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Appell an die Sportverbände : Fordert mehr!

Jedes Jahr werden in Berlin die engagiertesten Vereine geehrt. Und jedes Mal erntet der Sport nur freundliches Wohlwollen. Das liegt auch an den Verbänden. Sie müssen deutlicher aufzuzeigen, welche Leistungen für die Gesellschaft der Sportverein erbringt.

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          No sports, denkt man unwillkürlich, wenn der Deutsche Olympische Sportbund einmal im Jahr seine engagiertesten Vereine nach Berlin einlädt und mit ihnen am Brandenburger Tor feiert. Von Jahr zu Jahr wird die Stimmung ausgelassener, Schals und Gesänge wie in der Fankurve gehören längst zu diesem Gipfeltreffen des Breiten- und Freizeitsports. Und doch beschleicht einen das Gefühl, dass der Sport hier nicht seinen Kern findet, sondern Rand und Oberfläche vorführt. Gewiss, der VfL Bad Wildungen hat den „Goldenen Stern“ von der Kanzlerin und die 10.000 Euro von den Genossenschaftsbanken mehr als verdient dafür, dass er Flüchtlinge an deren Haustür abholt zur Sportstunde unter Nachbarn.

          Aus den Ländern und Regionen kommen jedes Jahr Klubs und Initiativen ins Finale, die sich hier auf Naturschutz und dort auf ein Sozialprojekt mit Strafgefangenen, mit Migranten, mit Behinderten konzentrieren. Das ist ein getreues Abbild des Umstands, dass lange suchen muss, wer gerade in Großstädten einen Sportverein finden will, der vor allem Sport im Sinne von Training und Wettkampf in den Mittelpunkt seines Treibens stellt.

          Existenzgefährdender Mangel

          Mehr und mehr verstehen sich Klubs auf der Suche nach Zukunft als Service-Provider mit Kursen statt Mitgliedschaft, mit befristeter Unverbindlichkeit statt lebenslanger Zugehörigkeit. Kein Wunder, dass es da geradezu existenzgefährdend an Nachwuchs mangelt, der diese Vereine ehrenamtlich führen soll. Und doch erweist der Umstand, dass viele der ausgezeichneten Vereine erst aufgefordert, gar überredet werden mussten, sich um einen Stern des Sports zu bewerben, dass es ihnen mehr um die Sache geht als darum, sich darzustellen.

          Das ist schließlich Aufgabe der Verbände: Aufzuzeigen, welche Leistungen für die Gesellschaft der Sportverein erbringt - ob er sich in erster Linie aufs Toreschießen konzentriert, auf Bauch, Rücken und Po seiner Mitglieder oder auf Nistgelegenheiten für seltene Vögel im Dickicht am Spielfeldrand. Dafür darf, nein müssen die Verbände mehr einfordern als freundliches Wohlwollen von Politik und Staat. In den Stadien der Welt mögen Top-Athleten mit Titeln und Medaillen Ehre für unser Land einlegen. In Schulsporthallen und auf Bolzplätzen, auf zugefrorenen Teichen und asphaltierten Plätzen lernen wir und unsere Kinder, wie man sich bewegt - in Gesellschaft.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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