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Sommerspiele in London : IOC verhandelt weiter mit Saudis

Keine Frauen für Olympia: der saudische NOK-Präsident Nawaf Bin Faisal Bild: AFP

Das Internationale Olympische Komitee will Saudi Arabien dazu drängen, auch Frauen bei den Spielen starten zu lassen. Das IOC selbst steht in der Kritik, weil es den NOK-Chef Syriens nach London eingeladen hat.

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          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gibt sich mit der klaren Ansage aus Saudi-Arabien nicht zufrieden, das Land werde auch in diesem Jahr keine Frau zu den Olympischen Spielen entsenden. „Wir diskutieren das immer noch mit unserem Kollegen vom saudischen Nationalen Olympischen Komitee“, sagte Präsident Jacques Rogge am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Moskau. „Dies ist eine laufende Diskussion, aber es ist noch ein wenig zu früh, um Schlüsse daraus zu ziehen.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Vor anderthalb Wochen hatte Prinz Nawaf Bin Faisal, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Saudi-Arabien und gleichzeitig IOC-Mitglied, erklärt: „Wir billigen die Teilnahme von saudischen Frauen an Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften nicht.“

          Rogge bestätigte außerdem, dass das IOC den Chef des NOK von Syrien, General Mowaffak Joumaa, zu den Spielen nach London eingeladen hat, obwohl dieser dem Diktator Baschar Assad nahe steht. Der britische Premierminister David Cameron hatte zwar im März bestätigt, dass Angehörige von Assads Regierung, gegen die von der EU Reiserestriktionen verhängt worden sind, nicht nach Großbritannien kommen dürfen. Allerdings steht der General nicht auf dieser Liste. „Alle Olympischen Komitees sind eingeladen“, sagte Rogge, „und natürlich ihr Präsident auch.“

          Wegen einer Einladung unter Druck: IOC-Präsident Rogge (im Foto links) hört den Ausführungen des britischen Premiers Cameron aufmerksam zu

          Das Innenministerium des Landes kann nach britischen Medienberichten allerdings auch solchen Personen die Einreise verwehren, deren Anwesenheit „dem Gemeinwohl abträglich“ wäre. Aktivisten der syrischen Protestbewegung haben an die britische Regierung appelliert, Jumaas und andere syrische Funktionäre nicht ins Land zu lassen. Schon Anfang April hatte ein syrischer Athlet die Bereitschaft des IOC relativiert, eine Mannschaft aus dem mit Gewalt regierten Land in London starten zu lassen.

          Nicht unter dieser Flagge

          Abdelbasset Saroot, einst Torhüter der syrischen Fußball-Nationalmannschaft „U 23“, sagte dem britischen Fernsehsender ITV, dass die Sportler seines Landes nicht bei Olympia starten wollten, „weil sie nicht unter einer Flagge antreten wollen, auf die sie nicht stolz sind und an die sie nicht glauben“. Der 20 Jahre alte Saroot, dessen Fußballmannschaft nicht für Olympia qualifiziert ist, sagte: „Ich weiß persönlich, dass die Mehrheit nur deshalb hingeht, weil sie Angst um ihre Familien haben - vor der Reaktion des Regimes, wenn sie nicht mitspielen.“ Saroot, der aus der umkämpften Stadt Homs stammt, gehört zu den erklärten Gegnern der Assad-Diktatur.

          Feuerwolke nach einer Explosion in Homs

          Saroot sagte, seine Botschaft an das IOC laute, „dass die Hälfte der syrischen Sportler, die zu Wettbewerben gehen, nicht viel darüber wissen, was hier in Homs geschieht“. Die Behörden hielten die Informationen von ihnen ab. „Man muss sehen, dass diese Athleten von der Wirklichkeit abgeschnitten sind. Sie wissen nichts über die Bomben. Sie wissen nicht, dass eine Bombe ihre Mutter treffen könnte, ihren Vater oder einen Verwandten.“

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