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Fifa-Korruptionsaffäre : Blatters System

Joseph Blatter bei der Eröffnung des Fifa-Kongresses am Donnerstag in Zürich. Bild: dpa

Die lautstarke Kritik an Joseph Blatter kaschiert die Machtlosigkeit gegenüber der Fifa, die sich unter ihrem Präsidenten eine fast unangreifbare Position gesichert hat. Dabei gäbe es durchaus eine Sprache, die der Manager dieses Systems versteht.

          Es ist irgendwie rührend, dass und wie sich Politiker aller Parteien in Deutschland und anderen westlichen Ländern gar nicht mehr beruhigen mögen. So viel Empörung wie über die Fifa hat schon lange nicht mehr geherrscht. So gut wie alle derjenigen, die sich jetzt „schockiert“ oder gar „überrascht“ zeigen, hatten aber in der Vergangenheit keine Schwierigkeiten, Joseph Blatter bei jeder Gelegenheit freundlichst lächelnd die Hand zu schütteln.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Die selbstverständlich berechtigte lautstarke Kritik an dessen „System“ kaschiert nur die Machtlosigkeit gegenüber einem Verein, der sich mit Hilfe des Schweizer Rechts eine beinahe unangreifbare Position gesichert hat. Der Präsident dieses Vereins, das muss man ihm lassen, versteht es meisterhaft, das denkbar Beste aus dieser Konstruktion zu machen. Und sogar in der mutmaßlich tiefsten Krise der Fifa zeigt sich, dass das System noch funktioniert. Dass der russische Präsident Blatter zur Seite springt, ist naheliegend. Wladimir Putin muss fürchten, dass ihn ein Sturz des Schweizers „seine“ Weltmeisterschaft kosten könnte. Und auch die anderen Nutznießer des Patronagesystems stehen noch zu Blatter.

          Gespannt sein darf man, ob der europäische Fußballverband Uefa der Situation gewachsen ist. Dessen Präsident Michel Platini geriert sich zwar gerne als Gegenspieler Blatters. Aber gegen eine WM in Qatar hatte der Franzose auch nichts einzuwenden. Es ist in der Uefa also längst nicht alles „weiß“, während in der Fifa tiefes „schwarz“ herrscht. Sportlich beherrschen die Europäer zwar den Weltfußball. Aber hier geht es um Politik. Und es geht um unfassbar viel Geld. Das schafft Versuchungen. Mit im Spiel sind übrigens auch wir, die Zuschauer. Wie viele Fans wären wohl bereit, aus reiner Prinzipientreue die Übertragungen der WM-Spiele in Russland und Qatar zu boykottieren? Welcher Fernsehsender würde es wagen, den Volkssport schlechthin vom Bildschirm zu verbannen?

          Eine Chance freilich gäbe es. Ohne ihre Sponsoren wäre die Fifa wirklich ein kleiner Verein. Die Konzerne, deren angeblich so gewaltige Macht von Linken immer wieder beredt beklagt wird, sollten hier und jetzt endlich einmal ernsthaft ihre Muskeln spielen lassen und Blatters Fifa den Geldhahn zudrehen. Diese Sprache nämlich versteht der Systemmanager sehr gut.

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