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Olympionikin Linda Stahl : „Bei akuter Bedrohung schickt uns keiner nach Rio“

Die Europameisterin von 2010, Linda Stahl, fährt zuversichtlich nach Rio. Bild: Picture-Alliance

Linda Stahl ist Speerwerferin – und Ärztin. Olympia 2016 soll ihr letzter großer Wettkampf sein. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über das Zika-Virus, den Einsatz von Insektiziden und Mut bei der Reise nach Rio.

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          Wir erreichen Sie in Kienbaum. Trainieren Sie für Rio?

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Olympischen Spiele sollen mein letzter großer Wettkampf werden. Wir sind vier Kandidatinnen für drei Plätze. Schon die Ausscheidung in Deutschland wird eine große Herausforderung sein.

          Beunruhigen Sie die Nachrichten über das Zika-Virus in Brasilien?

          Ich sehe als Sportlerin die Olympischen Spiele nicht als gefährdet an. Das Virus hat es vorher schon gegeben. Nun treten vermehrt Fälle auf von fehlgebildeten Kindern. Das Auswärtige Amt rät Schwangeren ab, jetzt in die Region zu fliegen. Das Virus soll nur im ersten Trimenon gefährlich sein, aber insgesamt ist auch noch recht wenig zu diesem Virus bekannt. Sportlerinnen sollten ohnehin nicht schwanger sein, wenn sie dort antreten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwangere von Europa nach Südamerika fliegen, um sich Olympische Spiele anzugucken. Ich vertraue der Empfehlung, die lautet, dass die Reise für alle anderen sicher ist. Im August ist Winter in Rio, dann ist ohnehin weniger mit Stechmücken zu rechnen als jetzt.

          Sie wollen einmal Kinder haben?

          Ja, stimmt. In den nächsten Jahren ist das voraussichtlich nicht aktuell. Ich habe das nicht im Hinterkopf, wenn ich nach Rio fliege.

          Können Sie sicher sein, dass ein Virus, das Sie sich im August zuziehen, nicht in Jahren Ihr ungeborenes Kind schädigen könnte?

          Nein, sicher sein kann man sich nicht. Aber dazu müsste ich mich erst einmal infizieren. Wir trainieren ja nicht im Wald, sondern wir sind in einer großen Stadt. Als ich im Oktober mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband in Rio war, habe ich keinen einzigen Mückenstich bekommen, weil ich immer sogenannte Repellentien aufgetragen habe, Anti-Brumm oder Autan. Ich habe lange Kleidung getragen. Man hat mir gesagt, die Gelbfieber-Impfung, die ich habe, brauchte man in Rio-Stadt eigentlich nicht. Zudem führt nicht jeder Mückenstich zu einer Infektion.

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          Erfordert die Reise Mut?

          Jede Reise erfordert ein wenig Mut. Aber ich fliege dort als Sportlerin hin; den Arzt lasse ich zu Hause. Ich vertraue den Leuten, die Verantwortung tragen und Verantwortung übernehmen. In unserem Team ist das Verbandsarzt Dr. Helmut Schreiber und der DOSB. Darüber hinaus kümmert sich das Auswärtige Amt. Als Sportler kann man diese Baustelle nicht auch noch aufmachen. Man sollte sich informieren, man sollte die Anweisungen beachten, aber damit ist das Thema erst mal erledigt.

          Nun wird berichtet, nicht nur die Mücke übertrage das Virus, sondern das sei auch beim Geschlechtsverkehr möglich ...

          Wir sind alle auf dem Stand, dass wir nicht nur wegen des Zika-, sondern auch wegen eines anderen Virus uns schützen. Als Urologe kann ich dazu auch wegen anderer sexuell übertragbarer Krankheiten nur dringend raten – völlig unabhängig von dem aktuellen Thema.

          Sie raten zu Gelassenheit?

          Wir können abwarten, es sind ja noch sechs Monate bis August. Bis es losgeht, wird es noch viele neue Erkenntnisse geben. Wenn dort eine akute Bedrohung für die Sportler besteht, wird uns niemand hinschicken. Das glaube ich nicht.

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          Beunruhigt Sie der massenhafte Einsatz von Insektiziden, insbesondere auf den Sportanlagen?

          Die wurden in der Vergangenheit auch überall eingesetzt. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn die Sport-Elite zu Olympischen Spielen nach Rio kommt, werden dort alle Maßnahmen getroffen sein, dass uns nichts geschieht.

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