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Fifa-Erneuerung : Im Teufelskreis der Eigensucht

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Führungsfiguren des Weltfußballs Blatter (l.) und Platini: Wenig Hoffnung auf Erneuerung Bild: AP

Ausgerechnet das Fifa-Exekutivkomitee, bei dem seit Jahrzehnten die Korruptions-Fäden zusammenlaufen, tritt an diesem Montag zusammen, um die Fifa zu retten.

          Aus gegebenem Anlass müssen wir uns leider wiederholen: Der Welt-Fußballverband (Fifa), eine Organisation, die von der amerikanischen Justiz als kriminelle Vereinigung angesehen wird, hat ein Führungsgremium namens Exekutivkomitee, bei dem seit Jahrzehnten die Korruptions-Fäden zusammenlaufen. Nur mal ein paar Beispiele: Unter den sieben Funktionären, die Ende Mai in Zürich auf amerikanischen Antrag verhaftet wurden, befanden sich zwei aktuelle Mitglieder der Exekutive, dazu ein kommendes und ein scheidendes. Auch Kronzeuge Chuck Blazer, der die amerikanischen Ermittlungen ins Rollen brachte, war früher Exekutivmitglied. Und der brasilianische Verbandschef Marco Polo Del Nero traut sich nicht, an der Exekutiv-Sitzung an diesem Montag in Zürich teilzunehmen, vermutlich aus Angst, hinter Gittern zu landen.

          Sie alle eint die Verstrickung in den millionenschweren Korruptions-, Betrugs- und Geldwäscheskandal im Zusammenhang mit Rechtehandel und der Vergabe von Großereignissen, der gerade den Zürichberg rockt. Das Problem ist offenkundig: In dem 25 Personen starken Gremium sitzen die Delegierten der Kontinentalverbände, die naturgemäß weniger die Interessen des Fußballs schützen als ihre Hausmacht. Und sehr oft die Möglichkeit, ihre Taschen zu füllen.

          Warum wir diese grundsätzliche Fifa-Fehlkonstruktion noch einmal erwähnen? Weil ausgerechnet diese Exekutive, präsidiert von Joseph Blatter, an diesem Montag zusammentritt, um die Fifa zu retten. Es ist also beinahe so, als wäre der Weltverband von einer schweren Krankheit befallen, und die Bazillen konferierten jetzt über Heilungsmöglichkeiten. Schlichtweg absurd. Die Kontinentalvertreter müssten ihre eigene Macht und Einkünfte beschneiden. Sie müssten eine Amtszeitbeschränkung einführen, die einige von ihnen selbst wegkatapultieren würde. Sie müssten für eine zentrale Leumundsprüfung stimmen, die ihre eventuellen Leichen aus dem Keller ans Licht befördern würde. Wieso sollten sie so etwas tun?

          Am ehesten werden sie es wohl schaffen, einen Termin festzulegen für den außerordentlichen Kongress, an dem Blatter sein Mandat zur Verfügung stellen will. Doch wen sollen die 209 Mitgliedsverbände zu seinem Nachfolger machen? Woher einen Kandidaten nehmen, der Rückgrat hat und trotzdem von den alten Seilschaften gewählt wird? Bisher hat nur ein Einziger seine Ambitionen angedeutet: Blatter. Der europäische Präsident Michel Platini, dessen Führungsstil ohnehin wenig Hoffnung auf Erneuerung macht, bleibt in Deckung. Der deutsche Präsident Wolfgang Niersbach - immerhin als Neu-Exekutivmitglied der Fifa unbescholten - drängt zwar zur Eile, was den Kongress angeht. Doch seine eigene Positionierung steht aus. Während in den Vereinigten Staaten die Erkenntnisse über ein internationales Bestechungs-Netzwerk fortschreiten, wagt sich bei der Fifa keiner der üblichen Verdächtigen ans Licht.

          Zwei Großsponsoren fordern nun umfassende Änderungen bis hin zur Bildung einer unabhängigen Reformkommission. Doch ist unklar, wer diese einsetzen und mit welchen Personen sie ausgestattet werden könnte. Die Exekutive müsste sich dafür selbst für unfähig erklären und die Verantwortung weitergeben. Es sieht aus, als rotierte der Weltverband in einem Teufelskreis.

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