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Coronavirus besorgt Sportwelt : Isolation in Berlin, Absagen in der Schweiz

Radprofis bei der wegen des Coronavirus inzwischen abgebrochenen UAE-Tour am 26. Februar Bild: Getty

Die Fußball-Bundesliga ist von Maßnahmen gegen das Coronavirus noch nicht betroffen, aber zwei eidgenössische Ligen stehen still. Ein Teilnehmer der Bahnrad-WM muss in Quarantäne. Und wohin steuert die Formel 1?

          3 Min.

          Die Auswirkungen des Corona-Virus auf den Sportbetrieb werden immer massiver. In der Schweiz wurden am Freitag auf Anweisung des Bundesrats bis zum 15. März alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten, auch Sportereignisse. Möglich bleiben demnach Geisterspiele ohne Fans oder Partien mit geringeren Zuschauerzahlen. Ansonsten müssen geplante Spiele verschoben oder abgesagt werden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Betroffen sind vor allem Fußballspiele und Partien der höchsten Eishockey-Ligen. Alle Spiele der ersten und zweiten Fußball-Liga dieses Wochenendes wurden auf einen unbestimmten Termin verlegt. Über die folgenden Termine soll in der kommenden Woche in Absprache mit Behörden und Klubs entschieden werden, teilte der Ligaverband mit. Im Eishockey stehen in der Schweizer National League vom 7. März an die Meisterschafts-Playoffs an. Im Mai findet in der Schweiz die Eishockey-WM statt.

          Die Fußball-Bundesliga ist noch nicht von Maßnahmen betroffen. Borussia Dortmund erklärte, man befürchte keine Einnahmeausfälle durch mögliche Spielabsagen. Der Verein habe eine Ausfallversicherung. Beim italienischen Fußball-Rekordmeister Juventus Turin sind die U23-Spieler bis auf Weiteres vom Training mit der ersten Mannschaft um Cristiano Ronaldo ausgeschlossen worden. Grund ist die Corona-Infizierung eines Spielers des Drittligaklubs US Pianese, gegen den Turins Talente am vergangenen Sonntag spielten.

          Ausnahmezustand in Olympiaort Sapporo

          Auch die laufende Bahnrad-WM in Berlin ist betroffen. Der von der UAE-Tour vorzeitig abgereiste dänische Profi Michael Mørkøv darf nicht teilnehmen und befindet sich derzeit isoliert in seinem Hotelzimmer. Der Madison-Europameister soll auf das Coronavirus getestet werden. Er fühle sich fit und habe „überhaupt keine Symptome“, sagte Mørkøv der Zeitung „Der Nordschleswiger“. Er war am Donnerstag aus Dubai abgereist, noch bevor die Rundfahrt wegen der möglichen Erkrankung zweier italienischer Team-Betreuer abgebrochen wurde. Danach durften alle an der Rundfahrt beteiligen Personen das Hotel nicht mehr verlassen, bevor sie sich einem Test unterzogen haben.

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          Ein Ausnahmezustand wurde am Freitag auf der japanischen Insel Hokkaido ausgerufen, weil die Zahl der Infizierungen auf 63 gestiegen ist. Dies gilt auch für den Olympiaort Sapporo. Die Hauptstadt der zweitgrößten Insel Japans soll bei den Sommerspielen Schauplatz der olympischen Wettbewerbe im Marathonlauf und im Gehen sein. Dagegen soll der für Sonntag terminierte Tokio-Marathon wie geplant stattfinden. Die Organisatoren hatten bereits vor zehn Tagen entschieden, nur 200 Eliteathleten teilnehmen zu lassen. Zuletzt gingen zusätzlich rund 40.000 Hobbyläufer auf den Kurs.

          Auch die E-Games hat das Virus erreicht. In Kattowitz findet das Intel Extreme Masters auf Geheiß des Gouverneurs der polnischen Woiwodschaft Schlesien seit Freitag ohne Zuschauer statt. Zu einer drastischen Maßnahme griff auch der spanische Fußball-Erstligaverein FC Valencia. Er sagte seine Pressekonferenzen und weitere Termine in der Öffentlichkeit, mit Ausnahme der Spiele, auf unbestimmte Zeit ab. Valencia reagiert auf die Corona-Infektion eines spanischen Journalisten aus dem Vereinsumfeld.

          Red-Bull-Sportdirektor Marko warnt vor Hysterie

          Gewaltige Sorgen bereitet die Ausbreitung des Corona-Virus dem Management der Formel 1 zwei Wochen vor dem geplanten Saisonstart in Melbourne. Der Chefmediziner von Victoria, Brett Sutton, wollte eine Absage des Rennens nicht ausschließen, sollte sich das Virus auch in Australien ausbreiten. Australien ist auf dem Weg, sich abzuschotten. Durch die Ausladung aller chinesischen Studenten zum Semesterbeginn vor zwei Wochen steigt der Schaden um zwei Milliarden Dollar (1,19 Milliarden Euro). Der für Chinesen für eine Woche verlängerte Bann könnte demnächst auch Südkoreaner, Japaner und Norditaliener treffen, wo zwei Teams ihren Stammsitz haben, Ferrari in Maranello und Alpha Tauri in Faenza. Der italienische Reifenhersteller Pirelli schickt nicht nur Pneus nach zu den Rennen, sondern eine große Mannschaft. Bei einem Einreiseverbot für Italiener drehte sich kein Rad mehr.

          Gleichzeitig ist das Interesse in Melbourne in diesem Jahr besonders groß, die Formel 1 zur Saisonpremiere zu empfangen. Das Sommerfeuer und die Fluten haben Touristen ferngehalten. Die Flieger sind so leer wie die Hotels, der Verlust für das Land soll zwei Milliarden Dollar (1,19 Milliarden Euro) betragen. Allerdings schaut Australiens Regierung genau auf die Entscheidungen in Singapur. Der Stadtstaat soll bislang weltweit am besten mit den Fällen umgegangen sein. Singapur ließ alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen für zwei Wochen absagen.

          Unterdessen ist Vietnam nach Informationen der F.A.Z. fest entschlossen, an der Einladung der Formel 1 zur Premiere am 5. April festzuhalten. Trotzdem halten selbst Formel-1-Teamchefs das Rennen für gefährdet. Nordvietnam, besonders Hanoi, pflegt einen besonderen Austausch mit China. Die Zahl der Infizierten ist aber – offiziell – sehr gering: 26. Die Vietnamesen werden, so heißt es, auf einen Rückzug des Rennzirkus warten. Dabei spielt auch das Geld eine Rolle. Der Promotor in Hanoi müsste die Antrittsgage, geschätzt 25 Millionen Euro, nicht zahlen, falls die Formel 1 absagt. Für die Reaktionen der Behörden hat nicht jeder Verständnis: „Ich halte das alles (die Reaktion/d. Red.) für weit überzogen“, sagte Helmut Marko, der Sportdirektor von Red Bull, am Donnerstag der F.A.Z.: „Es bereitet mir Sorgen, weil das ganze Thema nicht sachlich und emotionslos behandelt wird. Es entsteht bei mir der Eindruck, dass mitunter hysterisch reagiert wird.“

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