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Geld im Sportbusiness : Imagewechsel auf die Schnelle

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Karl-Heinz-Rummenigge: „Wir dürfen nicht überdrehen. Mir wird der Fußball zu politisch, zu finanziell.“ Bild: EPA

Geld ist nicht alles – die Fußballbranche schlägt auf dem Sportbusiness-Kongress Spobis andere Töne an. Aber wie glaubwürdig ist die neue Nachdenklichkeit von Männern wie Rummenigge und Co.?

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          Ein neuer Geist wehte während der vergangenen Tage durch das Kongresszentrum der Düsseldorfer Messe, wo sich jedes Jahr Ende Januar die führenden Köpfe des deutschen Sportbusiness treffen. Die vielen Männer und wenigen Frauen auf dem so genannten Spobis diskutieren, verhandeln, verbünden sich und zelebrieren Jahr für Jahr neue Möglichkeiten zur Geldvermehrung. Diesmal war die Atmosphäre aber ein wenig anders. Viele der Programmpunkte waren von einer deutlich spürbaren Nachdenklichkeit geprägt.

          Es sind nicht mehr nur die Traditionalisten in den Fankurven, die sich genervt abwenden, wenn immer neue Profitsteigerungsstrategien den Sport und ganz besonders den Fußball prägen. Eine ganze Generation hat – vielleicht auch forciert von der Klimakrise – den heiligen Glauben an die Geschichten vom ungebremsten Wachstum verloren. Nun sagte sogar Karl-Heinz-Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern: „Wir dürfen nicht überdrehen. Mir wird der Fußball zu politisch, zu finanziell.“

          Viele Redner und Diskutanten vertraten ähnliche Haltungen und propagierten die Suche nach neuen Wegen. Die deutsche Fußballadministration arbeitet an der Entstehung eines frischeren Images, mit dem sich auch ein jüngeres, kritisches Publikum anfreunden kann.

          So warnte Fritz Keller, der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), dringend davor, finanzielle Faktoren als treibende Kraft zuzulassen: „Heute gewinnt nicht der Größere und nicht der mit dem dicken Geldbeutel, sondern der mit der guten Idee und der Schnellere.“ Der gesamte DFB müsse in Zukunft „etwas bescheidener auftreten“, erklärte der badische Winzer und warb auch noch für mehr Nachhaltigkeit: „Es muss wie in der Industrie in Generationen gedacht werden: Heute ist wichtig, morgen ist wichtiger, übermorgen ist am wichtigsten.“

          Fritz Keller: „Heute gewinnt nicht der Größere und nicht der mit dem dicken Geldbeutel, sondern der mit der guten Idee und der Schnellere.“

          Leute wie Oke Göttlich, der querdenkende Präsident des FC St. Pauli, der seit einiger Zeit auch dem neunköpfigen Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) angehört, setzen sich ebenfalls dafür ein, nicht alles dem kurzfristigen Streben nach mehr Profit unterzuordnen. Göttlich hielt ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der 50+1-Regel und fragte in Richtung der Großklubs von der Bundesligaspitze: „Glauben Sie ernsthaft, dass Bayern München und Borussia Dortmund auf Sicht die Umsätze von Paris Saint-Germain und Manchester City generieren können oder sind deren Geschäftsmodelle nicht wettbewerbsschädigend?“ Die Wirkung des neuen Geistes war allgegenwärtig in Düsseldorf. Die Frage ist nur: Ist das glaubwürdig, oder ist man dankbar, wenn Leute wie Göttlich das Image von Organisationen aufpolieren, die sich in Wahrheit gar nicht ändern wollen.

          Dass mit Rummenigge ein langjähriger Förderer der alten Strategien nun als nachdenklicher Kritiker kommerzieller Umtriebe in Erscheinung tritt, wirkt merkwürdig. Er sehe „keine große Notwendigkeit“ zur Umwandlung der Champions League in eine Super League mit Teilnahmegarantien für Klubs unabhängig von deren Abschneiden in den nationalen Ligen. „Der Radikalismus geht mir zu weit“, erklärte Rummenigge, es sei der „Süden Europas, der sich zu viele Gedanken über die Finanzen“ mache. Das kam an.

          Hans-Joachim Watzke: „Unser Wertesystem, wie wir uns das in Deutschland vorstellen, auf die ganze Welt zu überspannen, funktioniert auch nicht.“

          In der Vergangenheit haben die Bayern aber meist mitgemacht, wenn es irgendwo Möglichkeiten gab, die eigene Sonderstellung zu festigen, auch wenn der Wettbewerb dadurch an Attraktivität verlor. Eine Champions League on Tour in der Sommerpause bezeichnete Rummenigge allerdings sehr glaubwürdig als „Nonsens“.

          Die Klubfunktionäre Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt), Bernd Hoffmann (Hamburger SV), Oliver Leki (SC Freiburg) und Fernando Carro (Bayer Leverkusen) trafen sich unterdessen in einer Runde mit dem Titel „Was wir aus unseren Fehlern gelernt haben und jetzt besser machen müssen.“ Hofmann stellte fest, „dass die Liga ihre wirtschaftliche Leistungskraft sportlich nicht abbildet“, während Hellmann ein besseres „Erwartungsmanagement“ forderte. Die Klubs sollten „mutiger und aggressiver vorgehen, gerade, was europäische Ansprüche angeht“.

          Schon am Mittwoch saßen unter anderem Frankfurts Präsident Peter Fischer und Carsten Cramer, der Marketing-Chef des BVB, zusammen und berichteten von ihrem Engagement im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Ideologien. Der BVB hat viel getan, um die rechtsradikalen Umtriebe auf der Südtribüne zu bekämpfen, endgültig gelöst ist das Problem aber noch nicht. Und Fischer, der immer wieder betont, dass AfD-Wähler eigentlich nicht Mitglied bei der Eintracht werden könnten, weil ihre politische Haltung den Werten aus der Klubsatzung widerspreche, warf anderen Klubs vor, nicht klar genug Position zu beziehen: „Was uns fehlt, ist die kollektive solidarische Durchschlagkraft des deutschen Fußballs. Wir schaffen es nicht, dass wir uns als Liga mit klarer Kante klar bekennen gegen die katastrophalen Veränderungen in der Gesellschaft.“

          Andere Töne waren da selten. Hans-Joachim Watzke warnte beispielsweise vor allzu viel Moralismus: „Unser Wertesystem, wie wir uns das in Deutschland vorstellen, auf die ganze Welt zu überspannen, funktioniert auch nicht.“ Der Geschäftsführer des BVB schlug vor, „so viel wie möglich für unsere Wertevorstellung zu werben, ohne aber jedes Mal beleidigt zu sein, wenn andere sich nicht daran halten.“ Am engagiertesten bemühten sich aber der DFB und die DFL um ein anderes Image. Besonders der Ligaverband feierte sich in mehreren Veranstaltungen als kontroverse, diskussionsoffene, junge und agile Organisation. Nach dem Vorbild der amerikanischen Profiligen wird der in Frankfurt ansässige Verband mehr und mehr zu einen Medien- und Dienstleistungs-Konzern, der sich wieder verstärkt für das Spiel und die Bedürfnisse der Fans einsetzen möchte. Ob dieses Bestreben an Kraft verliert, wenn es im Frühjahr um den neuen TV-Vertrag und die anschließende Verteilung der Gelder geht, ist allerdings offen.

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