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Kampf um Spitzensportreform : DOSB sieht keine Mitschuld an Etatreduzierung

Kein Plan B: DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Bild: dpa

Zwischen der Mittelforderung für die Spitzensportreform und dem gegenwärtigen Finanzplan der Regierung gibt es eine krasse Differenz. Nun gibt es eine Krisensitzung des Sports – mit klarem Ergebnis.

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          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht die Schuld für die krasse Differenz zwischen seiner Mittelforderung zur Umsetzung der Spitzensportreform und dem gegenwärtigen Finanzplan der Regierung außerhalb der eigenen Reihen. Das soll nach Angaben mehrerer Teilnehmer ein Ergebnis der Krisensitzung am Mittwoch in Frankfurt am Main sein. Der DOSB hatte unter anderem seine Mitglieder kurzfristig zu dem Treffen eingeladen, weil statt der geforderten Etaterhöhung für 2019 in Höhe von 110 Millionen Euro und 135 Millionen für 2021 im Finanzplan der neuen Regierung jeweils nur 30 Millionen zusätzlich zum Jahresbudget von 170 Millionen stehen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In einem Bericht an Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestages wirft der Bundesrechnungshof Teilen des Sports vor, seine Hausaufgaben nicht erledigt zu haben. Allein der Sprecher der Spitzenverbände, Ruderpräsident Siegfried Kaidel, hat nach Darstellung von Ohrenzeugen in der Sitzung sinngemäß den DOSB dazu aufgerufen, sich mit Blick auf das Finanzthema auch an die eigene Nase zu fassen. Kaidel sei dafür kritisiert worden. Bevor die jüngsten Zahlen veröffentlicht worden waren, hatte es einen öffentlich ausgetragenen Streit zwischen der DOSB-Führung und dem inzwischen in den einstweiligen Ruhestand versetzten Abteilungsleiter Sport des Bundesinnenministeriums gegeben.

          In seiner sogenannten „Frankfurter Erklärung“ hat der DOSB am Mittwoch seinen Führungsanspruch bei der Steuerung des Reformprojektes und seine Forderung nach einer deutlichen Steigerung der staatlichen Spitzensportförderung erneuert. Demnach stellen die Teilnehmer der Sitzung fest, dass die Umsetzung der Leistungssportreform ohne deutlichen Mittelaufwuchs nicht möglich sei. Die Vorbereitung der Sportlerinnen und Sportler auf die Olympischen und die Paralympischen Spiele von Tokio 2020 und die World Games von Birmingham 2021 könne ohne mehr Geld leiden.

          Der DOSB wendet sich gegen die vom Bundesrechnungshof vertretene und vom Finanzminister unterstützte Auffassung, dass es erst Geld gebe, wenn die Reform weitgehend umgesetzt sei. Zwischen Innenministerium und DOSB habe von Projektbeginn an die Vereinbarung bestanden, dass zunächst das Konzept erstellt und anschließend die für die Umsetzung benötigten Mittel zur Verfügung gestellt würden. Die vorgesehene Etatplanung sei keine ausreichende Grundlage zur Umsetzung des Reformpakets. DOSB-Präsident Alfons Hörmann nannte die Reform alternativlos. Es gebe keinen Plan B.

          Der DOSB hatte bereits für dieses Jahr ein Plus von 79 Millionen gefordert, 2019 sollte es 110 Millionen betragen, und im Olympia-Jahr 2020 sollte es so groß sein, dass der Spitzensport-Etat 300 Millionen Euro erreicht – zusätzlich zur staatlichen Beschäftigung von rund tausend Top-Athleten als Soldaten, Zöllner und Polizisten. Das Innenministerium hatte diese Zahlen in seinem Etatentwurf reduziert und beim Finanzministerium für dieses Jahr 18,7 Millionen Euro mehr beantragt; 2019 sollte das Plus 73,6 Millionen, 2020 84 Millionen, und 2021 79 Millionen Euro betragen. Der Sport kann dem ausgeschiedenen Innenminister Thomas de Maizière nicht vorwerfen, sein Versprechen von einem substantiellen und nachhaltigen Aufwuchs gebrochen zu haben, oder dem ausgeschiedenen Abteilungsleiter Gerhard Böhm, er habe die verstärkte Förderung hintertrieben.

          Die Hoffnung des Sportbundes richtet sich nun darauf, dass die Spitzensportförderung im parlamentarischen Verfahren erhöht wird, das Ende Juni abgeschlossen sein wird. Zu Befürchtungen der Athletenvertreter, die Unterstützung des Vereins Athleten Deutschland könne vom DOSB vereinnahmt werden, behauptete Hörmann gegenüber dem Sportinformationsdienst: „Wir haben uns bis zum heutigen Tag nicht an Mitteln der Athleten bedient und werden es auch künftig nicht tun.“ Laut Entwurf des Innenministeriums sollen die Athletenvertreter 255.000 Euro für eine eigenständige Geschäftsstelle erhalten.

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