Spitzensport-Reform : Der Mehrkampf ums Geld hat begonnen
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Streck dich! Auch Carolin Schäfer und die Leichtathleten werden künftig mehr an Medaillen gemessen Bild: Reuters
Der DOSB will mehr Unterstützung vom Bund bekommen. Dafür muss er sein neues Spitzensportkonzept durchpeitschen – gegen scharfe Kritik aus den eigenen Reihen.
Mehr Gold, das ist das Ziel der Reform des Spitzensports. Doch um das Projekt realisieren zu können, erwarten die Verbände Vorleistungen: mehr Geld. Auf knapp 13 Millionen Euro beziffert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den Bedarf für eine Anschubfinanzierung, dazu kommen drei Millionen für die fünf Sportarten, die im August neu ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen wurden. Die Summe soll sich schon im Budget des Bundesinnenministeriums 2017 wiederfinden. Letzte Chance, sie einzustellen, ist die Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses in der Nacht zum 11. November. Das Problem: Noch ist das Konzept nicht einmal im Sport vollständig akzeptiert, noch sind Details schleierhaft. Doch mit dem Geld und dem Gold scheint es wie mit der Henne und dem Ei: Ist das Geld nicht versprochen, könnten die gar nicht so wenigen Skeptiker bei der Hauptversammlung des deutschen Sports am 3. Dezember in Magdeburg gegen die Reform stimmen. Wie aber sollen andererseits Parlament und Ministerium Millionenbeträge für die neue Welle im Sport in den Haushalt einstellen, wenn ihr die Verbandspräsidenten noch gar nicht zugestimmt haben?
Viel ist also derzeit von Geld die Rede, als Anschub, als Trost, als Lockmittel. Das macht erst recht deutlich, dass der finanzielle Rahmen der gesamten Reform nebulös ist. Innenminister Thomas de Maizière beteuert, dass der Staat nicht Geld sparen, sondern die Organisation effektiver machen wolle. Gebe es genügend Medaillenkandidaten, solle sogar mehr Geld fließen als die derzeit rund 160 Millionen Euro aus seinem Etat. Als die Sportdirektoren der Verbände hochrechneten, wie die Unterstützung im hypothetischen Fall aussehen müsste, falls all ihre Athleten Medaillenkandidaten wären, kam eine stattliche Summe zusammen: 65 Millionen Euro jährlich, eine Vergrößerung der Sportförderung um 40 Prozent.
Weil im August Skateboard und Surfen, Karate und Klettern sowie Baseball ins olympische Programm aufgenommen worden sind, zu einem Zeitpunkt, als der Haushalt 2017 längst aufgestellt war, müssen die Verbände das Geld vom Bund 2017 nach jetzigem Stand durch 35 statt 30 teilen. Die Aussicht auf eine vorzeitige Reform-Dividende wird nicht größer dadurch, dass DOSB-Präsident Alfons Hörmann bei einer öffentlichen Anhörung des Sportausschusses zur Reform am Mittwoch in Berlin ankündigen musste, dass er im Dezember in Magdeburg nicht die vollständige Reform zur Abstimmung vorlegen könne. Die Reduzierung der mehr als 250 Olympia- und Bundesstützpunkte sowie die Schaffung eines wissenschaftlichen Verbundsystems, in das Hochschulen einbezogen werden sollen, ist in den verbleibenden sechs Wochen nicht zu erledigen. „Das ändert nichts daran, dass die Gesamtkonzeption der Schwerpunkt der Versammlung sein wird“, sagte Hörmann: „Man kann nur über das abstimmen, was vorliegt.“
Von Übergangsjahren ist keine Rede
Jetzt schon zu zahlen, dürfte dem Staat auch deshalb schwerfallen, weil die Reform erst vom 1. Januar 2019 an umgesetzt werden soll. Von Übergangsjahren, wie 2017 und 2018 intern schon bezeichnet werden, ist öffentlich nicht die Rede, im Gegenteil: Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio beginne im kommenden Jahr mit Strukturgesprächen, kündigte der DOSB an. Er werde schon mal ohne das viel diskutierte Potential-Analysesystem (PotAS) anfangen.