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Russen vor der Rückkehr? : Mord und Sport

Kennen sich aus mit Skilift und Skipiste: Wladimir Putin und Alexandr Lukaschenko (rechts) Bild: dpa

Am Tag der Teilmobilmachung sagt der Skiverband, dass der Sport unabhängig von der Politik sein sollte. Russen und Belarussen könnten bald in die Wettkämpfe zurückkehren. Falls Putin keine Atombombe zündet.

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          Timing ist alles. Am Mittwoch gab der russische Oberbefehlshaber Wladimir Putin bekannt, seine Invasion der Ukraine durch die Teilmobilisierung von einstweilen bis zu 300.000 Soldaten wieder auf Kurs zu bringen. Der Kurs, das mag in Vergessenheit geraten sein, sieht vor, dass die Ukraine von der Landkarte verschwindet. Der Botschaft ans eigene Volk fügte der Herrscher im Kreml die Botschaft an den Rest der Welt bei, nun wirklich nicht zu bluffen, wenn er mit dem Einsatz von Atomwaffen droht.

          Am Tag, an dem Putin also eine weitere Eskalationsstufe seiner imperialistischen Politik zündet, zu deren Konzept vor acht Jahren die Rolle als Gastgeber der Welt bei den Olympischen Winterspielen und der Doping-Betrug an den dazu angereisten Gästen gehörten, an diesem Tag hatte der Internationale Skiverband FIS auch etwas zu sagen. Und zwar: Im Prinzip sei alles eingerichtet für eine Rückkehr der russischen und belarussischen Sportler in den Skisport.

          Vielleicht im Dezember, damit die Russen und Belarussen im Februar bei der Weltmeisterschaft dabei sein können. Man warte noch auf das Signal vom Internationalen Olympischen Komitee, sagte FIS-Generalsekretär Michel Vion sinngemäß, das nach Wegen suche, den Russen die Türen zur Rückkehr zu öffnen. Und wörtlich: „Der Sport sollte unabhängig von der Politik gesehen werden.“

          Timing ist alles. Womöglich sollte man Michel Vion und den Oberbefehlshabern des Sports danken für diese Vorbereitungen russischer Triumphe auf der Bühne des Sports inmitten all der Meldungen über russische Kriegsverbrechen, Mord und Folter. Denn wenn wir Putin richtig verstanden haben, also alles glattläuft mit seinen Plänen, dann ist das Zeitfenster für gemeinsame Wettkämpfe von russischen, belarussischen und ukrainischen Sportlern ja doch arg begrenzt. Und ist die Ukraine dann erst einmal von der Landkarte verschwunden, braucht der Kriegsherr seine Skispringer auch nicht mehr als Friedenstauben von den Schanzen hüpfen lassen.

          Betrachten wir die Pläne, die der Sport schmiedet, also als Geschenk. Carpe diem, alles strahlt. Wer weiß, was die Zukunft so bringt. Macht Putin Ernst mit den Atombomben, muss sich der Internationale Skiverband auch keine Gedanken mehr über den Klimawandel machen. Könnte dann vielleicht schwierig werden, den Sport unabhängig von der Politik zu sehen. Oder Sport überhaupt zu sehen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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