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Probleme in Corona-Krise : Der Sport ist mehr als ein Symbol

  • -Aktualisiert am

Die Corona-Krise lässt die Sportwelt hierzulande immer wieder stillstehen. Bild: dpa

Die Welt wird die Absage mancher Veranstaltung wegen der Corona-Krise verschmerzen. Aber es ist falsch zu glauben, das Herunterfahren des Sports bis in die Schulen hinein hätte keine Folgen.

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          Was ist zwingend nötig in diesem Herbst? Reisen zu Auswärtsspielen in Corona-Hotspots? Die Aufrechterhaltung eines Spielbetriebes, des Wettkampfsports? Ob etwas „zwingend notwendig“ ist, so wie die Kanzlerin ihre rhetorische Frage an die Nation formulierte, hängt auch von der Perspektive ab und nicht allein vom sozialen Rang. Aus der Sicht von vielen Arbeitnehmern im Profisport ist ihr Job zwingend notwendig.

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          Der im Kern vernünftige Rat der Regierungschefin, das Spiel sein zu lassen, trifft nicht nur den augenscheinlich überflüssigen Spiel-, sondern auch den Überlebenstrieb. Und das im doppelten Sinne. Die Fußball-Bundesliga, wer wüsste das nicht nach all den Ausschweifungen, ist längst ein Unternehmen. Vermutlich hat sie deutlich größere Chancen, die aufziehende Herbstdepression und die vielleicht folgende Eiszeit des Sports zu überstehen, als andere. Sie hat die größten Ressourcen, sich gegen die zersetzende Kraft des Virus zu wehren. Sowohl materiell als auch ideell.

          Die meisten anderen, in der Wahrnehmung untergeordneten Sportarten japsen längst nach Luft. Selbst die Profi-Ligen der ersten Klasse, ganz zu schweigen vom professionellen wie semiprofessionellen Unterbau. Sie leben allein von Zuschauern. Jene, die es nicht tun, wie manche der Wintersportarten, fürchten die Reisebeschränkungen. In den Amateurklassen, so ist in diesen Tagen zu hören, werfen Spieler und Spielerinnen schon prophylaktisch das Handtuch, kurz nachdem oder kurz bevor die Saison begonnen hat.

          Ja, es ist richtig: Die Welt wird die Aussetzung einer Kreisliga-Runde verschmerzen, auch die Absage der Deutschen Schwimm-Meisterschaften und die nächste Verschiebung eines großen Schachturniers. Aber es ist falsch zu glauben, das Herunterfahren des Sports bis in die Schulen hinein hätte keine Folgen, so wie die Absagen von Konzerten, Opernaufführungen und Theatervorstellungen Spuren hinterlassen würden.

          Neben dem Schutz vor dem Virus ist es von nicht geringerer Bedeutung, die Bürger vor einem Fruststau zu bewahren. Der Sport hat dabei nicht nur eine symbolische Bedeutung, wie die letzten Monate bewiesen. Die Profis im Fußball gingen voraus bei der Entwicklung von überzeugenden wie funktionierenden Hygienekonzepten, die in der gesamten Gesellschaft kopiert oder ergänzt wurden.

          Athleten wie Publikum reagierten, lässt man die wenigen Ausnahmen beiseite, wie es vernunftbegabte Wesen tun. Klug, diszipliniert, achtsam. So ließ sich mit dem Virus leben. Diese Haltung sollte gestützt werden, gerade weil Herbst und Winter den Erfolg des ersten Kampfes zu trüben scheinen. Die Vernunft gebietet, scharf darüber nachzudenken, dass der Mensch ein Homo ludens ist und sein muss, wenn er sich entwickeln und Krisen meistern soll.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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