekonferenz zum Kehraus, während die meisten der Delegierten zum Bahnhof und zum Flughafen strebten, erstmals über den akuten Bewerbermangel für eine deutsche Kandidatur um Sommerspiele sprach. Rhein-Ruhr hatte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes in der Versammlung erwähnt mit dem süffisanten Lob, Michael Mronz habe da eine schöne private Initiative für 2032 gestartet, Hut ab. Viel mehr als eine Idee ist es nicht, mit welcher der Sport-Impresario und Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, durch ihr Land, durch Deutschland und gelegentlich auch zum Internationalen Olympischen Komitee nach Lausanne touren.

          Wollte der westlichste Westen Deutschlands sich wirklich gegen Brisbane und ein Dutzend weiterer Konkurrenten durchsetzen, bräuchte es nicht nur ein paar Großsportstätten, etwa für Schwimmer und Leichtathleten, sondern vor allem eine Zusage des Bundes, für Bauten, Infrastruktur und Sicherheit geradezustehen. Das kostet Milliarden. Diese war die Kanzlerin nicht bereit zu garantieren, als die Hamburger Olympia 2024 auf eine Elbinsel mitten in der Stadt holen wollten.

          Wenn nun Politiker für Olympia in Deutschland werben, dann vor allem als Symbol für Zukunftsfähigkeit. Die Logik ist fragwürdig: Hat das Land schon keine Fortüne dabei, neue Flughäfen, Bahnhöfe und Konzerthäuser zu bauen, soll es zum Beweis, dass es doch geht, die Modernisierung einer ganzen Region draufsetzen – Scheitern ausgeschlossen, denn der Termin Olympischer Spiele ist nicht verhandelbar. Wird nichts aus der Bewerbung für 2032, ist Pause. Kaum vorstellbar, dass eine deutsche Stadt, schon gar nicht Berlin, sich um die Spiele hundert Jahre nach denen bewirbt, die Adolf Hitler 1936 eröffnete und für seine Nazi-Propaganda nutzte.

          Den Wind aus den Segeln nehmen könnte all denen, die von Olympia in Deutschland träumen, zudem Horst Seehofers Versprechen eines Goldenen Plans III. Sollte der Sportfreund im Kabinett tatsächlich durchsetzen, schwarze Null hin, billiges Geld her, dass der Bund über Jahre Milliarden für die Modernisierung Hunderter, womöglich Tausender Sportstätten aufbringt, um dem gesellschaftlichen Zusammenhalt eine Basis im Sport zu bieten, wird es schwierig, gleichzeitig dem größten Sportereignis der Welt die Bühne zu bereiten.

          Was hat Vorrang: all die Sportstätten in Ordnung zu bringen, in die es durchs Dach regnet, in denen die Heizung seit Jahren ausgefallen ist und in die Mitglieder am Rollator über die bröselnde Treppe keinen Zugang haben? Oder auf ein Sommermärchen zu hoffen, auf das Vereinssportler stolz und begeistert, aber am Fernsehschirm blicken? Man ist geneigt, sich dafür auszusprechen, die Menschen in Bewegung und dadurch zusammenzubringen. So könnte, in der Zukunft, eine Basis für Olympia in der Heimat entstehen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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